Ich könnte.

Ich könnte euch erzählen, wie M. mich heute morgen anschrie, als ich sie weckte. 

Oder davon, wie A. ihre Müslischüssel vom Tisch warf, weil ich die Milch nicht richtig einschüttete. 

Ich könnte erzählen, wie sie eine halbe Stunde brauchten, sich Jacke, Schal, Mütze und Schuhe anzuziehen und ich nicht helfen durfte. 

Vielleicht könnte ich davon erzählen, wie keines der Kinder mit mir nach Hause wollte, als ich sie aus dem Kindergarten abholen wollte. 

Oder wollt ihr die Geschichte hören, wie ich diese Kinder einfing, A. mühsam anzog, an M. scheiterte und ich deswegen eine wütende M. unterm Arm, ohne Schal, Mütze, Schuhe, Jacke zum Auto trug, während eine schneckenlangsame A. hinter mir her schlurfte?

Ich könnte auch davon erzählen, wie ich zur „Kakamama“ wurde, weil ich keine Nudeln zum Abendessen gekocht hatte. 

Stattdessen erzähle ich euch lieber davon, wie A. mich an die Hand nahm, als ich ihr sagte, wie müde mich diese Streiterein machen, mit mir zum Bett ging, wir uns hineinkuschelten, M. dazu kam und wir noch ein bisschen lasen, erzählten und lachten. Nun liegen sie hier, meine schlafenden Wunder, und ich habe schon fast wieder vergessen, was für kleine Nervensägen sie doch sein können. 

  
 

Idylle? Können wir auch. Teil 3

Es gab eine kleine Pause zwischen den Beiträgen über meine Wutzwerge hier und hier und diesem hier, denn wir waren krank. Zuerst die Kinder mit Mandel- und Bindehautentzündung, dann ich (und zwar so richtig, so krank war ich schon sehr lange nicht mehr) und dann erwischte es natürlich auch noch den Wundermann. Zusätzlich zum Vorweihnachtstrubel war reichlich los hier. Aber nun denn, nun erzähle ich mal, wie das hier so läuft, wenn ich mich abends nicht in den Schlaf ärgern muss. 

Idealerweise wachen die Kinder selbst auf, wecken ist immer ein Garant für schlechte Laune. Dann wird gekuschelt, gelesen und langsam, ganz langsam aus dem Bett getastet. Windeln aus, Klamöttchen an, Nachmittagssnack. Überraschenderweise ist das tatsächlich immer unkompliziert. Dann geht es raus. Immer. Egal bei welchem Wetter. Auch ich besitze Regenhose und Stiefel, denn im Haus bleiben ist keine Alternative. Wenn meine Kinder nicht draußen waren sind sie UNERTRÄGLICH. Draußen ist immer alles gut und die Kinder so viel zufriedener. Wenn das Wetter grausig ist, reichen 30min zum Austoben und Pfützen hüpfen, sonst bleiben wir, bis wir mit dem Kochen beginnen müssen. 

Manchmal kommen hungrige Kinder rein, dann gibt es noch einen winzigen Snack. Anschließend kochen wir. Oft zu viert, wenn der Papa schon da ist, sonst eben zu dritt. Das machen beide total gern und Streit gibt es da auch selten. Sie dürfen bei allem mithelfen und sind zufrieden. Nur ein entsprechendes Zeitfenster braucht man, denn es dauert schon sehr viel länger als allein. 

Wir essen abends immer gemeinsam. Die einzige Ausnahme ist der Donnerstag, denn da habe ich Spätdienst. 

Gerade sind sie sehr nörgelige Esser, das ist ein wenig anstrengend. Unsere Kinder dürfen ein Brot oder Obst essen, wenn sie das Essen nach dem Probieren noch immer verschmähen. Lief der Nachmittag gut, hat man gute Chancen auf ein entspanntes Abendbrot. Wenn nicht, entlädt sich hier die Stimmung des Tages. 

Nun gucken die Kinder mit einem Elternteil Sandmann, der andere darf das Chaos der Küche beseitigen. Dann machen sich alle Familienmitglieder bettfein, mit viel Trubel im Bad. Wir singen, um das Zähneputzen zu überstehen und dann Sicht jedes Kind noch eine gute Nacht-Geschichte aus, die im Bett gelesen wird. Oft gucken wir im Bett (Schande über uns) noch eine Folge Lassie auf dem Tablet und dann werden die Kinder in den Schlaf gekuschelt. M. schläft schnell, A. braucht lange. Und dann, dann beginnt die Zeit für Erwachsene. 

So geht es auch. Manchmal. 

    

Kerstin von chaoshochzwei erzählt hier von ihrem Alltag mit Zwillingen und Baby. 
Von WunschkindmalZwei könnt ihr hier lesen. 

Und Sarah von Mamanibloggt berichtet hier von ihren Wutzwergen. 

Ein ganz normaler Wutzwergtag, Teil 2

(Teil 1 findet ihr hier.)

