Sehnsüchteleien. Oder doch nicht?

Eigentlich bin ich mir sicher, dass ich nicht mehr schwanger werden möchte. Eigentlich. Aber.

Eigentlich bin ich mir sicher, dass wir gerne noch ein Pflege/Adoptivkind aufnehmen möchten. Eigentlich. Aber.

Eigentlich bin ich auch zufrieden, wie es jetzt gerade ist. Eigentlich. Aber.

Schon während der Schwangerschaft mit den Wundermädchen war ich mir sicher, dass das meine letzte Schwangerschaft sein wird. Sie war unglaublich anstrengend und es ging mir zu Beginn sehr schlecht. Ich war wochenlang nicht in der Lage, etwas anderes zu tun, als schlafen, k..zen, schlafen. Es war mir oft zu viel dem Hund die Tür in den Garten zu öffnen. Ich wüsste wirklich nicht, wie ich den Tag mit den Mädchen bewältigen sollte, sollte es mir wieder so schlecht gehen. Auch gab es viele Erlebnisse und Ängste rund um die Schwangerschaft und die Geburt, die ich nicht noch mal erleben möchte. Daher stand meine Entscheidung fest. Plötzlich aber sitzt da ein kleiner Sehnsuchtsteufel in mir, der mir zuflüstert, ob ich mir da sicher bin und wie schön es doch wäre noch einmal ein Kind zu bekommen.

Der Wunsch nach einem Pflege/Adoptivkind wohnt noch immer sehr tief in mir und ist ungebrochen. Ich habe noch so viel Liebe im Herzen. Aber immer öfter plagen mich Zweifel. Würden wir es schaffen, diesem Kind ein sicheres Gefühl zu geben? Neben den Zwillingen mit ihrer starken Bindung zueinander? Wäre das ein Familienkonstrukt, das funktionieren könnte? Zweifel, die nagen und die ich dringend noch mal mit unserer Sachbearbeiterin besprechen muss.

Und dann, manchmal, nach anstrengenden Nächten und schlimmen Tagen, da denke ich: Es ist gerade auch gut so, wie es jetzt gerade ist. Wir sind komplett. Eigentlich. Aber.

Liebster Blog

Jana vom Hebammenblog hat mir den „Liebster Blog – Award“ verliehen. Das ist der Anlass für diesen Artikel hier. Liebe Jana, ich habe mich darüber sehr gefreut und erfülle gern die dazugehörigen Verpflichtungen:

Den Fragenkatalog von Jana beantworten,
11 Blogs nennen, die ich für lesenswert halte, und die ich für den Award nominiere und meinerseits Fragen an die Bloggerinnen stellen.

Dann beginne ich mal mit Janas Fragen an mich:
Warum bloggst du? Gab es einen konkreten Anlass damit anzufangen?

2011, nach meiner 2ten Fehlgeburt, habe ich mich schrecklich einsam gefühlt. Alle um mich herum wurden einfach schwanger, nur ich wurde es nicht und brauchte medizinische Hilfe. Und trotz der nun endlich entstandenen Schwangerschaft musste ich mein Baby wieder gehen lassen. Dieser Schmerz brauchte ein Ventil, ich brauchte das Gefühl nicht allein damit zu sein und musste mir Luft machen. In der Bloggerwelt habe ich recht schnell Menschen gefunden, die ähnliches erlebt haben und das hat mir unglaublich gut getan.

Was ist deine Mission?

Mission? Mmmh. Ich glaube, ein konkretes Ziel verfolge ich nicht. Ich suche noch immer oft Rat in der Bloggergemeinde und ich hoffe auch, dass ich mit meinen Erfahrungen anderen ähnlich helfen kann, wie mir geholfen wurde.

Wenn du über Ereignisse in deiner Familie, oder sogar direkt über Verhaltensweisen deiner Kinder berichtest, wie stehst du zu dem Problem der „zur Schau-Stellung“ der Kinder (oder auch mal des Partners). Stellt das ein Problem für dich dar? Wo ziehst du die Grenze? Oder ist das gar kein Thema für dich?

