Die unendliche Geschichte hat ein Ende. 

Abgestillt. M. ist nun knapp 23 Monate alt und die lange Geschichte hat ein Ende. 

Ich hätte es mal wieder nicht geglaubt, aber M. hat sich zum Schluss tatsächlich selbst abgestillt. Wir waren dauernd krank, die Nächte waren schwer. Letzte Woche Samstag bekam M. schon wieder eine Magen-Darm-Grippe (nur sie, Glück im Unglück!). Also hieß es wieder auf Milchprodukte, einschließlich Muttermilch zu verzichten. Ich pumpte ab, denn ich wollte nicht, dass es durch die Krankheit aufhört, der Bruch schien mir zu hart. M. war da aber anderer Meinung. Als sie wieder gesund war und auch wieder ihre heißgeliebte Premilch bekam, fragte sie nicht mehr nach Stillen (während sie krank war, fragte sie auch nicht). Es war einfach vorbei, einfach so. Ohne Krach, beidseitige Tränen oder ähnliche Damen. 

Mein Körper schien das grandios zu finden, seit einer Woche Stille ich nun nicht mehr, seit fünf Tagen pumpe ich auch nicht mehr ab, und seit Mittwoch habe ich das Gefühl „milchfrei“ zu sein. 

Plötzlich war es doch so einfach und unkompliziert. Wer hätte das gedacht. 

Es endet mal wieder ein Abschnitt, der sich nicht zurückholen lässt. Das Stillen war eine schöne Zeit und eine Erfahrung, die ich nicht missen möchte. 

Ich kann es selbst kaum glauben, ich habe geschafft, woran ich schwanger nicht glaubte: Zwillinge stillen, lange Zeit lang voll, und viel länger, als ich es je gedacht habe. Und nun werden meine Babys groß. Mein Herz weint und lacht. 

Über Autonomiephasen und eine Mutter, die trotzdem dankbar ist.

M. ist wütend. Weil ich nicht sofort reagiere. Weil ich nicht sofort verstehe. Weil ich zur Toilette muss. Weil der Hund zu meinen Füßen liegt. Weil das Puzzleteil, dass sie geworfen hat, unter das Sofa gefallen ist und sie es nicht selbst holen kann. Weil ich ihre Schwester wickeln/anziehen/trösten muss. Weil ich ihr verbiete, ihre Schwester im Vorbeigehen an den Haaren zu ziehen/zu schubsen oder zu hauen. Weil ich nicht das richtige Essen gekocht habe. Weil sie lange geschlafen hat und den Papa verpasst hat. Weil sie früh aufgestanden ist und der Papa noch da ist. Weil der Papa irgendetwas für Sie tun möchte. Weil.., ach, das lässt sich endlos fortsetzen. Sie ist ein sehr wütendes Kind gerade. Sie weint, schreit, schlägt um sich, wirft sich auf den Boden und das tut sie andauernd, gefühlt hunderte Male am Tag.

Neuerdings erstreckt es sich auf die Nacht. Als die Mädchen krank waren, hatten sie einen unglaublich hohen Flüssigkeitsbedarf. A. trank gut und gerne, zusätzlich zum normalen Pensum, 500ml Wasser am Tag (sie ist ja schon seit Monaten abgestillt), M. drei Flaschen Pre à 240ml plus Stillen. Sie verlangte nach „Miiiich“ (Milch) und die bekam sie auch. Schließlich war ich dankbar, dass sie überhaupt etwas zu sich nahm.

Während A. nachts nun wieder durchschläft (das tut sie ganz von allein, schon sehr lange) und ihren Nahrungs- und Flüssigkeitsbedarf tagsüber abdeckt, verlangt M. weiter „Miiiiich!“. Ich will die Menge in der Nacht reduzieren, zu oft schlafe ich mit dem Fläschchen in der Hand ein und in einem Milchsee auf, außerdem glaube ich, dass es nur eine liebe Gewohnheit geworden ist. 720ml Premilch müssen nachts nun wirklich nicht sein. Aber M. tobt. Schreit sich in Rage. Nimmt kein Wasser und lässt sich nicht beruhigen. Und das, obwohl ich ihr die Milch bislang nicht verweigere, sondern erst frage, was sie will. Nun werde ich es nach Gordon versuchen, auch wenn es auch ums Fläschchen geht und nicht nur ums Stillen.

