Bald. 

Meine Schwester weilt in Irland wegen ihres Studiums. Es sind nur drei Monate, aber es ist doch eine lange Zeit. Wir haben sie nun schon so lange nicht gesehen. 

Schon lange haben wir hin- und hergerechnet ob wir einen Besuch hinbekommen und zuerst dachten wir, ich fliege allein, weil alles andere finanziell nicht drin ist. Denn die Kinder sind über zwei und ihre Flüge sind „nur“ 33% ermäßigt. Immerhin, aber für ein langes Wochenende dort waren wir bei über 1500€ für die Flüge und die Unterkunft. Und es entstehen natürlich noch mehr Kosten. Für vier Tage einfach viel zu viel (für uns). Also berichtete ich meiner Schwester, dass ich sie allein besuchen komme (sie wusste gar nicht, dass wir vorhatten, sie zu besuchen), und nach einigem Überlegen fanden wir dann doch eine Lösung: Matratzenlager in ihrem Zimmer. Nehmen wir. Und nun fliegen wir alle und müssen nur den Flieger bezahlen (und natürlich die Kosten vor Ort).

Aaaaah! Fliegen! Mit Kleinkindern! Wir selbst sind noch nicht oft geflogen und nur einmal gemeinsam (in 10 Jahren, ist das zu glauben?), denn der Wundermann hat Flugangst. Ich brauche also all eure Tipps! Egal was hilft uns die Flugzeit mit Kleinkindern so angenehm wie möglich zu machen, ich will es wissen. Jetzt seid ihr dran, ich bin schon sehr gespannt. 

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Meine Sache mit der Vereinbarkeit, oder auch: Jammern auf hohem Niveau

Beruf und Familie miteinander vereinbaren? Ist immer ein großes Thema. Der Tenor ist ja meist, man müsse nur genug wollen und müsse einen Job haben, der so viel Spaß mache, dass man auf jeden Fall zurück in den Beruf will. Wenn es sich nicht vereinbaren lässt, ist man selbst schuld.

Geht es nach den Menschen, die so denken, will ich wohl nicht genug.

Ich bin Heilerziehungspflegerin, ich arbeite in einem Wohnheim, in dem Erwachsene leben, die bei ihrem Leben Begleitung brauchen, sowohl pflegerisch als auch bei der Bewältigung ihres sonstigen Lebens. Als ich 19 war begann ich ein freiwilliges soziales Jahr in dieser Einrichtung. Wo es beruflich nach dem Abi für mich hingehen sollte, war mir noch nicht klar und ich brauchte Zeit zur Orientierung. Nach drei Monaten bot man mir dort einen Ausbildungsplatz an, den ich gern annahm. Heute, 11 Jahre nach meinem Start, arbeite ich noch immer im selben Haus. Mir sind die Menschen dort ans Herz gewachsen, ich mag, was ich tue. Aber seien wir ehrlich: Die Bezahlung ist eher mau, die Arbeitszeiten nicht sehr familienfreundlich. Zumindest nicht in unserem Fall.
Der Wundermann ist selbstständig, ein kleines Ein-Mann-Unternehmen ist sein Eigen. Auch er liebt seinen Job, aber er ist wahnsinnig zeitintensiv. Denn ein Ein-Mann-Unternehmen heißt eben auch, dass kein Geld verdient wird, wenn er nicht arbeitet. Logisch. Der Wundermann ist unser Hauptverdiener. Ohne sein Gehalt geht hier gar nichts. Manchmal wird mir schlecht, wenn ich mir ausrechne, was wir für laufende Kosten haben. Klar ist jedenfalls: Mein Gehalt reicht für unser Leben nicht aus. Weder so, wie wir jetzt leben, noch, wenn wir einen harten Sparkurs fahren, unser Haus aufgeben und auch unser Auto.

