Liebster Blog

Jana vom Hebammenblog hat mir den „Liebster Blog – Award“ verliehen. Das ist der Anlass für diesen Artikel hier. Liebe Jana, ich habe mich darüber sehr gefreut und erfülle gern die dazugehörigen Verpflichtungen:

Den Fragenkatalog von Jana beantworten,
11 Blogs nennen, die ich für lesenswert halte, und die ich für den Award nominiere und meinerseits Fragen an die Bloggerinnen stellen.

Dann beginne ich mal mit Janas Fragen an mich:
Warum bloggst du? Gab es einen konkreten Anlass damit anzufangen?

2011, nach meiner 2ten Fehlgeburt, habe ich mich schrecklich einsam gefühlt. Alle um mich herum wurden einfach schwanger, nur ich wurde es nicht und brauchte medizinische Hilfe. Und trotz der nun endlich entstandenen Schwangerschaft musste ich mein Baby wieder gehen lassen. Dieser Schmerz brauchte ein Ventil, ich brauchte das Gefühl nicht allein damit zu sein und musste mir Luft machen. In der Bloggerwelt habe ich recht schnell Menschen gefunden, die ähnliches erlebt haben und das hat mir unglaublich gut getan.

Was ist deine Mission?

Mission? Mmmh. Ich glaube, ein konkretes Ziel verfolge ich nicht. Ich suche noch immer oft Rat in der Bloggergemeinde und ich hoffe auch, dass ich mit meinen Erfahrungen anderen ähnlich helfen kann, wie mir geholfen wurde.

Wenn du über Ereignisse in deiner Familie, oder sogar direkt über Verhaltensweisen deiner Kinder berichtest, wie stehst du zu dem Problem der „zur Schau-Stellung“ der Kinder (oder auch mal des Partners). Stellt das ein Problem für dich dar? Wo ziehst du die Grenze? Oder ist das gar kein Thema für dich?

Manche von euch wissen, dass ich im wahren Leben gar nicht Emma heiße. Ich versuche, mir im Netz eine gewisse Anonymität zu wahren. Auch schreibe ich die Namen meiner Kinder im Internet nicht aus, damit sie über die Suche nicht gefunden werden können. Fotos und Videos zeige ich nur im geschützten Bereich. So versuche ich, die Privatsphäre meiner Kinder zu wahren. Offen zur Schau stellen möchte ich sie nicht, denn sie können ja noch gar nicht entscheiden, ob sie das wollen.

Lesen deine Kinder was du schreibst? Was sagen sie dazu? Bei noch kleinen Kindern: Was meinst du, wie wird es einmal für sie sein, vielleicht Einiges über sich und dich aus dem Netz zu erfahren?

Zum Lesen sind sie natürlich noch zu klein. Ich hoffe, dass sie, wenn sie größer sind, verstehen und lesen, wie sehr sie gewünscht und geliebt sind und dass sie sich nicht schämen müssen, IVF-Kinder zu sein. Mein großer Wunsch ist es einfach, dass sie, wenn sie deswegen ausgegrenzt werden, daraus einfach noch mal Kraft ziehen können.

Hast du einen „Bildungsauftrag“, oder ist es eher ein Nebeneffekt für dich, dass sich Menschen an dir orientieren (falls sie das tun ;-))

Ich wünsche mir für die Zukunft, dass es kein schlimmer Makel mehr ist, wenn man medizinische Hilfe braucht, um Eltern sein zu dürfen. Vielleicht trägt mein Blog dazu bei, dass Menschen erkennen, dass es am Ende auch ganz normale, sehr herbei gesehnte Kinder sind.

(Wie) hat das Mutter-werden dein Leben verändert? Hättest du das vorher gedacht?

