Zwillingssorgen

Sie sind so unterschiedlich, meine Zwei. Ich finde das schön, aber es ist auch eine enorme Herausforderung, zwei gleich alten Persönlichkeiten mit ihren unterschiedlichen Bedürfnissen gerecht zu werden.

Da gibt es die leichter zu bewältigenden Dinge: A. duscht gern, M. badet lieber. A. schläft lange, M. möchte früh aufstehen. M. liebt Bananen, A. lieber Erdbeeren, A. schläft tagsüber gern auf dem Sofa, M. lieber in der Federwiege. Alles leicht zu erfüllen. Die Herausforderung ist aber ihr völlig unterschiedliches Lern- und Spielverhalten. M. braucht Anregung, Anleitung und Nähe. Sie kann sich nicht allein beschäftigen, ist sehr fixiert auf die anderen Menschen um sie herum, orientiert sich stark an mir oder an ihrer Schwester. Sie will tun, was wir tun, haben, was wir haben. Das kann unglaublich niedlich sein, z.B. wenn sie auch ein nasses Putztuch will und mich beim Putzen imitiert, oder unglaublich anstrngend, wenn sie alles ihrer Schwester wegnimmt und ihr dabei weh tut.

A. hingegen braucht viel Zeit und Freiraum. Sie betrachtet Dinge gern ausführlich, probiert sie aus,immer und immer wieder. Sie wird dabei nicht gern gestört, von Niemandem (auch, wenn sie mich gern dabei hat, um mir alles zu zeigen). Tja, und genau da liegt der Hund begraben. M. stört sie, und zwar immer. Alles nimmt sie ihr weg, sobald A. sich dann etwas Anderem zuwendet, will M. das auch haben. Bekommt sie es nicht, tut sie ihrer Schwester weh. Und ich weiß einfach nicht, wie ich A. diesen so sehr gewünschten Freiraum schaffen soll. Sie ist so zufrieden, wenn sie allein spielen darf. Und das kann ich ihr so selten ermöglichen.

Ja, ich spiele viel mit M. um sie abzulenken. Aber dann beißt mich auch das schlechte Gewissen, weil ich A. diese Exklusivzeit nicht so oft bieten kann, denn M. spielt eben nie allein. Nie. Und A. genießt es auch so sehr ungeteilte Aufmerksamkeit zu bekommen.

Tja. Und nun? Es heißt, man wächst an seinen Herausforderungen. Ich hoffe, ich wachse schnell, damit ich ihnen gerecht werde.

Manchmal

Manchmal weine ich, weil ich so müde bin.

Manchmal bin ich so müde, dass ich weinen muss.

Manchmal möchte ich schreien, weil alles so anstrengend ist.

Manchmal ist alles so anstrengend, dass ich schreie (armer Wundermann, armer Hund).

Manchmal möchte ich einfach allein sein. Allein. In einer schalldichten Kammer.

Manchmal stehe ich 20 Minuten unter der Dusche, um allein zu sein.

Manchmal wünschte ich, der Wundermann hätte mehr Zeit, mich zu unterstützen.

Manchmal nimmt er sich die Zeit einfach.

Manchmal werde ich mir bewusst, wie leer die Akkus sind.

Manchmal weiß ich morgens nicht, wie ich den Tag überstehen soll.

Aber immer, wenn diese winzigen Wesen mich anlächeln, kuscheln oder einfach wunderbar sind, weiß ich, dass ich es nicht anders will. Dieses „Manchmal“ dürfte trotzdem noch seltener sein.

37+1

Liebste Wundermädchen,

Ihr seid nun 37 Wochen und einen Tag auf dieser Welt. Das ist genau so lang, wie die Zeit, die ihr in meinem Bauch gewohnt habt. Das klingt gar nicht so lang, oder? Es fühlt sich aber an wie die Ewigkeit. Ich kann mir gar nicht mehr vorstellen, wie es ohne euch war, ihr habt unser Leben komplett auf den Kopf gestellt. 260 Tage ist es her, dass ich euch endlich sehen durfte. Ihr wart so herbeigesehnt und macht uns komplett. Es fühlt sich alles so richtig an, wir vier.

