Darf ich das eigentlich? 

So manch einer wird sich vermutlich denken: Die spinnt doch! Die soll mal lieber froh sein. Könnt ja alles viel schlimmer sein. 

Ja. Habt ihr Recht. Aber. 

Hier geht es um mich und um mein Gefühl für mich selbst. Um Selfcare und um so vieles mehr. Zum Einen esse ich wirklich, wirklich gern. Und zum Anderen verzeiht mein Körper mir das nicht mehr so einfach. Ich muss oft verzichten, obwohl ich etwas Bestimmtes wirklich gern essen möchte, der Vernunft wegen. Das war ich überhaupt nicht gewöhnt und das stört mich. 

Mehr Bewegung heißt auch erhöhter Kalorienbedarf. Das kommt mir also sehr entgegen. 

Und dann ist da noch dieses Ding mit dem gesund bleiben. Ich arbeite in der Pflege. Das ist harte, körperliche Arbeit, ich bewege relativ viel Gewicht. Im Moment habe ich nach jedem Dienst Rückenschmerzen und kann mich kaum noch bewegen. Wenn ich regelmäßig Sport mache und Rücken- sowie Bauchmuskulatur habe, kann ich beschwerdefrei arbeiten. Ich werde in diesem Job mit Sicherheit noch 30 Jahre arbeiten müssen. Und das wird im Laufe der Zeit mit Sicherheit nicht leichter. 

Und zu guter Letzt: Es geht um mich. ICH muss mich wohlfühlen. Mein Mann findet mich wunderschön, der Gute. Und mit Sicherheit gibt es noch mehr Menschen in meinem Umfeld, die meine Zweifel einfach nicht verstehen können. Aber um die geht es nicht. Ich muss mit mir leben und möglichst zufrieden und glücklich sein. 

Ja. Ich darf das. Ich darf mir wünschen, wieder mehr essen zu können, mich schöner und gesünder zu fühlen. Auch wenn ich nicht adipös bin. Und ich darf euch teilhaben lassen. 

Ich freue mich, wenn ihr mich auf diesem Weg begleitet. 

Ein halbes Spiegelselfie bei der Arbeit.

Zurück zum Ich

Schritt für Schritt, Stück für Stück zurück in das „normale“ Leben. Dahin bewege ich mich gerade, und: Es ist anstrengend aus dieser Luftblase, in der man lebt, zurück  in ein normales Leben zu finden. Wieder selbstständiger sein tut gut, aber sich Freiräume schaffen kostet Kraft. Die Freiräume zu leben schenkt aber so viel neue Energie, dass es sich lohnt.

Einmal in der Woche gehe ich schwimmen. Zwei Stunden ohne Familie, nur für mich. Es tut unglaublich gut.

Ich gehe wieder einkaufen, mit den Kindern. Das hört sich vielleicht lächerlich an, aber ich habe mich lange nicht getraut, mit beiden allein in den Supermarkt zu gehen. Da ich dörflich lebe, ist dafür ein Auto nötig. Als die Kinder noch kleiner waren, hätte es einen Kinderwagen gebraucht, nun sitzt M. im Einkaufswagen und A. ist in der Tragehilfe. Das klappt toll. Und ich bin stolz.

Und nun werde ich ab Juni für 5 Stunden in der Woche in meinen alten Job zurück kehren. Teilzeit in Elternzeit heißt das. Ich freue mich drauf und bin auch total nervös. Aber es fühlt sich richtig an.

Es ist wie es ist. Und so ist es.

M. und A. sind nun 6 Monate und 4 Tage alt. Ist das nicht unglaublich? Meine kleinen, süßen Babys sind nun schon ganz schön groß.

Parallel zu ihrem Wachstum fühlen sich immer mehr Menschen dazu berufen genau zu wissen, was ich falsch mache und mir das bei jeder Gelegenheit zu sagen. In der Regel sind es andere Mütter. In ihrer Kritik lässt sich deutlich erkennen, dass sie es nicht nur gut meinen, sondern es entsetzlich finden, was ich so tue. Bösartig sind sie manchmal, Augenbrauen hoch ziehend, kopfschüttelnd. Sie glauben, sie haben den einzig richtigen Weg gefunden, neben dem nichts anderes existieren kann. Ein bisschen Sektenflair, finde ich.

Hier, in meinem konservativen Umfeld, sind wir so etwas wie Revoluzzer. Stillen, wenn sie älter als sechs Monate sind? Familienbett? Viel Tragen? Bedürfnisse nach Möglichkeit sofort befriedigen? Stoffwindeln?

