2! 

Es ist ein besonderer Tag. Meine Mädchen werden zwei Jahre alt. 

Ich kann es kaum fassen, wenn ich darüber nachdenke. Das ist in so vielerlei Hinsicht verrückt. Es gab Zeiten, da dachte ich, ich würde niemals einen Geburtstag mit einem Kind feiern, dass „Mama“ zu mir sagt. Und nun tue ich das schon zum zweiten Mal, und das gleich doppelt. Es fühlt sich an, als wäre es gestern gewesen, als die Fruchtblase von M. mitten in der Nacht platzte und wir uns auf den Weg ins Krankenhaus machten. Die Geburt, die Wehen, das Gefühl, dieses kleine Wesen auf den Bauch gelegt zu bekommen, direkt eine zweite Geburt zu erleben, das erste Mal Stillen, das erste Lächeln, der erste Zahn, das erste Essen, das erste Wort, das erste Sitzen, Laufen, Krabbeln, alle unzähligen ersten Male. Das war doch erst gerade eben? Und doch fühlt es sich an, als seien sie schon immer da gewesen. Hier, bei uns. 

Zwei. Ich muss es mir immer wieder sagen, denn es fühlt sich so unwirklich wahr an. 

Liebe M., liebe A., 

Ihr habt mein Leben auf den Kopf gestellt. Und das habt ihr ziemlich gründlich gemacht. Nichts ist wie vorher, auch ich bin es nicht. Ihr zeigt mir eine neue Welt, eine, in der ich für immer mit euch durch dieses besondere Band verbunden bin, eine, die ihr entdeckt und mir neu zeigt, eine, die ihr so anders wahr nehmt als ich. Sie ist so schön, diese Welt, und ich bin so unglaublich dankbar, dass ihr sie mir zeigt. Jeder Tag ist ein neues Abenteuer, eine neue Herausforderung, und wir wachsen gemeinsam daran. 

Meine kleinen Schätze. Ihr habt Geburtstag und ich wünsche euch von allem nur das Beste. 

Ich liebe euch. Sehrsehrsehr. 

   
 

Dinge, die ich mir abgewöhnen sollte: Kommentare persönlich nehmen

Und doch ist es schon wieder geschehen.

Ich gewähre euch einen kleinen Einblick in mein Leben. Es sind Ausschnitte, Puzzleteile, Blitzlichter in mein Leben. Diese Bruchstücke sind sehr persönlich, aber man darf auch nie vergessen, dass es eben nur ein kleiner Teil unseres Lebens ist. Ein Urteil über uns und unser Leben ist daher eher nicht möglich, würde ich meinen.

Liebe Märchenkönigin, ich zitiere dich jetzt mal:

Hm, also ich finde, liebe Emma, das klingt ein bisschen verrückt. Was heißt denn der Wundermann “würde” übernehmen? Seit ihr nicht gleichberechtigt für eure Kinder da? Wäre es nicht eine Chance, dass er dich mehr unterstützt und dir evtl. sogar eine Nacht “kinderfrei” ermöglicht, damit du dich mal ausschlafen kannst?
Ich kann gar nicht glauben, dass die Wundermädchen nur auf dich fixiert sind. Ich meine, sie sind bald 2 Jahre! 2 Jahre, in denen der Papa nicht eine Nachtschicht übernommen hat? Was ist mit Oma und Opa? Andere Familie/Freunde?
Das soll jetzt nicht zu harsch klingen, aber ich kann mir das nur absolut so überhaupt nicht vorstellen. Es würde mich wahnsinnig machen, wenn ich wüsste, dass meine Kinder so abhängig von mir sind. Mit der Angst was dann ist, sollte mir etwas zustoßen, könnte ich gar nicht leben…