M., du bist so unglaublich. Du kannst nun sitzen, schiebst dich überall durch das Haus, bist immer neugierig und ein kleiner Wildfang. Du liebst es zu toben, je wilder, desto besser. Dein Lachen ist ansteckend und dein Humor einfach umwerfend. Du findest fliegende Dinge lustig, deiner Schwester an Haaren oder Ohren zu ziehen und wenn du Andere lachen siehst. Du isst unglaublich gern, man kann in deiner Gegenwart nichts mehr essen, ohne dass du auch etwas essen darfst. So lutscht du schon fleißig an Dinkelstangen, um schlimmes Wutgebrüll zu vermeiden. Du weißt genau, was du willst und bist ganz dickköpfig. Wenn du weinst, und das ist, Gott sei Dank, nicht so oft, ist das herzzerreißend. Du möchtest ständig was Neues entdecken, bist aber manchmal auch ängstlich. Dann können dir nur Mama und Papa helfen. Gerade bist du ein extremes Mamakind, du brauchst mich ständig in deiner Nähe. Fremden gegenüber bist du total schüchtern, Menschen, die du öfter siehst, strahlst du immer an. Aber bitte nur gucken, nicht anfassen! Liebe M., stundenlang könnte ich über dich erzählen. Ich liebe dich ganz unglaublich.

A., mein wunderbares Mädchen. Du sitzt am Liebsten und gerade beginnst du, dich durch das Haus zu schieben. Du probierst gern dein Stimmchen aus, plapperst ganz viel und wenn du fremd bist, quietschst du ganz laut um zu hören, wie dein Stimmchen dort  klingt. Du kannst dich stundenlang mit einer Sache beschäftigen und bist ein echter Kuschelkäfer. Das warst du schon immer. Dich bringt man mit Kitzeln zum Lachen oder mit Grimassen und Geräuschen. Du weißt genau was du willst und, vor allem, was du nicht willst. Dein Schmolllippchen ist unvergleichlich. Und dein Lächeln auch.  Liebste A., auch über dich könnte ich unendlich weiter erzählen. Ich liebe dich ganz unglaublich.

Alles ist anders mit euch, alles ist neu. Wunderschön eben.

Es ist wie es ist. Und so ist es.

M. und A. sind nun 6 Monate und 4 Tage alt. Ist das nicht unglaublich? Meine kleinen, süßen Babys sind nun schon ganz schön groß.

Parallel zu ihrem Wachstum fühlen sich immer mehr Menschen dazu berufen genau zu wissen, was ich falsch mache und mir das bei jeder Gelegenheit zu sagen. In der Regel sind es andere Mütter. In ihrer Kritik lässt sich deutlich erkennen, dass sie es nicht nur gut meinen, sondern es entsetzlich finden, was ich so tue. Bösartig sind sie manchmal, Augenbrauen hoch ziehend, kopfschüttelnd. Sie glauben, sie haben den einzig richtigen Weg gefunden, neben dem nichts anderes existieren kann. Ein bisschen Sektenflair, finde ich.

Hier, in meinem konservativen Umfeld, sind wir so etwas wie Revoluzzer. Stillen, wenn sie älter als sechs Monate sind? Familienbett? Viel Tragen? Bedürfnisse nach Möglichkeit sofort befriedigen? Stoffwindeln?

Wir müssen uns da viel anhören. Das finde ich schade, denn der Wundermann und ich machen uns viele Gedanken, was wir mit unseren Kindern machen und es gibt viele Gründe, warum es so ist, wie es ist.

