Kleines Anekdötchen

Grenzen testen für Fortgeschrittene, oder auch: Wie M. einen Weg gefunden hat, ihre Grenzen millimetergenau auszuloten:

Ich: „Nein, M., du darfst nicht den Trinkbecher ausschütten. (Oder beliebigen anderen Unsinn einfügen.)“ 

M., überlegt, kichert: „Bisschen?“ und schüttet ein paar Tropfen. Nun lachen sich beide halb tot. 

Ich, mir mühsam das Lachen verkneifend: „Nein, auch nicht ein bisschen!“

(Wie soll man da ernst bleiben? Erziehung ist schwer.) 

  

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Zwillingssorgen

Sie sind so unterschiedlich, meine Zwei. Ich finde das schön, aber es ist auch eine enorme Herausforderung, zwei gleich alten Persönlichkeiten mit ihren unterschiedlichen Bedürfnissen gerecht zu werden.

Da gibt es die leichter zu bewältigenden Dinge: A. duscht gern, M. badet lieber. A. schläft lange, M. möchte früh aufstehen. M. liebt Bananen, A. lieber Erdbeeren, A. schläft tagsüber gern auf dem Sofa, M. lieber in der Federwiege. Alles leicht zu erfüllen. Die Herausforderung ist aber ihr völlig unterschiedliches Lern- und Spielverhalten. M. braucht Anregung, Anleitung und Nähe. Sie kann sich nicht allein beschäftigen, ist sehr fixiert auf die anderen Menschen um sie herum, orientiert sich stark an mir oder an ihrer Schwester. Sie will tun, was wir tun, haben, was wir haben. Das kann unglaublich niedlich sein, z.B. wenn sie auch ein nasses Putztuch will und mich beim Putzen imitiert, oder unglaublich anstrngend, wenn sie alles ihrer Schwester wegnimmt und ihr dabei weh tut.

A. hingegen braucht viel Zeit und Freiraum. Sie betrachtet Dinge gern ausführlich, probiert sie aus,immer und immer wieder. Sie wird dabei nicht gern gestört, von Niemandem (auch, wenn sie mich gern dabei hat, um mir alles zu zeigen). Tja, und genau da liegt der Hund begraben. M. stört sie, und zwar immer. Alles nimmt sie ihr weg, sobald A. sich dann etwas Anderem zuwendet, will M. das auch haben. Bekommt sie es nicht, tut sie ihrer Schwester weh. Und ich weiß einfach nicht, wie ich A. diesen so sehr gewünschten Freiraum schaffen soll. Sie ist so zufrieden, wenn sie allein spielen darf. Und das kann ich ihr so selten ermöglichen.

Ja, ich spiele viel mit M. um sie abzulenken. Aber dann beißt mich auch das schlechte Gewissen, weil ich A. diese Exklusivzeit nicht so oft bieten kann, denn M. spielt eben nie allein. Nie. Und A. genießt es auch so sehr ungeteilte Aufmerksamkeit zu bekommen.

Tja. Und nun? Es heißt, man wächst an seinen Herausforderungen. Ich hoffe, ich wachse schnell, damit ich ihnen gerecht werde.

Es ist wie es ist. Und so ist es.

M. und A. sind nun 6 Monate und 4 Tage alt. Ist das nicht unglaublich? Meine kleinen, süßen Babys sind nun schon ganz schön groß.

Parallel zu ihrem Wachstum fühlen sich immer mehr Menschen dazu berufen genau zu wissen, was ich falsch mache und mir das bei jeder Gelegenheit zu sagen. In der Regel sind es andere Mütter. In ihrer Kritik lässt sich deutlich erkennen, dass sie es nicht nur gut meinen, sondern es entsetzlich finden, was ich so tue. Bösartig sind sie manchmal, Augenbrauen hoch ziehend, kopfschüttelnd. Sie glauben, sie haben den einzig richtigen Weg gefunden, neben dem nichts anderes existieren kann. Ein bisschen Sektenflair, finde ich.

Hier, in meinem konservativen Umfeld, sind wir so etwas wie Revoluzzer. Stillen, wenn sie älter als sechs Monate sind? Familienbett? Viel Tragen? Bedürfnisse nach Möglichkeit sofort befriedigen? Stoffwindeln?

Wir müssen uns da viel anhören. Das finde ich schade, denn der Wundermann und ich machen uns viele Gedanken, was wir mit unseren Kindern machen und es gibt viele Gründe, warum es so ist, wie es ist.

Es ist unsere Familie, unsere Entscheidung. Sätze wie: „Also das haben wir uns nie angetan.“, „Du stillst IMMER NOCH?“, „Also ich hab ja noch ein eigenes Leben!“ , „Sie schlafen IMMER NOCH NICHT durch?“ , „Du verziehst sie. Das werden mal ganz verwöhnte Kinder.“ oder, der Klassiker: „Man erntet, was man sät.“ (mit diesem besonderen Unterton) sind hier an der falschen Adresse.  Erst Recht, wenn man nicht hinterfragt und die Beweggründe für unsere Entscheidungen kennt. Unsere Kinder, unsere Entscheidung. Und so lange, wie sich alle wohlfühlen, kann es nicht falsch sein. Ratschläge sind herzlich willkommen. Aber nicht jeder Ratschlag passt zu uns, zu unserem Leben.

Leben und Leben lassen. Warum fällt das ausgerechnet Müttern so schwer?

(Ich muss ehrlich zugeben, dass es mir auch manchmal schwer fällt,anderen Erziehungsmethoden tolerant gegenüber zu stehen. Besonders, wenn es um das Thema „schreien lassen“ geht. Aber es ist, wie es ist. Ich sage meine Meinung, wenn ich danach gefragt werde, aber dann nicht auf DIESE eine Art. Ihr wisst schon.)