Vielleicht bin ich auch einfach ein (Groß)familiemensch. Bei uns haben die Großeltern von Anfang an babygesittet, wenn wir bei ihnen zu Besuch waren. Und ins-Bett-bringen übernehmen auch mal Tante oder die Oma. Nicht von Anfang an, klar. Aber so mit 8 Monaten oder so haben wir es zum ersten mal ausprobiert und es klappte gut. Oder Freunde haben Babygesittet, damit wir mal wieder ins Kino gehen können. Und heute freut sich die Prinzessin immer, wenn die Oma auf sie aufpasst oder eine meiner Schwestern sie betüttelt, wenn sie uns besuchen. Das ist einfach ganz normal und geht Hand in Hand mit uns Eltern. Ich genieße das sehr, dass ich in diesen Momenten die Verantwortung auch mal kurz abgeben kann und die Prinzessin lernt kennen, dass jeder die Dinge auf seine Art tut.
Momentan haben wir wieder ein Baby im Haus, das zudem nachts grottig schlecht schläft. 😉 Deswegen bin ich auch gerade etwas müde… wie das so ist. Dennoch gönne ich mir ab und an eine kleine Auszeit und hole tagsüber Schlaf nach, wenn die Schwiegerma oder meine zu Besuch sind und lasse den Prinzen so lange bei ihnen. Ihm geht es gut dabei, die beiden lernen sich ein Stück näher kennen und ich tanke neue Energie für den trubeligen Alltag mit zwei Kindern. Das als kleine Erklärung für meine Verwunderung.
Ich hoffe, du findest einen Weg, wieder etwas mehr Zeit nur für dich zu haben. Ich glaube “Loslassen” ist ein großer Baustein auf dem Weg dahin.

Wo soll ich da nur anfangen? Puh. Gucken wir mal Stück für Stück.

Du startest erst mal beleidigend. Verrückt klinge ich also. Aha. Um dann direkt Fragen hinterher zu schieben, die unser Familienkonstrukt hinterfragen. Aber harsch soll das nicht klingen. Haha.

Ob wir gleichberechtigt für unsere Kinder da sind? Wenn du damit meinst, ob wir die Zeit und die Aufgaben 50/50 teilen, dann nein. (Nach meiner Definition aber sehr wohl. Die kann aber nur Quatsch sein, also erkläre ich das nicht weiter.) Der Wundermann arbeitet, und das sechs Tage in der Woche. Er verlässt spätestens um sieben das Haus und ist gegen achtzehn Uhr zurück, Samstags kommt er nachmittags heim. Er verdient das Geld für unseren Lebensunterhalt, egoistisch wie er ist.

Ein Großelternpaar wohnt nebenan. Sie sind erst Mitte 50 und auch beide voll berufstätig. Sie nehmen die Kinder gern, sie entlasten mich immer, wenn die Zeit es erlaubt.

Das andere Großelternpaar, bestehend aus meinem Vater (berufstätig) und meiner Mutter (sehr krank) hilft auch wo sie können. Das heißt, dass meine Mutter einmal in der Woche vormittags die Kinder hier bei mir zu Hause betreut, damit ich Dinge erledigen kann, die ich sonst nicht schaffe. Und das findet hier statt, da sie sich das allein nicht zutraut (sie ist krank).

Du würdest an meiner Stelle wahnsinnig, weil die Kinder so abhängig von mir sind? Schön wäre, du hättest alles gelesen, denn dann wüsstest du auch, dass die Kinder seit Anfang Januar krank sind. Ich weiß ja nicht, wie es bei dir ist, aber meine Kinder sind besonders auf mich fixiert, wenn es Ihnen nicht gut geht, denn ich bin ihre Hauptbezugsperson.

Meine Kinder sind bald zwei Jahre, wie du richtig bemerkt hast. Und in diesen zwei Jahren teilt der Wundermann (bis auf ca. 3 Wochen) das Familienbett mit uns und somit auch jede Nachtschicht.

Ich gehe einmal in der Woche arbeiten, da bringt der Wundermann die Kinder zu Bett. Ich gehe regelmässig zum Mädchenabend oder mache was Schönes, wo auch der Wundermann allein übernimmt.

