Liebes 2015, 

dieses Jahr habe ich noch keinen Jahresrückblick geschrieben. Vielleicht, ganz vielleicht hole ich es noch nach. Wer weiß. 

2015. Ein Jahr mit Höhen und vielen Tiefen. Ich weiß nicht, wie du mir in Erinnerung bleiben wirst. Ich hoffe, die Höhen überstrahlen die Tiefen bald. 

Liebes 2016, 

ich freue mich auf dich. Ich hoffe, dass ich jede Seite des Kalenders mit schönen Erinnerungen füllen kann. 

Und das wünsche ich euch auch. Habt einen guten Rutsch und ein wundervolles neues Jahr. 

  

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Langzeitstillen. Ein Geständnis.

Niemals hätte ich es vorher gedacht: Ich bin eine Langzeitstillerin.

M. ist 19 Monate alt und wird in der Nacht immer noch gestillt. A. nun seit einer Weile nicht mehr. Aber auch sie stillte ich deutlich länger als alle Frauen, die ich persönlich kenne, ihre Kinder stillten.

Langzeitstillerinnen kenne ich nur aus meiner Filterblase im Internet. Sein Kind länger als sechs Monate zu Stillen ist in meinem Umfeld ein echtes Unding.

Abnormal, eklig, krank. Das sind nur ein paar der Dinge, die ich im Laufe der Zeit gehört habe. Auch der Wundermann war vor entsprechenden Kommentaren nicht sicher. Und wisst ihr, was ich nicht ein Einziges Mal außerhalb meiner Filterblase (abgesehen von meiner Hebamme) gehört habe? Etwas Nettes, Wertschätzendes. Oder eben einfach mal Nichts. Nein, ich wurde immer negativ kommentiert und bewertet. Warum nur wird das als so etwas Negatives wahrgenommen?

Als meine Kinder älter als sechs Monate waren, wurde die Frage des Umfeldes nach dem Abstillen drängender. Zunehmend fühlte ich mich unwohl meine Babys (!!!) in der Öffentlichkeit zu Stillen. Ich begann das zu vermeiden, versteckte mich, wenn sich das Stillen außerhalb des zu Hauses nicht vermeiden ließ. Ich vermied Gespräche darüber. Traf ich Freundinnen, war ihre erste Frage immer, ob ich denn noch stille. Vielleicht war ich schon zu oft aus der Norm gefallen, schließlich waren meine Kinder IVF-Kinder. Und dann noch das. Damit konnten sie nicht umgehen, und ich? Ich auch nicht. Ich habe es nicht geschafft, das zu kommunizieren. Es war mir unangenehm, ich hatte bereits Bauchweh deswegen, wenn ich wusste, dass ich bald wieder deswegen gefragt werde.

In meinem Umfeld glauben alle, dass die Kinder schon sehr lange abgestillt sind. Ich bin nicht mutig genug dazu zu stehen. Das ist schade und auch nicht richtig, denn es wäre besser, ich könnte darüber reden. Über meine Gedanken dazu. Meine Beweggründe. All das, was eben zu so einer langen Stillbeziehung dazu gehört. Aber in der ganzen Zeit hat mich nicht ein Mensch danach gefragt. Es war immer:
„Stillst du IMMER NOCH?“-„Ja.“-„Wie lange DAS denn noch?“-„Keine Ahnung.“-„(verletzender Kommentar)“.
Aber ich habe auch nicht dazu beigetragen, das Bild in meinem Umfeld darüber zu verändern. Dazu fehlt mir der Mut.

Gut, dass ich meine Filterblase habe. Sonst würde ich mich sehr allein fühlen.

Es muss nicht jeder gut finden. Es muss sich auch niemand vorstellen können. Ich persönlich fänd es schön, wenn es schlicht respektiert würde. Schließlich ist es etwas sehr Persönliches. Und Jemand, der ehrliches Interesse daran gehabt hätte, warum ich nicht pünktlich zum sechs-Monats-Geburtstag abgestillt habe, der hätte gut getan.

Ich wünschte, es gäbe mehr Menschen, die ehrliches Interesse zeigen (auch an anderen Themen), die zuhören, nachfragen, über ihren Tellerrand schauen. Und ich wünschte, ich wäre mutiger. Mutig genug auch im realen Leben zu meiner Entscheidung zu stehen und sie in die Welt hinauszutragen.

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