Geburtsvorbereitungskurs, Nestbautrieb mal anders und Alltagssalat

Gestern ging es los, der Geburtsvorbereitungskurs. Wir hatten zwei Stunden, um uns kennenzulernen und zu erfahren, was uns in den nächsten Kursstunden erwartet. Insgesamt treffen wir uns sieben Mal, vier Mal dürfen die Partner dabei sein, wenn sie wollen. Wir sind ein gemischtes Trüppchen von 26 bis 42, dass die unterschiedlichsten Kinderwunschgeschichten mitbringt. Ich glaube, dass wir uns gut verstehen werden, ein paar von ihnen kannte ich schon aus dem Yogakurs. Eine Dame ist allerdings dabei, wo ich noch nicht weiß, wie ich sie finden soll. Nachdem ich grob von mir und der langen Kinderwunschgeschichte erzählt hatte und ich sowohl von den vielen Untersuchungen, Ängsten und allem was dazu gehört erzählt hatte, stellte sie mir doch ernsthaft die Frage, wie ich das denn finden würde Zwillinge zu bekommen. Etwas Schrecklicheres könne sie sich gar nicht vorstellen. („Findest du das etwa gut mit den Zwillingen? Schlimmer geht es ja kaum!“) Vielleicht bin ich empfindlich in diesem Punkt, aber was für eine Antwort hat sie da bitteschön erwartet? Weil wir uns aber zum ersten Mal gesehen haben, habe ich nicht impulsiv wütend geantwortet, sondern war sehr höflich. Gnarx. (Zwei kleine Wundermädchen wohnen in mir, sie sind aus mir und dem Wundermann entstanden und ich liebe sie schon jetzt. Ich bin in der 30.SSW und ich spüre sie ständig. Da wächst endlich Leben in mir, wie könnte ich da unglücklich sein?) Ihr habe ich aber nur die Kurzversion der Antwort gegönnt: „Wir können uns kein größeres Glück vorstellen.“ („Echt?! Also ich wollte das nicht!“) Tja… Was soll man dazu noch sagen… Ich bin gespannt, ob mein erster Eindruck von ihr bleibt oder ob sie mich noch positiv überrascht…

Gerade bin ich eh in so einer merkwürdigen Stimmung. Ich schlafe immer schlechter, das Wetter nervt mich unglaublich, ich weiß nicht, was ich bald anziehen soll, denn meine Umstandssachen werden zu klein (nur der Bauch wächst unaufhörlich, ansonsten habe ich noch meine alte Kleidergröße) und es wird sowas von Zeit für Frühling, denn ich befürchte auch meine Schwangerschaftsjacke passt nicht mehr wirklich lange (zwei Wochen noch, schätze ich. Vorausgesetzt ich wachse in dem Tempo weiter…). Mein Becken bereitet mir immer wieder Schmerzen, Dinge aufheben wird zum Kunsstück und ich werde immer unbeweglicher und eingeschränkter. Aufgrund des Wetters traue ich mich nicht Auto zu fahren, die Hunderunden beschränken sich auf Asphaltstrassen, weil ich sonst Angst habe zu fallen. Ich mache mir außerdem große Sorgen über die bevorstehenden Wochen. Wird es den Wundermädchen weiter gut in mir gehen? Wie lange werden sie noch in ihrer Bauchwohnung bleiben? Werden sie auf Intensivmedizin angewiesen sein? Das und hundert andere Gedanken treiben mich gerade um. Alle fragen mich, ob ich nicht Angst vor dem neuen Alltag habe, der mich erwartet. Aber das habe ich komischerweise gar nicht. Ich weiß doch noch gar nicht, was das für kleine Wundermenschen sind und ob sie es mir leicht oder schwer machen. Weshalb sollte ich mich also jetzt schon verrückt machen?

Schwangerschaftswoche 30. Wow. Schon bald sind wir zu viert. Dem Wundermann scheint das auch auf einmal klar geworden zu sein. Sonntag schaute er sich um und sagte: „Morgen fange ich an das Dachgeschoss auszubauen.“ Dazu muss ich vielleicht erkären, dass wir vor drei Jahren in eine alte Dorfschule gezogen sind, die seit den 50er Jahren nicht saniert wurde. Wir haben hier kernsaniert, in Eigenleistung: neue Wasserrohre, Heizungsleitungen, Strom… Wir haben im Prinzip bis auf die Grundmauern alles heraus gerissen und neu gemacht. Nun wohnen wir nur im Erdgeschoss, dass aber alles bietet, was wir bisher brauchten. Nur ein Kinderzimmer haben wir noch nicht, wäre ja auch erst einmal nicht nötig. Der Wundermann will aber jetzt die Ausbaumaßnahmen abschließen, bevor die Wundermädchen da sind. Ein Riesenprojekt, sag ich euch. Und, anders als zuvor, kann ich nun nicht helfen. Montag morgen rückte hier also ein LKW mit jeder Menge Material an, ein Container wurde gebracht, der Wundermann rief seine Kunden an und sagte, er käme diese Woche nicht und bestellte noch zwei Helfer. Dann ging es los. Abbrucharbeiten und dann der Ausbau. Ich musste ziemlich schnell ziemlich viele Enscheidungen treffen, obwohl ich nicht darauf vorbereitet war, dass es nun plötzlich los geht. Raumaufteilung? Wo sollen Steckdosen, Lampen und Heizungen hin? Einbaustrahler oder normale Anschlüsse? Brauchen wir noch Dachfenster oder ist es so genug Licht? Was für Fußboden? Wie soll verputzt werden? Ich bin gespannt, ob er es wirklich bis zum ET schafft… Aber Nestbautrieb ist Nestbautrieb. Das muss ausgelebt werden, egal wie. Also lasse ich ihn einfach und er strahlt jedes Mal, wenn er etwas allein entscheiden darf…