„Mal eben“

Wisst ihr noch, als „mal eben“ auch „mal eben“ war? Als man mal eben in die Stadt ging, mal eben jemanden besuchte, mal eben einkaufte, mal eben Arzttermine wahr nahm? Das ist so lange her. Nun ist so eine Aktion immer ein Halbtagsevent, dass Einiges an Organisation fordert.

So plage ich mich schon seit geraumer Zeit mit Schmerzen und tauben Gefühl am rechten Arm von der Schulter bis zu den Fingerspitzen. Ich hätte mal eben zum Arzt gehen sollen. Da ich aber die Wahl hatte zwischen Kinder mitnehmen oder Zähne zusammenbeißen, schonen, cremen, baden, wärmen und fest hoffen, dass es wieder verschwindet, wählte ich Letzteres, denn, seien wir mal ehrlich, mit den zwei brüllenden Arztphobikern in eine Praxis gehen und sich ordentlich behandeln lassen ist vermutlich utopisch. Und so hoffte und hoffte ich- natürlich vergebens. Heute meldete ich mich dann bei der Arbeit krank, denn ich konnte mir beim besten Willen nicht vorstellen, wie ich erwachsene Menschen pflegen sollte. Der Wundermann schickte mich zum Arzt, der eine Überbelastung und schlimmste Muskelverspannungen diagnostizierte. Spritze, ein bisschen Drücken hier und da (AUA!) und ein paar weise Ratschläge (einseitige Belastung vermeiden! Nicht ständig die Kinder tragen! Sport! Zeit zur Entspannung nehmen! Hahaha.) und Morgen wiederkommen. Hmpf. Morgen muss ich dann wohl mit Kindern gehen. Hach ja. Als „mal eben“ noch „mal eben“ war.

Zurück zum Ich

Schritt für Schritt, Stück für Stück zurück in das „normale“ Leben. Dahin bewege ich mich gerade, und: Es ist anstrengend aus dieser Luftblase, in der man lebt, zurück  in ein normales Leben zu finden. Wieder selbstständiger sein tut gut, aber sich Freiräume schaffen kostet Kraft. Die Freiräume zu leben schenkt aber so viel neue Energie, dass es sich lohnt.

Einmal in der Woche gehe ich schwimmen. Zwei Stunden ohne Familie, nur für mich. Es tut unglaublich gut.

Ich gehe wieder einkaufen, mit den Kindern. Das hört sich vielleicht lächerlich an, aber ich habe mich lange nicht getraut, mit beiden allein in den Supermarkt zu gehen. Da ich dörflich lebe, ist dafür ein Auto nötig. Als die Kinder noch kleiner waren, hätte es einen Kinderwagen gebraucht, nun sitzt M. im Einkaufswagen und A. ist in der Tragehilfe. Das klappt toll. Und ich bin stolz.

Und nun werde ich ab Juni für 5 Stunden in der Woche in meinen alten Job zurück kehren. Teilzeit in Elternzeit heißt das. Ich freue mich drauf und bin auch total nervös. Aber es fühlt sich richtig an.

37+1

Liebste Wundermädchen,

Ihr seid nun 37 Wochen und einen Tag auf dieser Welt. Das ist genau so lang, wie die Zeit, die ihr in meinem Bauch gewohnt habt. Das klingt gar nicht so lang, oder? Es fühlt sich aber an wie die Ewigkeit. Ich kann mir gar nicht mehr vorstellen, wie es ohne euch war, ihr habt unser Leben komplett auf den Kopf gestellt. 260 Tage ist es her, dass ich euch endlich sehen durfte. Ihr wart so herbeigesehnt und macht uns komplett. Es fühlt sich alles so richtig an, wir vier.

M., du bist so unglaublich. Du kannst nun sitzen, schiebst dich überall durch das Haus, bist immer neugierig und ein kleiner Wildfang. Du liebst es zu toben, je wilder, desto besser. Dein Lachen ist ansteckend und dein Humor einfach umwerfend. Du findest fliegende Dinge lustig, deiner Schwester an Haaren oder Ohren zu ziehen und wenn du Andere lachen siehst. Du isst unglaublich gern, man kann in deiner Gegenwart nichts mehr essen, ohne dass du auch etwas essen darfst. So lutscht du schon fleißig an Dinkelstangen, um schlimmes Wutgebrüll zu vermeiden. Du weißt genau, was du willst und bist ganz dickköpfig. Wenn du weinst, und das ist, Gott sei Dank, nicht so oft, ist das herzzerreißend. Du möchtest ständig was Neues entdecken, bist aber manchmal auch ängstlich. Dann können dir nur Mama und Papa helfen. Gerade bist du ein extremes Mamakind, du brauchst mich ständig in deiner Nähe. Fremden gegenüber bist du total schüchtern, Menschen, die du öfter siehst, strahlst du immer an. Aber bitte nur gucken, nicht anfassen! Liebe M., stundenlang könnte ich über dich erzählen. Ich liebe dich ganz unglaublich.