M.’s Wut ist anstrengend. Sie rebelliert gerade wirklich gegen alles. Das macht mich manchmal auch wütend und kostet vor allem Nerven.

Warum ich trotzdem dankbar bin? Die Nachbarn wohnen weit weg und ich muss mir keine Gedanken um Ruhestörung machen. Und A. ist ein kleiner Sonnenschein. Ich bin so dankbar, dass sie sich bei solchen Phasen abwechseln und ich das nie mit zwei Kindern auf einmal bewältigen muss.

Langzeitstillen. Ein Geständnis.

Niemals hätte ich es vorher gedacht: Ich bin eine Langzeitstillerin.

M. ist 19 Monate alt und wird in der Nacht immer noch gestillt. A. nun seit einer Weile nicht mehr. Aber auch sie stillte ich deutlich länger als alle Frauen, die ich persönlich kenne, ihre Kinder stillten.

Langzeitstillerinnen kenne ich nur aus meiner Filterblase im Internet. Sein Kind länger als sechs Monate zu Stillen ist in meinem Umfeld ein echtes Unding.

Abnormal, eklig, krank. Das sind nur ein paar der Dinge, die ich im Laufe der Zeit gehört habe. Auch der Wundermann war vor entsprechenden Kommentaren nicht sicher. Und wisst ihr, was ich nicht ein Einziges Mal außerhalb meiner Filterblase (abgesehen von meiner Hebamme) gehört habe? Etwas Nettes, Wertschätzendes. Oder eben einfach mal Nichts. Nein, ich wurde immer negativ kommentiert und bewertet. Warum nur wird das als so etwas Negatives wahrgenommen?

Als meine Kinder älter als sechs Monate waren, wurde die Frage des Umfeldes nach dem Abstillen drängender. Zunehmend fühlte ich mich unwohl meine Babys (!!!) in der Öffentlichkeit zu Stillen. Ich begann das zu vermeiden, versteckte mich, wenn sich das Stillen außerhalb des zu Hauses nicht vermeiden ließ. Ich vermied Gespräche darüber. Traf ich Freundinnen, war ihre erste Frage immer, ob ich denn noch stille. Vielleicht war ich schon zu oft aus der Norm gefallen, schließlich waren meine Kinder IVF-Kinder. Und dann noch das. Damit konnten sie nicht umgehen, und ich? Ich auch nicht. Ich habe es nicht geschafft, das zu kommunizieren. Es war mir unangenehm, ich hatte bereits Bauchweh deswegen, wenn ich wusste, dass ich bald wieder deswegen gefragt werde.

In meinem Umfeld glauben alle, dass die Kinder schon sehr lange abgestillt sind. Ich bin nicht mutig genug dazu zu stehen. Das ist schade und auch nicht richtig, denn es wäre besser, ich könnte darüber reden. Über meine Gedanken dazu. Meine Beweggründe. All das, was eben zu so einer langen Stillbeziehung dazu gehört. Aber in der ganzen Zeit hat mich nicht ein Mensch danach gefragt. Es war immer:
„Stillst du IMMER NOCH?“-„Ja.“-„Wie lange DAS denn noch?“-„Keine Ahnung.“-„(verletzender Kommentar)“.
Aber ich habe auch nicht dazu beigetragen, das Bild in meinem Umfeld darüber zu verändern. Dazu fehlt mir der Mut.

Gut, dass ich meine Filterblase habe. Sonst würde ich mich sehr allein fühlen.

Es muss nicht jeder gut finden. Es muss sich auch niemand vorstellen können. Ich persönlich fänd es schön, wenn es schlicht respektiert würde. Schließlich ist es etwas sehr Persönliches. Und Jemand, der ehrliches Interesse daran gehabt hätte, warum ich nicht pünktlich zum sechs-Monats-Geburtstag abgestillt habe, der hätte gut getan.

Ich wünschte, es gäbe mehr Menschen, die ehrliches Interesse zeigen (auch an anderen Themen), die zuhören, nachfragen, über ihren Tellerrand schauen. Und ich wünschte, ich wäre mutiger. Mutig genug auch im realen Leben zu meiner Entscheidung zu stehen und sie in die Welt hinauszutragen.