Manche von euch wissen, dass ich im wahren Leben gar nicht Emma heiße. Ich versuche, mir im Netz eine gewisse Anonymität zu wahren. Auch schreibe ich die Namen meiner Kinder im Internet nicht aus, damit sie über die Suche nicht gefunden werden können. Fotos und Videos zeige ich nur im geschützten Bereich. So versuche ich, die Privatsphäre meiner Kinder zu wahren. Offen zur Schau stellen möchte ich sie nicht, denn sie können ja noch gar nicht entscheiden, ob sie das wollen.

Lesen deine Kinder was du schreibst? Was sagen sie dazu? Bei noch kleinen Kindern: Was meinst du, wie wird es einmal für sie sein, vielleicht Einiges über sich und dich aus dem Netz zu erfahren?

Zum Lesen sind sie natürlich noch zu klein. Ich hoffe, dass sie, wenn sie größer sind, verstehen und lesen, wie sehr sie gewünscht und geliebt sind und dass sie sich nicht schämen müssen, IVF-Kinder zu sein. Mein großer Wunsch ist es einfach, dass sie, wenn sie deswegen ausgegrenzt werden, daraus einfach noch mal Kraft ziehen können.

Hast du einen „Bildungsauftrag“, oder ist es eher ein Nebeneffekt für dich, dass sich Menschen an dir orientieren (falls sie das tun ;-))

Ich wünsche mir für die Zukunft, dass es kein schlimmer Makel mehr ist, wenn man medizinische Hilfe braucht, um Eltern sein zu dürfen. Vielleicht trägt mein Blog dazu bei, dass Menschen erkennen, dass es am Ende auch ganz normale, sehr herbei gesehnte Kinder sind.

(Wie) hat das Mutter-werden dein Leben verändert? Hättest du das vorher gedacht?

Es hat alles verändert. Mutter sein ist wunderschön, aber unweigerlich gehören auch viele Entbehrungen dazu. Man trägt rund um die Uhr Verantwortung für kleine Menschen, die mit Haut und Haar auf dich angewiesen sind. Das macht mir manchmal sogar ein bisschen Angst und ich passe noch besser auf mich auf, weil ich für sie dasein will/muss. Das Leben ist ein völlig anderes. Liebe definiert sich auch völlig neu, genauso wie Partnerschaft und Freundschaft.

Hattest du eine Idee davon, wie du als Mutter sein würdest und bist du dann so geworden? Oder hast du dich mit deinen Kindern völlig anders entwickelt?

Nein, ich hatte geglaubt, ich würde weiter einfach „Ich“ sein. Wie sehr ich mich verändert habe, habe ich erst auf der Arbeit gemerkt, wo ich zum ersten Mal seit langem nicht als Mutter wahrgenommen werde.

Welchen Stellenwert hat die Geburt deines Kindes (deiner Kinder) in deinem Leben?

Einen Großen, denn das hat einen anderen Menschen aus mir gemacht. Die Erfahrung, was ich leisten kann, trage ich tief in mir.

Wie hast du entbunden? Kaiserschnitt/Spontan

Ich habe spontan entbunden.

Wo hast du entbunden (Klinik, Geburtshaus, zu Hause)

Im Krankenhaus.

Mit wem hast du entbunden? Beleghebamme, Partner, Doula, Oma…)

Mit einer Beleghebamme und dem Wundermann.

Was ist dein bester Tip an werdende Eltern zum Thema Geburt?

Such dir eine Hebamme, der du vertraust und finde mit ihr deinen Weg zur Geburt. Denn egal wie und wo du entbinden möchtest, es ist nur deine Entscheidung und dein Weg. Mir hat unglaublich geholfen zu wissen, was ich will und auch zu wissen, was geschieht, wenn Komplikationen auftreten.

Wie empfindest du die politische Diskussion zur Hebammenproblematik? Bist du involviert? Was siehst du daran kritisch? Bist du davon “gesättigt” (es zieht sich ja hin)? Oder hast du Lösungsvorschläge?

Diese Diskussion macht mich unglaublich wütend und traurig. Wenn ich mir vorstelle, wie es mir ohne meine Hebamme gegangen wäre während meiner Schwangerschaft, Geburt und auch bis heute, macht mir das große Angst. Ich wäre sehr viel weniger selbstbestimmt gewesen und ich befürchte, es wäre eine schlimme Erfahrung geworden. Ich finde, dass die Problematik zu wenig Medienpräsens hat und dringend mehr Aufmerksamkeit braucht.