Warum ich euch das jetzt alles so haarklein erzähle? Weil ich ein bisschen Angst vor der Zukunft habe. Diese Fakten bedeuten nämlich für mich, dass ich keine große Wahl habe. Ich muss mir entweder einen Job suchen, der zu Kindergartenzeiten stattfindet (mein Herz blutet, denn darauf wird es wohl hinauslaufen), oder beruflich stark zu reduzieren, und die finanzielle Sorge meinem Mann überlassen oder… Nein, kein oder. Meine regulären Arbeitszeiten beginnen nun mal am Nachmittag und dauern bis in den Abend. Früher arbeitete ich so: Montags, Mittwochs und Donnerstags von 15-21Uhr, Freitags entweder von 5.30Uhr bis 14.00Uhr oder von 14.00Uhr bis 21.00Uhr. Außerdem jedes zweite Wochenende von 9.00Uhr bis ca. 18.00Uhr. Dienstags hatte ich frei. Diese Arbeitsbedingungen erwarten mich auch wieder, wenn meine Elternzeit endet. Und sie sind nicht mit meinem neuen Leben vereinbar, beziehungsweise weiß ich noch nicht, wie. Denn die Mädchen müssen ja betreut werden. Im Moment kommt der Wundermann heim, wenn ich arbeiten muss und übernimmt. Das ist aber nur einmal in der Woche. Öfter geht das nicht, die finanziellen Einbußen sind zu hoch. Denn, seien wir mal ehrlich, der Wundermann verdient sehr viel mehr als ich pro Stunde. Also ist es keine Option, dass er seine Arbeitszeit so drastisch reduziert, denn das können wir uns nicht leisten.

Es fuchst mich ungemein, dass das so ist. Ich würde gern freier entscheiden können und weiter tun, was mir Spaß macht. Aber ich will es wohl nicht genug. Denn sonst würde ich einen bezahlbaren Babysitter finden und los. Aber da sind ja noch meine zwei Mädchen. Ich will Zeit mit ihnen. Und das ist mir wichtiger. Mein jetziger Job und meine Familie sind nicht miteinander zu vereinbaren. Die Kompromisse, die ich machen müsste, sind keine, die ich machen möchte. Also muss eine Jobalternative her. Hach ja. Gnarf.

Von der Liebe, der Sehnsucht, der Überforderung und der Angst

Es ist eine harte Zeit gerade. Gestern wurde unser Hund operiert. Sie hat seit Wochen Probleme beim Laufen, unsere Tierärztin überwies uns deshalb in eine Tierklinik, 1 1/4 Std von hier. Dort wurde sie am Knie operiert, Ein Kreuzbandriss und ein gerissener Außenminiskus wurden repariert. Die Diagnostik der Klinik und der Eingriff gestern haben 2013€ gekostet. (Sie hatten mittags gesagt, wir sollen 1800€ bezahlen, wenn wir sie wieder abholen, dass es noch mehr wird hat uns natürlich keiner angekündigt. Da standen wir also mit dem Geld, das nicht reichte und mussten noch 203€ per Karte zahlen). Es folgen noch die Nachbehandlungskosten, die Physio und Co. Puh.

Das Geld tut uns weh, klar. Unsere Ersparnisse waren aufgebraucht wegen der Hausrenovierung, den IVF und der Anschaffungen für die Kinder. Ich verdiene gerade kein Geld (es ist gerade keine Option, dass ich wieder mehr arbeite, denn in dieser Zeit müsste der Wundermann die Kinderbetreuung übernehmen. Das macht schlicht keinen Sinn, denn der Windermann verdient sehr viel mehr als ich) und wir haben uns mühsam ein kleines Polster angespart. Was wir nun wieder los werden.

Wir lieben unseren kleinen Hund, er ist ein Familienmitglied. Es ist nur Geld, sie ist uns so viel wertvoller. Darüber müssen wir nicht diskutieren. Was mir Sorgen macht, ist eben alles, was daran hängt. Der Wundermann arbeitet schrecklich viel um uns zu finanzieren. Sechs Tage in der Woche, oft 12 Stunden. Es bleibt so wenig Zeit und er fehlt mir so. Er, als mein Mann. Der Papa außerdem. Und nicht zu vergessen die helfende Hand.

Es entgleitet mir gerade alles etwas. Der Wundermann, die Ehe, der Haushalt, ich. Ich versuche den Wundermann zu entlassen. Er braucht Zeit zur Regeneration, Kraft für seine Aufgabe, und das Gefühl uns nicht im Stich zu lassen. Wir sind da gerade in einem Hamsterrad, der Wundermann arbeitet und fehlt hier, ich muss das auffangen und bin damit gerade ziemlich überfordert. Die Versorgung des frisch operierten Hundes und der Kinder, die Putzfee, die sechs Wochen Urlaub hat und dem daraus resultierenden Chaos, in dem ich mich nicht wohlfühle, der Finanzen, das Gefühl, zu wenig Zeit zu haben. Für alles. Für die Kinder, den Mann, dem Hund und mich. Ich sehne mich danach, dass es leichter wird. Dass ich wieder unbeschwerter sein kann.

Ich wünsche mir, dass unsere Liebe uns durch diese Zeit trägt.