Wir müssen uns da viel anhören. Das finde ich schade, denn der Wundermann und ich machen uns viele Gedanken, was wir mit unseren Kindern machen und es gibt viele Gründe, warum es so ist, wie es ist.

Es ist unsere Familie, unsere Entscheidung. Sätze wie: „Also das haben wir uns nie angetan.“, „Du stillst IMMER NOCH?“, „Also ich hab ja noch ein eigenes Leben!“ , „Sie schlafen IMMER NOCH NICHT durch?“ , „Du verziehst sie. Das werden mal ganz verwöhnte Kinder.“ oder, der Klassiker: „Man erntet, was man sät.“ (mit diesem besonderen Unterton) sind hier an der falschen Adresse.  Erst Recht, wenn man nicht hinterfragt und die Beweggründe für unsere Entscheidungen kennt. Unsere Kinder, unsere Entscheidung. Und so lange, wie sich alle wohlfühlen, kann es nicht falsch sein. Ratschläge sind herzlich willkommen. Aber nicht jeder Ratschlag passt zu uns, zu unserem Leben.

Leben und Leben lassen. Warum fällt das ausgerechnet Müttern so schwer?

(Ich muss ehrlich zugeben, dass es mir auch manchmal schwer fällt,anderen Erziehungsmethoden tolerant gegenüber zu stehen. Besonders, wenn es um das Thema „schreien lassen“ geht. Aber es ist, wie es ist. Ich sage meine Meinung, wenn ich danach gefragt werde, aber dann nicht auf DIESE eine Art. Ihr wisst schon.)

30.

Guten Morgen, liebe 30. Nun bist du da. Eine Zahl, die ich mir früher nie für mich vorstellen konnte und nun? Guten Tag, ich bin Emma Wunder, 30 Jahre alt, Mutter und Ehefrau, Heilerziehungspflegerin in Elternzeit. Das klingt so gar nicht nach mir, und doch bin ich das Alles. Das liest sich komisch und fühlt sich auch so an.

Bin das ich? Ich lebe das jeden Tag und doch wirkt es gelesen so, als müsse es das Leben einer anderen Frau sein. So Vieles, was ich mir als Jugendliche für mein Leben wünschte, wurde nicht wahr. Studieren nach dem Abi für die große Karriere? Habe ich dann doch gelassen. Ich entschied mich nach dem Freiwilligen Sozialen Jahr für einen Job, der weder die große Karriere, noch das große Geld oder gesellschaftliches Ansehen bietet. Aber ich liebe diesen Job und liebe die Menschen, mit denen ich dort arbeiten darf. Und auch ein paar andere Pläne scheiterten, zum Glück. Kinder? Wollte ich nie, bis ich den Wundermann traf. Ein so spießiges Leben als Ehefrau und Mutter mit Haus, Hund und Katze führen? War für mich eine Horrorvorstellung.  Bis zum Wundermann.

Heute vor einem Jahr machten wir einen Geburtstagsausflug zu den Externsteinen. Dort warf ich eine Münze und wünschte mir so sehr Mutter werden zu dürfen. Das hätte mein 17jähriges Ich sich niemals vorstellen können.

image

Einen Tag später fand dann DIE Punktion statt, 35 Wochen und einen Tag später durfte ich M. und A. in meinem Leben begrüßen.

Hallo. Ich bin Emma. Ich bin 30 Jahre alt, Mutter, Ehefrau, und noch so viel mehr. Und vor allem bin ich eins:
Glücklich.

Diese Elternsache.

Seit etwas mehr als acht Wochen sind wir Eltern. Und das sind wir, mit Haut und Haaren und all unserer Liebe. Unser gesamtes Leben umkreist diese wundervollen Wesen,  Tag und Nacht. Wir praktizieren das Familienbett, haben das Babyphon noch nicht einmal ausgepackt, die Babies sind immer da wo wir sind und wollen das auch nicht anders.

Aber langsam, ganz langsam flüstert da eine leise Stimme: Wo ist eigentlich das Paar geblieben? Wir kuscheln die Kinder und nicht einander. A. schläft zwischen uns. Unsere Gespräche drehen sich um die Kinder. Dem Wundermann bleiben eben nur die Abende und die Sonntage mit seinen Mädchen. Es ist auch wie verhext: Er kommt zur Tür hinein und Beide sind wach. Es gibt dann wütendes Gebrüll, weil er erst Duschen muss, bevor er sie hoch nehmen kann. Und nun frage ich mich: Wann wollen/ können wir wieder Paar sein? Wie sollen wir das integrieren? Und wie erklären wir das A., die keine Sekunde ohne uns sein möchte? Tipps und Ratschläge?