Wenn du Politikerin (oder besser Königin) wärst und du könntest ein Gesetz erlassen, in dem du etwas für Familien/Kinder in unserem Land tun könntest. Was würde das sein?

Leider ändern Gesetze nichts an unserer Gesellschaft, und ich glaube, das wäre sehr notwendig. Kleine Menschen sollten selbstverständlich dazu gehören und es Eltern nicht so schwer gemacht werden. Kinderfreundliches Deutschland. Das wünsche ich mir sehr.

Danke, Jana, für diese tollen Fragen. Nun zu meinen Nominierungen:

Der kleine Muc: Ich finde mich so oft wieder.

Liebe Mara von nochmehrzwillingsblog, auch du bist dabei. Ich liebe deine Geschichten!

Liebe Nadja, du, mit der Zunge in deinen Fingerspitzen, ich weiß, du machst bei so etwas nicht mit. Aber dieses Mal vielleicht doch? Du bist eine der Ersten, die mich auf meinem Weg begleitet hat, und auch ich durfte bei dir teilhaben. Danke!

Liebe relaxednomore, schon zum 2ten Mal darf ich mitfiebern. Auch du bekommst diesen Award von mir.

Liebe June, auch wir teilen so viel. Einmal ein Award für dich! 🙂

Liebe Septemberherz mit dieser großen Sehnsucht, die ich so gut nachempfinden kann. Du bist wunderbar!

Liebe Liákadha, weil du du bist.

Liebe Julia, du hast dein Herz am rechten Fleck. ❤

Liebe Julia, oder besser Pienznaeschen? Deine Geschichten über den kleinen Mann lese ich unglaublich gern. 🙂

Liebes Öhrchen, manchmal glaube ich, wir sind Schwestern im Geiste. 😉 Auch für dich einen Award!

Liebe Hummelchen, du bist eine beeindruckende Frau. Ich lese dich schrecklich gern und wünschte, du würdest ein bisschen näher wohnen.

Und einen letzten Award verleihe ich meinen Lesern. Ihr habt mir unglaublich viel gegeben und ich würde mich freuen, wenn die ein oder andere meine Fragen aufgreift und sich hier verlinkt. Wer ohne eigenen Blog ist, darf auch gern in der Kommentarfunktion oder per Mail antworten.

Soooo, nun zu meinen Fragen:

1. Warum bloggst du?

2. Welches Ereignis in deinem Leben würdest du als das Prägendste bezeichnen und warum?

3. Was ist dein größter Herzenswunsch?

4. Wie sieht ein normaler Sonntag in deinem Leben aus?

5. Wenn du jemandem einen Wunsch erfüllen könntest, wer wäre das und warum?

6. Verrate uns ein Geheimnis!

7. Du möchtest die Welt verändern! Was und warum? Oder: Warum nicht?

8. Welche Themen liest du am liebsten auf Blogs?

9. Wann hast du zum letzten Mal Tränen gelacht und worüber?

10. Teilst du alle Aspekte deines Lebens im Internet? Warum/ Warum nicht?

11. Welches Thema ist gerade in deinem Leben sehr präsent, was beschäftigt dich gerade? (Umzug, Liebe, Freundschaft, Job…?)

Ich freue mich, wenn ihr dabei seid und bin ganz gespannt auf eure Antworten!

37+0. Mit einem lachenden und einem weinenden Auge.

Heute ist 37+0, die 38. SSW beginnt. Ich bin tatsächlich noch schwanger! Wer hätte das gedacht… Ich jedenfalls nicht, schon von Anfang an hatte ich Angst, dass meine Mädchen zu früh zur Welt kommen. Aber auch hier haben sie mich eines Besseren belehrt: Genau so, wie sie sich im September ein kuscheliges Plätzchen suchten und blieben, sind sie immer noch nicht auszugsbereit. Hier tut sich nämlich exakt gar nichts, außer dass sie munter strampeln und mir damit hin und wieder weh tun ist da ziemliche Ruhe im Bauch. Ab und an eine Wehe, aber nix Ernstzunehmendes. Es wird wohl auf Räumungsklage hinauslaufen…