Es hat alles verändert. Mutter sein ist wunderschön, aber unweigerlich gehören auch viele Entbehrungen dazu. Man trägt rund um die Uhr Verantwortung für kleine Menschen, die mit Haut und Haar auf dich angewiesen sind. Das macht mir manchmal sogar ein bisschen Angst und ich passe noch besser auf mich auf, weil ich für sie dasein will/muss. Das Leben ist ein völlig anderes. Liebe definiert sich auch völlig neu, genauso wie Partnerschaft und Freundschaft.

Hattest du eine Idee davon, wie du als Mutter sein würdest und bist du dann so geworden? Oder hast du dich mit deinen Kindern völlig anders entwickelt?

Nein, ich hatte geglaubt, ich würde weiter einfach „Ich“ sein. Wie sehr ich mich verändert habe, habe ich erst auf der Arbeit gemerkt, wo ich zum ersten Mal seit langem nicht als Mutter wahrgenommen werde.

Welchen Stellenwert hat die Geburt deines Kindes (deiner Kinder) in deinem Leben?

Einen Großen, denn das hat einen anderen Menschen aus mir gemacht. Die Erfahrung, was ich leisten kann, trage ich tief in mir.

Wie hast du entbunden? Kaiserschnitt/Spontan

Ich habe spontan entbunden.

Wo hast du entbunden (Klinik, Geburtshaus, zu Hause)

Im Krankenhaus.

Mit wem hast du entbunden? Beleghebamme, Partner, Doula, Oma…)

Mit einer Beleghebamme und dem Wundermann.

Was ist dein bester Tip an werdende Eltern zum Thema Geburt?

Such dir eine Hebamme, der du vertraust und finde mit ihr deinen Weg zur Geburt. Denn egal wie und wo du entbinden möchtest, es ist nur deine Entscheidung und dein Weg. Mir hat unglaublich geholfen zu wissen, was ich will und auch zu wissen, was geschieht, wenn Komplikationen auftreten.

Wie empfindest du die politische Diskussion zur Hebammenproblematik? Bist du involviert? Was siehst du daran kritisch? Bist du davon “gesättigt” (es zieht sich ja hin)? Oder hast du Lösungsvorschläge?

Diese Diskussion macht mich unglaublich wütend und traurig. Wenn ich mir vorstelle, wie es mir ohne meine Hebamme gegangen wäre während meiner Schwangerschaft, Geburt und auch bis heute, macht mir das große Angst. Ich wäre sehr viel weniger selbstbestimmt gewesen und ich befürchte, es wäre eine schlimme Erfahrung geworden. Ich finde, dass die Problematik zu wenig Medienpräsens hat und dringend mehr Aufmerksamkeit braucht.

Wenn du Politikerin (oder besser Königin) wärst und du könntest ein Gesetz erlassen, in dem du etwas für Familien/Kinder in unserem Land tun könntest. Was würde das sein?

Leider ändern Gesetze nichts an unserer Gesellschaft, und ich glaube, das wäre sehr notwendig. Kleine Menschen sollten selbstverständlich dazu gehören und es Eltern nicht so schwer gemacht werden. Kinderfreundliches Deutschland. Das wünsche ich mir sehr.

Danke, Jana, für diese tollen Fragen. Nun zu meinen Nominierungen:

Der kleine Muc: Ich finde mich so oft wieder.

Liebe Mara von nochmehrzwillingsblog, auch du bist dabei. Ich liebe deine Geschichten!

Liebe Nadja, du, mit der Zunge in deinen Fingerspitzen, ich weiß, du machst bei so etwas nicht mit. Aber dieses Mal vielleicht doch? Du bist eine der Ersten, die mich auf meinem Weg begleitet hat, und auch ich durfte bei dir teilhaben. Danke!

Liebe relaxednomore, schon zum 2ten Mal darf ich mitfiebern. Auch du bekommst diesen Award von mir.

Liebe June, auch wir teilen so viel. Einmal ein Award für dich! 🙂

Liebe Septemberherz mit dieser großen Sehnsucht, die ich so gut nachempfinden kann. Du bist wunderbar!