Wir haben zwei Kinder, die gleich alt sind. Daher bringen wir sie abends im Teamwork zu Bett. Weil es so leichter ist, schneller geht, entspannter und schöner ist. Weil wir es so wollen. Die Kinder gehen problemlos mit Oma oder Wundermann ins Bett, nur kontrollieren Sie in der darauffolgenden Nacht dauernd, ob ich noch da bin. Sie sind erst fast zwei, ich finde es normal, dass sie ihre Hauptbezugsperson brauchen.

Wenn du alles gelesen hättest, wüsstest du, dass das Hauptproblem ist, dass die Mädchen krank sind. Zuvor waren die Nächte so, dass sie kein Problem für mich darstellten. Auch das erwähnte ich in diesem Post. Somit ist das Schlafproblem temporär und schlaucht mich jetzt gerade. Ich bin aber so eine Helikopterübermutti, dass ich es nicht übers Herz bringe, sie krank nachts ohne ihre Hauptbezugsperson zu lassen. So what.

(Im Übrigen übernehmen die Großeltern die Kinder auch immer wieder, damit wir Eltern Zweisamkeit miteinander haben können. Wenn die Kinder gesund sind.)

Liebe Märchenkönigin, heute ist Montag und noch dazu habe ich PMS, ich wollte also nicht harsch klingen. Danke, dass du mir gezeigt hast, dass ich selber schuld bin. Nun weiß ich es besser und werde ab heute alles besser machen.

Ihr Lieben,

ich freue mich eigentlich über jeden Kommentar. Ich nehme von hier viel mit, auch die Kritik der Märchenkönigin bietet doch noch etwas, was ich überdenken kann. Aber bitte lest erst alles. Und irgendwie macht auch der Ton die Musik. Angegriffen werde ich nicht gern, erst recht nicht von Menschen, die uns nur aus den Ausschnitten kennen, die ich hier zeige.

Ich schätzte die Märchenkönigin und las auch ihren Blog. Wir hatten hoffentlich beide nur einen schlechten Tag. <(Edit: Ich las ihre neueren Posts erst nach Veröffentlichung von diesem Post hier. Wir haben wohl keine Übereinstimmungen mehr.)

Meine Oma sagt immer: „Wenn man nichts Nettes zu sagen hat, hält man besser den Mund.“ Daran hätte ich mich heute vielleicht auch halten können, aber: Von Perfekt bin ich weit entfernt.

Und nun gehe ich wieder die kranken Mädchen beglucken.

Mein sehnlichster Wunsch

Hier habe ich euch bereits erzählt, wie es mir gerade so geht.

Ich bekam einen Kommentar dazu, über den ich eine Weile nachdenken musste, und jetzt ausführlicher beantworten möchte:

Liebe Emma,

wir kennen uns nicht und ich möchte dir auch nicht zu Nahe treten. Aber hast du vielleicht mal daran gedacht, dir Hilfe zu holen bzw. dich einmal professionell bei einem Psychologen beraten zu lassen? Vielleicht hast du ja wirklich ein Burnout oder Ähnliches und es wäre gut, wenn dich jemand unterstützen könnte, wieder aus diesem Gefühl herauszukommen?

Ich hoffe, du nimmst mir diesen Vorschlag nicht übel.

Alles Liebe
Myriam“

Liebe Myriam,

nein, ich nehme dir das ganz und gar nicht übel. Ehrlich gesagt habe ich auch schon mal darüber nachgedacht, aber ich entschied mich dagegen. Denn, seien wir mal ehrlich, helfen könnte mir das vermutlich nicht. Ich bin nicht depressiv (ich weiß das so genau, weil ich schon einmal, vor etwa 14 Jahren wegen einer Angststörung in Begleitung einer Depression in Behandlung war) und ein Burnout? Ja, vielleicht. Das Hamsterrad der täglichen Aufgaben dreht sich stetig.