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Krankenhaus, Tag 3

Unser Tag startete um 1.45Uhr, als M. wach wurde und gestillt werden wollte. Das hatte sie gut überlegt, denn ab 2 Uhr musste sie nüchtern bleiben. Ich hoffte fest, dass sie nun bis um sieben schlafen würde, so wie in der voran gegangenen Nacht. Leider hoffte ich vergebens, sie wurde um 4 Uhr noch einmal wach und verlangte danach, gestillt zu werden. Das musste ich ihr dann verweigern, was sie so wütend machte, dass sie kaum zu beruhigen war. Nach ein paar Minuten kam die Nachtschwester, um nach uns zu sehen, denn so einen Lärm kannten sie von uns nicht. Es dauerte eine Weile, aber dann ließ M. sich beruhigen und schlief noch mal bis halb sieben. Das MRT war für 8 Uhr geplant und solange musste sie nüchtern bleiben. Deswegen machte ich zuerst mich im Zeitlupentempo tageslichttauglich und dann die kleine M. Die war schon sehr ungeduldig, denn schließlich war sie hungrig. Und spätestens nach der Morgenpflege musste es ja Frühstück geben, oder? Sie war unglaublich wütend, als ich ihr kein Frühstück machte. Sie fragte sogar die Schwestern danach, obwohl sie mit denen bislang wenig bis gar nicht kommuniziert hat. „Da! Namnam! Mmmmh! DADA!“ Es half alles nichts, und drei Wutanfälle später klingelte endlich das Telefon auf der Station, dass wir uns auf den Weg machen können. Da war es viertel nach acht.

Beim MRT angekommen, wurde kontrolliert, ob M. noch irgendwo Metall an der Kleidung hatte (sie trug heute das erste Mal richtige Unterwäsche, denn unsere Bodies hatten alle Druckknöpfe), der Zugang musste noch mal mit Kochsalzlösung gespült werden um seine Durchgängigkeit zu prüfen und dann kam schon der nette Narkosearzt. Er erklärte mir noch einmal, dass das Einschlafen sehr schnell ginge und ich nicht erschrecken solle, gab ihr das Mittel über den Zugang und schon war M. in meinem Arm eingeschlafen. Sie wurde mitgenommen und für mich begann das Warten. Nach ungefähr 45 Minuten durfte ich sie schon wieder in Empfang nehmen, zwei Schwestern brachten M. in ihrem Bett schlafend zusammen mit mir zu unserem Zimmer. Sie wurde noch per Monitor überwacht, bis sie aufwachte. Als sie die Augen aufschlug, fiel ihr auch sofort ein, dass sie Hunger hatte. Zuerst durfte sie nur etwas trinken, weil sie das aber gut vertrug, bekam sie auch sofort Frühstück.

Als wir gerade bei der Schwester einen Nachschlag holten, kamen A. und der Wundermann an. Alle freuten sich, dass wir endlich zusammen waren, und die Wundermädchen wirbelten ausgelassen auf der Station herum. M. wurde schnell wieder müde und hat nach dem Mittagessen noch einmal ausgiebig geschlafen. Der Mittagsschlaf würde auch noch mal per Monitor überwacht. A. war zu aufgedreht zum Schlafen, also ging ich mit ihr in den Park zum Spielen, damit M. in Ruhe schlafen konnte.

Endlich, endlich war es Nachmittag geworden und die Ärzte kamen, um uns das Ergebnis mitzuteilen. Das MRT war ohne Befund, alles sei in Ordnung. YEAH!

Es gab aber nur eine halbe Entwarnung. Es ist durchaus möglich, dass M. noch einmal einen epileptischen Anfall bekommt. Ab dann würde man von einer Epilepsie sprechen und wir müssten noch einmal wieder kommen. Zum jetzigen Zeitpunkt dürfen wir aber durchaus hoffen, dass es bei diesem einen Anfall bleibt. Der Plan sieht vor, dass wir in drei bis vier Wochen ein Kontroll-EEG machen, und danach alle drei Monate eines. Sind die alle unauffällig und M. bleibt ohne weiteren Anfall ist auch das nicht mehr nötig.