Es ist unsere Familie, unsere Entscheidung. Sätze wie: „Also das haben wir uns nie angetan.“, „Du stillst IMMER NOCH?“, „Also ich hab ja noch ein eigenes Leben!“ , „Sie schlafen IMMER NOCH NICHT durch?“ , „Du verziehst sie. Das werden mal ganz verwöhnte Kinder.“ oder, der Klassiker: „Man erntet, was man sät.“ (mit diesem besonderen Unterton) sind hier an der falschen Adresse.  Erst Recht, wenn man nicht hinterfragt und die Beweggründe für unsere Entscheidungen kennt. Unsere Kinder, unsere Entscheidung. Und so lange, wie sich alle wohlfühlen, kann es nicht falsch sein. Ratschläge sind herzlich willkommen. Aber nicht jeder Ratschlag passt zu uns, zu unserem Leben.

Leben und Leben lassen. Warum fällt das ausgerechnet Müttern so schwer?

(Ich muss ehrlich zugeben, dass es mir auch manchmal schwer fällt,anderen Erziehungsmethoden tolerant gegenüber zu stehen. Besonders, wenn es um das Thema „schreien lassen“ geht. Aber es ist, wie es ist. Ich sage meine Meinung, wenn ich danach gefragt werde, aber dann nicht auf DIESE eine Art. Ihr wisst schon.)

Endlich, ein Antwortpost.

Erst einmal ein dickes Dankeschön. Zu meinem vorletzten Post erreichten mich so viele Anregungen, Tipps, Kommentare…Wow! Und auch die Muc veröffentlichte eine sehr ausführliche Antwort, danke! Hier hat sich ein bisschen was verändert. Ich fühle mich tatsächlich nicht wohl, wenn es nicht ordentlich und sauber ist. Ich kann da auch nicht über meinen Schatten springen, es ist unabänderlich. Die Zeit mit M. und A. ist mir aber auch wichtig. Die Lösung: Der Wundermann und ich haben uns durchgerungen, eine Putzfee zu engagieren. Das heißt zwar, dass wir uns noch mal ein bisschen einschränken müssen, aber ihr habt vermutlich recht, das schenkt uns unglaublich viel Zeit. Am Mittwoch kommt unsere neue Putzfee zum ersten Mal, ich bin aufgeregt deswegen. Ein bisschen komisch fühlt es sich nämlich schon an. Was hat sich noch geändert? Ich lege mich nun Mittags mit hin. Das hat gleich zwei positive Auswirkungen auf unser Leben: A. und M. schlafen viel besser und länger und sind damit prima ausgeruht und ich schlafe auch ein bisschen mehr. Also bessere Laune für alle. Außerdem habe ich mir eine Stunde Haushalt pro Tag  „erlaubt“. Ich nehme mir nicht mehr vor, was ich alles an diesem Tag schaffen will, sondern stelle mir die Eieruhr, erledige nach dem „Wichtigkeitsprinzip“ und höre auf, wenn die Zeit um ist. Wenn die Kinder mich in der Zwischenzeit brauchen, pausiert die Eieruhr. Im Moment spielen sie aber begeistert mit ihren Spieletrapezen und so habe ich tatsächlich ein bisschen Luft dafür. Ich habe mich getraut, mir einen Frisörtermin zu machen. Der ist zwar erst im November, aber: Ich habe Einen! Ich freue mich schon drauf, der Wundermann wird mich begleiten und um die Kinder kümmern, damit ich das volle Programm genießen und zwischendurch stillen kann. M. trinkt mittlerweile abends eine Flasche mit Pre, das tut mir tatsächlich auch gut. Ich versuche derzeit auch A. zu überreden, die lässt sich aber auf dieses Fläschchendings nicht ein. Versucht habe ich bisher verschiedene Sauger, auch solche, wo sie dieselbe Technik wie an der B.rust verwenden kann, Muttermilch statt Pre, um sie überhaupt da heranzuführen, andere Presorten, verschiedene Menschen, die ihr die Flasche geben wollten mit mir in der Nähe oder auch nicht, verschiedene Tageszeiten… Sie will einfach nicht. Gibt’s noch Tipps? Ich glaube, wir sind auf einem guten Weg.