Ich weiß sehr genau, warum es mir so geht, wie es mir geht. Ich bin Zwillingsmutter. Schon in der Schwangerschaft schlief ich schlecht. Seitdem die Wundermädchen da sind, schlief ich nie mehr als drei Stunden am Stück, nicht in einer einzigen Nacht. Damit kam ich ganz gut zurecht, nur gerade reduziert sich der Schlaf drastisch. Die Mädchen sind seit Anfang Januar dauernd krank, werden abwechselnd wach, nachdem der Durchfall und das Erbrechen vorbei waren, kamen Schnupfen und Husten. Sie husten immer noch, und schlafen grottig schlecht. Für mich heißt das, dass ich dauernd wach bin. In manchen Nächten frage ich mich, ob es nicht erholsamer für mich wäre, ich bliebe einfach wach, statt immer aus dem Schlaf gerissen zu werden. Und deswegen bin ich unglaublich müde.

Zusätzlich zum Schlafdefizit kommt der Winter, die Sonne fehlt mir. Das schlug mir schon immer auf’s Gemüt. Der Alltag und seine Probleme und Problemchen tun ihr Übriges.

Aber ich bin sicher, dass Schlaf der Zauberschlüssel ist. Wenn ich nur endlich mal wieder schlafen könnte. Und ein bisschen Sonne. Ja, das wäre schön.

(Ja, der Wundermann würde ohne Frage die Nächte ab und an übernehmen. Nur jede Nacht oder auch nur Abend ohne mich bedeutet mehrere anstrengende Nächte für mich. Die Mädchen sind dann besonders anstrengend. Das ist also kein Gewinn für mich. Nur eines hilft: Frühling, bitte komm schnell. Bring viel Gesundheit und Sonnenstunden für uns.)

„Ich muss mir etwas Gutes tun.“

Ich habe noch nie so ungesund gelebt wie jetzt und ich war auch noch nie so unglücklich mit mir selbst wie jetzt.

Es ist ein Teufelskreis und ich finde nicht heraus. Die Wahrheit ist: Gerade geht es mir nicht sehr gut. Ich habe zu wenig Zeit für Schlaf, die Kinder, meinen Mann, den Haushalt, die Arbeit, den Haustieren, der Familie, Freunde, für mich.

Ich bin einfach nie genug. Besser kann ich es nicht sagen. Und weil ich nie genug bin, bin ich manchmal wirklich einsam. Ich bekomme nicht mehr mit, was Freunde gerade bewegt. Die Frau meines liebsten Kollegen starb nach langer Krankheit und ich wusste noch nicht einmal, dass sie krank war. Weil mir Zeit fehlt. Zum Nachfragen, zuhören, kümmern. Ich schäme mich deswegen schrecklich.

Freunde gingen verloren, viele fühlen sich weit entfernt an, weil man sich aus den Augen verloren hat, weil man nicht weiß, was gerade im Leben des Anderen wichtig ist. Ich igel mich ein, weil ich nicht genug Energie habe, für Andere da zu sein.

Dauernd bin ich müde, die Nächte fressen mich auf. Ich bin längst über meine Grenzen hinaus und weiß nicht wie lange ich das noch durchhalte.

Das alles führt dazu, dass ich mir immer „etwas Gutes tun“ will. Die Nacht war anstrengend? Ich brauche ein Stück Schokolade. (Ein Stück? Naja. Wie groß das ist, habe ich ja nicht gesagt.) Die Kinder sind anstrengend? Erst mal ein Bonbon essen. Ich bin müde? Erst mal ne Cola. Die Kinder spielen angeregt im Flur? Schnell etwas in den Mund stecken, solange sie es nicht sehen.

Das ist er, der Teufelskreis. Und ich finde nicht heraus. Ich weiß sehr gut, dass selfcare wichtig ist und dass ich mich mit besserer Ernährung besser fühlen werde. Natürlich löst das nicht alle Probleme, aber es wäre ein Anfang. Vielleicht wäre ich weniger ausgelaugt, vielleicht hätte ich mehr Energie. Vielleicht. Vielleicht muss ich auch einfach ein paar Tage lang schlafen. Vielleicht, vielleicht, vielleicht.

Ich bin so müde. Ich muss mir endlich etwas Gutes tun.