Wir sind unglaublich froh und erleichtert und hoffen, dass es dabei bleibt.

Wir danken euch von Herzen für all die guten Wünsche und Gedanken, jeder Einzelne hat gut getan.

Und nun genießen wir das Familienbett, endlich wieder zu viert, daheim! ❤

Abstillen und die Sache mit dem Schlaf

Heute will ich euch von M. erzählen. Erst mal ein kurzer Rückblick: Das Stillen bereitete ihr zu Anfang Probleme. Sie war hektisch, das Anlegen eine Katastrophe, bis ich ziemlich am Ende war. Die Hebamme im Krankenhaus gab uns dann ein Stillhütchen, und das brachte echte Erleichterung. Plötzlich funktionierte das Anlegen problemlos. Als M. ungefähr 6 Monate war, waren wir beim Osteopathen, weil sie sehr linkslastig war. In dem Zusammenhang stellte der Osteopath auch ein verschobenes Zungenbein fest, dass er für das Stillproblem verantwortlich machte. Er bewegte sie durch, zeigte mir Übungen für den Mund und zwei Wochen später brauchten wir das Hütchen nicht mehr. Das war eine echte Erleichterung.

Ich hatte während der ganzen Zeit nicht das Gefühl, dass M. das Stillen sehr genießt. Sie machte immer den Eindruck, dass es ihr rein um Nahrungsaufnahme ging, ob aus der Brust oder der Flasche schien ihr egal zu sein. Abgestillt habe ich sie dennoch nicht, denn ich konnte es nicht übers Herz bringen ihre Schwester zu Stillen und sie nicht. Aufgrund all dieser Dinge hatte ich nie die Idee, dass das Abstillen kompliziert werden könnte. Ist es aber. Seitdem sie gemerkt hat, dass ich nicht mehr Stillen möchte, ist sie extrem fixiert auf mich. Sie klettet unglaublich, akzeptiert kein Fläschchen, ist völlig verzweifelt, wenn sie ihren Willen nicht bekommt. Ich stille sie aktuell noch nach dem Mittagsschlaf (heute war ich danach nicht da, sie hat geweint, bis ich zu Hause war…), abends, und 2-3x in der Nacht. Stillzeit verkürzen? Verzweifeltes Weinen (nein, kein Wutweinen, das ist anders. Sie ist wirklich verzweifelt). Ihr Fläschchen statt Stillen anbieten? Auf keinen Fall. Egal ob Pre oder Muttermilch. Sie ist einfach noch nicht so weit.

Tja, und der Nachtschlaf. Was soll ich sagen: Die Nächte sind gerade eine Katastrophe. Sie sind beide dauernd wach, wollen Wasser oder Stillen, finden ihren Schnuller nicht, haben Wachphasen von bis zu 2Stunden. Natürlich nicht im gleichen Rhythmus. Gerade ist es so schlimm, dass der Wundermann nicht mehr bei uns schläft, schlicht, weil er mit so wenig Schlaf nicht arbeitsfähig ist. Es ist gut, dass er nun Schlaf bekommt, ich glaube, langfristig nützt das uns allen. Aber wir müssen dringend daran arbeiten, dass wir alle mehr Schlaf kriegen. Und: A., die nachts abgestillt ist, schläft momentan sehr viel schlechter, wenn ich noch einmal hören muss, dass das Stillen am schlechten Schlaf Schuld ist, knirsche ich laut mit den Zähnen… Wer mir nun zum Ferbern raten will: Nein. Machen wir nicht. Nicht jetzt und überhaupt niemals. Es muss auch anders gehen. Und das wird es auch.

So, ein Punkt zu besserem Schlaf ist das eigenständige Wasser trinken in der Nacht. Hat jemand einen Tipp für auslaufsichere Flaschen, die ich mit ins Bett nehmen kann? Weitere Ratschläge, die ich umsetzen werde: Schlafzimmer dunkler machen, Zeiten noch strikter einhalten, tagsüber den Alltag entschleunigen. Und dann tasten wir uns Schritt für Schritt an besseren Schlaf heran. So.