Liebe Liákadha, weil du du bist.

Liebe Julia, du hast dein Herz am rechten Fleck. ❤

Liebe Julia, oder besser Pienznaeschen? Deine Geschichten über den kleinen Mann lese ich unglaublich gern. 🙂

Liebes Öhrchen, manchmal glaube ich, wir sind Schwestern im Geiste. 😉 Auch für dich einen Award!

Liebe Hummelchen, du bist eine beeindruckende Frau. Ich lese dich schrecklich gern und wünschte, du würdest ein bisschen näher wohnen.

Und einen letzten Award verleihe ich meinen Lesern. Ihr habt mir unglaublich viel gegeben und ich würde mich freuen, wenn die ein oder andere meine Fragen aufgreift und sich hier verlinkt. Wer ohne eigenen Blog ist, darf auch gern in der Kommentarfunktion oder per Mail antworten.

Soooo, nun zu meinen Fragen:

1. Warum bloggst du?

2. Welches Ereignis in deinem Leben würdest du als das Prägendste bezeichnen und warum?

3. Was ist dein größter Herzenswunsch?

4. Wie sieht ein normaler Sonntag in deinem Leben aus?

5. Wenn du jemandem einen Wunsch erfüllen könntest, wer wäre das und warum?

6. Verrate uns ein Geheimnis!

7. Du möchtest die Welt verändern! Was und warum? Oder: Warum nicht?

8. Welche Themen liest du am liebsten auf Blogs?

9. Wann hast du zum letzten Mal Tränen gelacht und worüber?

10. Teilst du alle Aspekte deines Lebens im Internet? Warum/ Warum nicht?

11. Welches Thema ist gerade in deinem Leben sehr präsent, was beschäftigt dich gerade? (Umzug, Liebe, Freundschaft, Job…?)

Ich freue mich, wenn ihr dabei seid und bin ganz gespannt auf eure Antworten!

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37+1

Liebste Wundermädchen,

Ihr seid nun 37 Wochen und einen Tag auf dieser Welt. Das ist genau so lang, wie die Zeit, die ihr in meinem Bauch gewohnt habt. Das klingt gar nicht so lang, oder? Es fühlt sich aber an wie die Ewigkeit. Ich kann mir gar nicht mehr vorstellen, wie es ohne euch war, ihr habt unser Leben komplett auf den Kopf gestellt. 260 Tage ist es her, dass ich euch endlich sehen durfte. Ihr wart so herbeigesehnt und macht uns komplett. Es fühlt sich alles so richtig an, wir vier.

M., du bist so unglaublich. Du kannst nun sitzen, schiebst dich überall durch das Haus, bist immer neugierig und ein kleiner Wildfang. Du liebst es zu toben, je wilder, desto besser. Dein Lachen ist ansteckend und dein Humor einfach umwerfend. Du findest fliegende Dinge lustig, deiner Schwester an Haaren oder Ohren zu ziehen und wenn du Andere lachen siehst. Du isst unglaublich gern, man kann in deiner Gegenwart nichts mehr essen, ohne dass du auch etwas essen darfst. So lutscht du schon fleißig an Dinkelstangen, um schlimmes Wutgebrüll zu vermeiden. Du weißt genau, was du willst und bist ganz dickköpfig. Wenn du weinst, und das ist, Gott sei Dank, nicht so oft, ist das herzzerreißend. Du möchtest ständig was Neues entdecken, bist aber manchmal auch ängstlich. Dann können dir nur Mama und Papa helfen. Gerade bist du ein extremes Mamakind, du brauchst mich ständig in deiner Nähe. Fremden gegenüber bist du total schüchtern, Menschen, die du öfter siehst, strahlst du immer an. Aber bitte nur gucken, nicht anfassen! Liebe M., stundenlang könnte ich über dich erzählen. Ich liebe dich ganz unglaublich.