Was ich in den letzten Tagen versucht habe? Fenster putzen, Polterabend gründlich mitfeiern, Gartenarbeit, Haushalt, ein bisschen Gymnastik, Ananas, Heublumenbad, Dammmassage, Himbeerblättertee… Und ich erzähle den Mädchen jeden Tag (okay, den ganzen Tag), dass sie da jetzt rauskommen sollen. Bittend, flehend, schmeichelnd, schimpfend. Aber sie sind durch nix zu bewegen. (Der Wundermann macht Witze darüber: „Wenn sie  jetzt schon nicht an Auszug denken, werden sie laaange bei uns wohnen, auch, wenn sie längst erwachsen sind.“)

Kurz vor Schluss tut sich hier auch noch ein Namensproblem auf. Heute erhielten wir eine Einladung zu einer „Pinkelparty“ im Dorf. Und das Kind trägt den Namen, den wir für unser Kind wollten. Hier leben ca. 90 Menschen. Nun muss wohl ein neuer Name her. So ein Ärger… Und, ganz neu, auf den letzten Metern: Schwangerschaftsstreifen. Tja.

Wenn die Sehnsucht gestillt wird

Wir feiern heute 35+5. Wer hätte das gedacht? Nun bin ich jeden Tag entspannter und ungeduldiger, mit soooo viel Vorfreude. Und nervös bin ich auch.

Zeit für ein kleines (Zwischen)resümee und Zeit, um mich mit meinem Wunderbauch zu versöhnen, ich war ihm ja zwischendurch sehr böse (http://emmaswunderwelt.blogspot.de/2012/02/abschied-und-ein-neubeginn.html).

Es gab Zeiten, da war ich ziemlich verzweifelt, habe nicht daran geglaubt, dass ich je eine Schwangerschaft länger als das erste Trimester erleben würde. Die Sehnsucht bestimmte mein Leben, ich habe mich völlig der Diktatur dieses Wunsches unterworfen. Nach dem Post machte ich eine Pause, die eigentlich nur eine Pause von der Kinderwunschmaschinerie war, denn meinen Zyklus und meinen Bauch beobachtete ich immer noch akribisch. Und die Sehnsucht war einfach nicht loszuwerden. Also wagten wir noch einen Versuch, den Letzten, der von der Krankenkasse unterstützt wurde. Dem Wundermann sagte ich, das sei definitiv das letzte Mal, aber ob ich das wirklich hätte einhalten können? Ich meine, diese Sehnsucht war einfach allmächtig und früher oder später hätte ich ihr nachgegeben. Da bin ich ziemlich sicher.

So starteten wir den „letzten“ Versuch im August. Endlich kam die Mens, endlich durfte ich spritzen und obwohl ich exakt dieselben Medikamente wie in den stimmulierten Zyklen zuvor hatte, reagierte ich anders, die gesamte Stimmu lief optimal, keine schlechten Nachrichten. Am 6.09. bekam ich also zwei Blastos zurück und die schlimme Zeit des Wartens brach an. Mein Körper verriet nichts, ich war mir sicher, dass es nicht geklappt hat. Schließlich war ich schon zwei Mal schwanger, wenn auch nur kurz, und das fühlte sich anders an. Also schmiedete ich Reisepläne, ich brauchte was zum Festhalten, war schon wieder traurig und verzweifelt. Nur der Wundermann blieb gelassen, glaubte weiter fest an unser Glück und behielt Recht, am 16.09. hielt ich einen deutlich positiven Schwangerschaftstest in der Hand. Drei Tage später bestätigte der Bluttest die Schwangerschaft und seit dem 27.09. wissen wir, dass wir Zwillinge erwarten.

Dann begannen die Ängste. Bleiben Beide? Sind sie gesund? Ein paar Wochen begleitete mich auch extreme Schwangerschaftsübelkeit, die meinen Lebensraum auf Bett und Bad beschränkte. Aber als das endlich aufhörte durfte ich eine ziemlich unkomplizierte Schwangerschaft erleben, mit so vielen wundervollen Momenten. Das erste Kitzeln im Bauch, die ersten Rundungen, die ersten deutlichen Tritte, die ersten Beulen, die ersten Reaktionen auf Geräusche… Es war und ist eine wundervolle Zeit und ich bin unglaublich dankbar für das Alles.

Nun sind wir im Endspurt und es erwarten uns so viele weitere erste Male. Die Sehnsucht ist nicht gestillt, sie ist nur anders. Unbeschwerter, glücklicher, hoffnungsvoller. Bald sind wir Eltern. Es kann einfach nichts Schöneres geben.