A., mein wunderbares Mädchen. Du sitzt am Liebsten und gerade beginnst du, dich durch das Haus zu schieben. Du probierst gern dein Stimmchen aus, plapperst ganz viel und wenn du fremd bist, quietschst du ganz laut um zu hören, wie dein Stimmchen dort  klingt. Du kannst dich stundenlang mit einer Sache beschäftigen und bist ein echter Kuschelkäfer. Das warst du schon immer. Dich bringt man mit Kitzeln zum Lachen oder mit Grimassen und Geräuschen. Du weißt genau was du willst und, vor allem, was du nicht willst. Dein Schmolllippchen ist unvergleichlich. Und dein Lächeln auch.  Liebste A., auch über dich könnte ich unendlich weiter erzählen. Ich liebe dich ganz unglaublich.

Alles ist anders mit euch, alles ist neu. Wunderschön eben.

Zeit zum Luft holen

Es ist ruhig geworden, hier und auch bei Twitter. Und das liegt schlicht daran, dass ich manchmal nicht weiß, wo mir der Kopf steht.

Hier ist einiges los. Ich komme kaum mit meinen alltäglichen Aufgaben hinterher, die Wundermädchen fordern mich sehr. Sie werden langsam mobil, wollen etwas erleben, verlangen Entertainment und neue Ideen. Gleichzeitig fordern sie unglaublich viel Nähe, die Welt ist einfach so groß und aufregend. Sie schlafen schlecht, werden oft wach und manchmal machen sie auch die Nacht zum Tag. Einen Milchstau, eine Brustentzündung und eine fiebrige Erkältung galt es auch zu überstehen. Langsam geht mir die Puste aus.

Ich brauche Zeit. Zeit für mich, Zeit zum Durchatmen, Zeit zum Kraft tanken.  Es ist so unglaublich schwer sich das freizuschaufeln. Ich schaffe es ja manchmal nicht, tagsüber ausreichend zu essen und zu trinken. 

Ich will mich nicht beschweren, ich liebe es Mutter sein zu dürfen. Nur langsam wird es auch Zeit wieder ein bisschen ICH zu sein, ein bisschen Frau, Freundin, Ehefrau. Zeitfenster müssen her, sie sind dringend nötig. Daher: Verzeiht mir, wenn es hier still ist, EMails noch nicht beantwortet sind (ich habe sie alle gelesen und mich darüber gefreut. Ich verspreche zu antworten. Irgendwann. Seid mir nicht böse.) und ich mich ein wenig zurück ziehe. Ich brauche Zeit zum Luft holen.

„Nicht die Mama!“

Liebe Wundermädchen,

ich liebe euch unglaublich und will euch nicht missen. Trotzdem müssen wir da mal was besprechen: Mama braucht Zeit für sich. Nur ein klitzekleines Bisschen.

Früher schaute ich gern eine Serie, die Dinos. Kennt ihr die? Das Baby kannte auch nur zwei Kategorien: Mama und nicht die Mama. So könnte man das auch hierher übertragen. In den letzten zwei Wochen geht hier scheinbar nichts ohne mich, und das strengt mich sehr an. Sonntag habe ich noch nicht einmal eine Dusche geschafft, weil ihr nicht bei Papa bleiben wolltet. Wenn wir allein sind ist Duschen kein Problem. Ich hatte mir so gewünscht mir meine Haare zu färben. Nichts da. Letzte Woche war ich das erste Mal zur Rückbildung. Ihr habt geweint, bis ich zurück war. Euer Papa war so verzweifelt, dass er eure Oma zur Hilfe rief, aber erst als ich euch in den Arm nahm wart ihr sofort still und seid erschöpft eingeschlafen. Euer Papa war unglaublich traurig deswegen. Denn eigentlich seid ihr gern mit ihm zusammen. Wenn er hier ist, habt ihr gar keine Zeit für mich. Das ist schön und ich genieße es, wenn ihr Spaß mit Papa habt. Aber den Raum verlassen darf ich nicht, dann bricht hier die Hölle los.

Meine Lieben, so geht das nicht weiter. Ich will nicht viel, aber Rückkbildung muss sein. Und ein bisschen Mamazeit wenn der Papa da ist, auch. Sonst bleibt nicht viel von Mama übrig. Ich brauche das, sonst werde ich unglücklich. Eine ausgiebige Dusche ohne immer ein Ohr bei euch haben zu müssen oder mal Zeit für ein Bad? Es ist schön mit Papa, versucht es mal. Bitte.