A., mein wunderbares Mädchen. Du sitzt am Liebsten und gerade beginnst du, dich durch das Haus zu schieben. Du probierst gern dein Stimmchen aus, plapperst ganz viel und wenn du fremd bist, quietschst du ganz laut um zu hören, wie dein Stimmchen dort  klingt. Du kannst dich stundenlang mit einer Sache beschäftigen und bist ein echter Kuschelkäfer. Das warst du schon immer. Dich bringt man mit Kitzeln zum Lachen oder mit Grimassen und Geräuschen. Du weißt genau was du willst und, vor allem, was du nicht willst. Dein Schmolllippchen ist unvergleichlich. Und dein Lächeln auch.  Liebste A., auch über dich könnte ich unendlich weiter erzählen. Ich liebe dich ganz unglaublich.

Alles ist anders mit euch, alles ist neu. Wunderschön eben.

Eine Woche und einen Tag

Acht Tage lang bin ich nun Mutter. Das ist eine schrecklich kurzlange Zeit. Es ist, als wäre es nie anders gewesen und gleichzeitig ist alles neu, anders, aufregend.

In unserer Krankenhauszeit war es stressig und turbulent. Sie haben sich alle rührend um uns gekümmert, allerdings ging es dort zu wie im Taubenschlag. Zur Ruhe konnte man dort nicht kommen. Ich habe M. dort fast stündlich stillen müssen, A. spätestens alle zwei Stunden. Heute denke ich, dass das wegen dem Stress dort so war. Denn kaum waren wir zu Hause: Tada, ein drei bis vier Stundenrhythmus. Also haben wir in unserer ersten Nacht zu Hause mehr geschlafen als in der ganzen Woche (5 Tage) Krankenhaus. M. hat eine leichte Neugeborenengelbsucht entwickelt und musste eine Nacht in das Lichtbett, daher würde unser Aufenthalt dort ungewollt verlängert. Jetzt geht es aber Beiden sehr gut. Wir müssen sie nur noch sehr warm einpacken, da sie sonst ihre Temperatur nicht konstant halten. Sie nehmen gut zu und sind auch sonst putzmunter. Und ich bin so verliebt …

Eure Fragen aus den Kommentaren und Emails zum Geburtspost beantworte ich gern:

Ja, die Schmerzen waren unglaublich und ich muss sagen ich war ziemlich laut. Ich habe bei jeder Wehe geschrien, nach meinem Gefühl hat das ganze Krankenhaus mich gehört. Ich glaube Wehenschmerz lässt sich mit nichts vergleichen.

Ja, zwischendurch habe ich gedacht ich schaffe es nicht. Ich hatte wegen des Schreiens nur nicht genug Luft das auch zu sagen.

Ja, ich stille. Und das ist wirklich nicht immer schön. Heute darf ich meinen ersten Milchstau begrüßen, meine rechte Brustwarze ist mehr als mitgenommen, jedes Anlegen schmerzt. Aber es ist auch eine wunderschöne, intensive Zeit die ich nicht missen möchte. Meine Hebamme hat versprochen, dass nur die ersten fünf bis sechs Wochen so anstrengend sind. Wenn ich die durchhalte werde ich mit einer schönen Stillzeit belohnt. Ich hoffe, dass das stimmt.

Schön, dass ihr ein paar Details nicht so unschön fandet. Ich fand sie allerdings sehr unschön, als sie geschahen. Durchfall, keine Wehenpause… Das hatte ich mir ein bisschen anders vorgestellt. Ich würde es aber trotzdem genau so wieder machen.

A. lag auch in Schädellage. Sie hat sich ca. zwei Wochen vor Entbindung gedreht und blieb auch nach M.’s Geburt liegen, so dass ich sie auch ohne Kaiserschnitt bekommen konnte.

Ja, es ging relativ schnell dank Dauerwehen. Und einen Dammriss habe ich auch, weil es so schnell ging, ich nicht die Geduld hatte Presswehen zu veratmen und das Gewebe so keine Zeit hatte sich zu dehnen. Trotzdem: Gott sei Dank ging es schnell.

