Vom Spreu und Weizen

Ich habe seit Jahren einen festen Freundeskreis mit Menschen, die mir sehr wichtig sind. Manchmal kamen/kommen neue hinzu, bei manchen wird der Kontakt weniger, aber ich hatte immer stabile Freundschaften, auf die ich zählen konnte. So dachte ich zumindest.

Früher (vor der Elternschaft) habe ich viel Zeit damit verbracht, diese Freundschaften zu pflegen. Ich fuhr regelmäßig auch weite Strecken, um weiter weg Wohnende regelmäßig zu sehen, war immer zur Hilfe da, hatte immer ein offenes Ohr für Alle(s) und würde sagen, dass man auf mich zählen konnte. Das kann man noch, auch wenn ich heute (als Mutter) deutlich weniger Zeit für Freundschaftspflege habe und ich gut organisieren muss, wenn jemand Hilfe braucht. Aber ich mache alles möglich, wenn es wichtig ist.

Genau das ist der Punkt: Wenn es wichtig ist. Der Wundermann arbeitet sehr viel und ich kann nicht mal eben zwei kleine Kinder unterbringen, um nett einen Kaffee trinken zu gehen. Ich dachte, das sei schon okay, das wird schließlich auch wieder anders. Ich dachte, diese jahrelang gehegten und gepflegten Freundschaften halten das aus, ohne Zweifel. Dann sehen wir uns eben seltener oder mit Kindern im Schlepptau. Aber wenn ich jemanden brauche, dann hab ich ein großes Netzwerk. Weit gefehlt.

Vor einiger Zeit hörte/sah/las ich (ich weiß es nicht mehr genau) diesen Vergleich: In der Liebe gibt es immer einen Gärtner und eine Blume. Einen der hegt und pflegt und einen, der das genießt. Am Ende profitiert davon aber jeder. Ich glaube, so ist das auch oft mit Freundschaften. Zumindest in meinem Fall. Ich war hier der Gärtner, und habe nur sehr wenig Zeit für die Blumen. Wegen der anhaltenden Dürre geht eine Pflanze nach der anderen ein. Und dann schaue ich mich um und fühle mich ziemlich allein auf weiter Flur.

So trennt sie sich, die Spreu vom Weizen. Die Guten ins Töpfchen, die schlechten ins Kröpfchen.

Ich brauche dringend neue, tragfähige Freundschaften. Doch woher nehmen, wenn nicht stehlen?

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