Wie Pienzmnaeschen so schön sagte: Eine Geburt ist eine Geburt ist eine Geburt. Es ist eine Ausnahmesituation, es ist nicht immer schön aber ich würde denselben Weg wieder gehen, wenn ich mich noch mal entscheiden müsste.

Und nun geh ich wieder die Mädchen kuscheln. 😉

Ein Geburtsbericht. Ungeschönt und wunderschön.

Endlich sind wir zu Hause, gestern durften wir gehen. Und, aus was für Gründen auch immer, hatten wir vergangene Nacht mehr Schlaf als die gesamte Woche zusammen, so dass ich mich mal an meinen Geburtsbericht traue. Aber eine kurze Warnung an die, deren Entbindung kurz bevor steht: Es gibt auch unschöne Details.

Sonntag Abend beschlossen der Wundermann und ich das Bett neu zu beziehen. Wir hatten uns fest auf Mittwoch zur Einleitung eingerichtet und dachten, so hätten wir ein frisches Bett nach dem Krankenhaus, in dem es aber schon Gerüche von uns gibt. Kurz getwittert und dann wurde ich darauf aufmerksam gemacht, dass nach Murphy’s Gesetz in der Nacht nun ein Blasensprung stattfinden müsse. Und so war es ja dann auch.

Ich war den gesamten Abend schon unruhig und rastlos. Ich konnte nicht einschlafen und mehr als ein Dämmerschlaf war nicht drin. Ich war häufig zur Toilette, das musste ich sonst nie. Um 1.45Uhr Montag Morgen hörte und fühlte ich ein dumpfes „Plopp“ im Bauch und wusste sofort, dass es ein Blasensprung ist. Also raus aus dem Bett (ja, es ist sauber geblieben) und ab ins Bad. Dort bestätigte sich meine Vermutung. Ich rief meine Hebamme an, die mir sagte ich solle mich in Ruhe fertig machen und mich dann auf den Weg machen, Wehen hatte ich nämlich noch keine. Ich weckte den Wundermann: „Du musst aufstehen.“ – „Warum?“ -„Ich habe einen Blasensprung.“ – „Ist das dein Ernst?“ (Männer aus dem Tiefschlaf… Was soll man dazu noch sagen?) Ich ging duschen und der  Wundermann packte unsere restlichen Sachen. Um viertel nach drei kamen wir im Krankenhaus an, auf der Fahrt dorthin hatte ich erste kleinere Wehen. Im Kreissaal wurde zuerst die Eingangsuntersuchung von der diensthabenden Hebamme gemacht (CTG, Blut, Muttermund, Blutdruck, Temperatur…) und dann informierte sie meine Hebamme über den aktuellen Stand. Die machte sich dann selbst auf den Weg und war dann um fünf bei uns. Ab da verliere ich jedes Zeitgefühl. Bis dahin hatte ich schon Wehen, die ich veratmen musste. Ich lief im Kreißsaal auf und ab, so ließ sich der Schmerz am Besten ertragen. Jede Stunde musste ich ans CTG, dafür musste ich mich hinlegen. Das war eine echte Qual. Plötzlich bekam ich Durchfall (ich sagte ja: unschöne Details!) und zu diesem Zeitpunkt hatte ich einen Schmerz, so dass ich mich nicht hinsetzen konnte. Also waren umständliche akrobatische Verrenkungen nötig, damit ich trotzdem die Toilette benutzen konnte.Ein weiteres Problem war,  dass ich nun von einer Wehe direkt in die nächste kam, ohne Pause…  Daher bekam ich eine Infusion gelegt, die mir Pausen ermöglichen sollten und die Wehen effektiver machten. Leider hat das nicht gut funktioniert. Als der MuMu 5cm offen war fragte die Hebamme mich ob ich nicht lieber eine PDA wollte. Die Geburt würde noch eine Weile dauern und durch die ständige Wehenbelastung war ich schon ziemlich erschöpft. Ich hätte in diesem Moment wirklich alles genommen, was mir eine Pause verschafft und so war der Narkosearzt sehr schnell da. Damit er genügend Zeit zum Legen bekam musste mir ein Wehenhemmer gespritzt werden. Dann lag die PDA, ich sollte zurück ins Bett. Die darauf folgende Untersuchung ergab: MuMu war vollständig, die PDA war also zu spät (tatsächlich wirkte sie erst als alles vorbei war). Meine Hebamme war ganz überrascht und fragte: „M. kommt jetzt, wie möchtest du gebären?“ Ich wollte das Sitzkissen (funktioniert wie der Gebärhocker, nur dass es auf dem Bett ist. Gebärhocker durfte ich nicht, wegen der 2ten Geburt. Ich musste im Bett bleiben damit die schnell eingreifen können, falls es A. plötzlich schlecht geht.) Also halfen mir die Hebamme und der Wundermann auf das Kissen, der Wundermann hielt mich von hinten und M. kam auf die Welt, es waren nur wenige Presswehen. M. wurde mir auf den Bauch gelegt, der Wundermann nabelte sie ab. Ehrlich gesagt konnte ich diesen Moment nicht genießen, ich konnte immer nur denken: „Oh nein, das muss ich jetzt noch mal!“  A. ging es Gott sei Dank gut, sie hat sich nicht in Querlage gelegt, sondern brav ins Becken und wartete darauf auch geboren zu werden. Eine Hebammenschülerin kam dazu um M. zu halten, damit der Wundermann mich halten konnte. Der Sitzhocker wurde unter mir weg genommen, der Arzt, der  nun dazu kam, eröffnete die Fruchtblase und vier Presswehen später war A. da.  Ich bekam meine winzig kleinen Wunderwesen in den Arm. Ich hatte einen Dammriss 2ten Grades, der genäht werden musste. Davon habe ich nicht viel mitbekommen, ich war zu sehr mit Staunen beschäftigt. Anschließend wurden wir als Familie erst mal allein gelassen (natürlich war die Hebamme direkt nebenan in Rufnähe). So konnten wir unsere Wundermädchen, unser ganzes Glück, ganz allein bestaunen, berühren, riechen und spüren. Erst nach zwei Stunden kam die Hebamme wieder herein und der Wundermann durfte die Mädchen das erste Mal baden, wiegen und messen. Währenddessen durfte ich die jeweils Andere das erste Mal stillen. Es wurde sich so unglaublich viel Zeit für uns genommen, alles wurde in Ruhe gemacht. Den Kreißsaal haben wir erst um vier verlassen, obwohl am selben Tag noch zwei weitere Geburten waren. Das ist der klare Vorteil der Beleghebamme, sie war ausschließlich für uns da, musste nicht woanders hin und hatte soviel Zeit für uns, wie wir brauchten. Ganz ehrlich? Das würde ich immer wieder so machen. Ich hatte eine spontane Geburt von Zwillingen mit meiner Wunschhebamme, die mir dieses Erlebnis so gestaltet hat, wie ich es mir gewünscht habe. Sie war schlicht unglaublich, hat wortlos verstanden was ich gerade brauchte und das half mir mich zu entspannen und alles einfach geschehen zu lassen.

Jetzt habe ich es erlebt, eine Geburt. Es war ein absolut einmaliges Erlebnis, man befindet sich im völligen Ausnahmezustand und für mich war es wie in einer völlig anderen Welt. Dafür kann man kaum Worte finden, es gibt nichts vergleichbares.

Nun bin ich eine Mutter mit den zwei wunderbarsten Mädchen dieser Welt. Das ist das schönste Geschenk meines Lebens. Ich liebe sie einfach so unglaublich.