Es ist Mittag, ich hole die Kinder wieder ab. Da es nicht regnet, spielen die Kinder draußen. M. beachtet mich nicht, sie will noch schaukeln, A. läuft in meine Arme und freut sich. Wir gehen zu M., ich sage ihr, dass ich mit A. zum Umziehen gehe und frage, ob sie mit will. Ich bekomme keine Antwort, also gehe ich mit A. rein. Wir suchen Trinkflaschen und Kuscheltiere und packen alles ein. Dann beginne ich A. die Stiefel und die Matschhose auszuziehen, die Sachen bleiben im Kindergarten. Da bringt eine Erzieherin eine völlig aufgelöste M. mit den Worten „Da ist Mama doch.“ Gut, dass sie eben mein „Gespräch“ mit M. gehört hat, sonst würde ich mich nun sehr rabenmütterlich fühlen. 

M. braucht Trost, und natürlich ruft A. nun: „Ich muss P.ipi!“. Also folge ich dem Kind zur Toi.lette, M. tragend, die noch immer schluchzt. Ich muss das schluchzende Kind nun absetzen, denn A. ist noch nicht groß genug um auf die kleinen Kindergartentoiletten zu kommen, sie braucht also Hilfe. M. liegt nun weinend auf dem Boden (Igitt!) und schreit „Arm nehmen, Arm nehmen!“. Sie ist müde und braucht Nähe, aber A. braucht Hilfe beim Abwischen, anziehen und Händewaschen. 
Ich schwitze und versuche so viel wie möglich mit M. auf dem Arm zu schaffen. Nun muss ich M. noch umziehen, die sich aber vor lauter Müdigkeit nicht entscheiden kann, ob ich helfen darf oder nicht. Also ist Beides falsch. Nun hilft eigentlich nur kuscheln, aber zuerst müssen wir irgendwie nach Hause. 

Beide sind müde, ich trage also beide Kleinkinder, Kuscheltiere und Rucksäcke zum Auto. Beide weinen, als ich sie absetze um das Auto aufzumachen. Irgendwie bugsiere ich die müden Kinder ins Auto und wir machen uns auf den Weg. 

Ich möchte nicht, dass die Kinder im Auto einschlafen, denn dann eskaliert zu Hause die Situation. Also singe ich mit ihnen, damit sie wach bleiben. Gerade sind das gerne St. Martin und das Schlangenlied, dass wir aus dem Musikgarten kennen. Das muss ich schon seit Januar vorsingen. Und einhändig während des Fahrens entsprechende Bewegungen andeuten. 

Zu Hause angekommen will ich M. aus ihrem Sitz holen, so wie immer. Sie schreit „Nich Hause!“. Höh? M. ist doch sonst auch total unflexibel und braucht den immer gleichen Ablauf? Wir fahren nach dem Kindergarten doch immer nach Hause? Heute ist das aber nicht richtig. Das Kind will in die Stadt zum Eis essen fahren. Das haben wir in ihrem Leben vielleicht drei Mal gemacht, aber noch nie zum Mittagessen. Wie sie wohl auf die Idee kommt? Naja, ist jetzt auch egal. Gerade will sie das so und ich muss sie trotzdem irgendwie dazu bewegen, ins Haus zu gehen. 

Ich hole nun also zuerst A., wohlwissend, dass das die nächste Katastrophe auslöst. Denn heute darf A. die Tür aufschließen und für M. bleibt das Klingeln. Das findet M. ziemlich blöd. Nun ist A.’s Geduld aber auch zu Ende. Sie ist müde und will, dass ich ihr helfe. Dieses „liebevoll durch die Wutanfälle helfen, da sein und abwarten“ passt (oft) nicht in unsere Realität. Beide sind müde und irgendwie muss ich die Bedürfnisse beider unter einen Hut bekommen. Ich schnappe mir also M und trage das sich windende Bündel ins Haus. Drinnen angekommen hat das Toben nachgelassen. Ich kann Beiden helfen sich auszuziehen, und dirigiere sie zum Essen an den Tisch. 

Das Essen verläuft heute überraschend ruhig, kein Gemotze. Es gibt aber auch Nudeln, ein Gericht von gefühlt Dreien, dass gerade überhaupt in Frage kommt. 

Nächster Programmpunkt Wickeln: Beide sind müde, beide möchten zuerst, beide wollen nicht mehr los gelassen werden, bis sie im Bett sind. Tja. Nur so viel: Es wird laut, sehr laut, bis wir endlich im Bett sitzen und jedem Kind das ausgesuchte Buch vorlesen. 

Ich hab sie den ganzen Morgen vermisst. Es wäre so schön, wenn ich die Zeit mit ihnen schöner verbringen könnte. Man malt sich das ja immer so idyllisch aus. 

Ist es hier gerade aber nicht. Es gibt immer wieder wunderschöne idyllische Momente, manchmal auch Stunden. Aber gerade kostet diese Autonomiephase unglaublich viel Kraft. 
 

In Teil 3 erzähle ich euch von einem idyllischen Nachmittag. 

Kerstin von chaoshoch2 erzählt hier von ihrem Alltag mit Zwillingen und Baby. 

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Ein ganz normaler Wutzwergtag, Teil 1

Es ist 6.30Uhr, mein Wecker klingelt. Ich schleiche mich aus dem Bett, um Frühstück und Brotdosen vorzubereiten und mich tagfein zu machen. Während ich den Tisch decke, kommt A. hereingetapst. Sie reibt sich verschlafen die Augen, und dann erkennt sie, dass ich ihr nicht die richtige Tasse hingestellt habe. Sie weint und ist untröstlich. Davon wird M. wach. Sie ruft nach mir, aber ich bin nicht schnell genug. Sie will, anders als A. noch immer im Schlafsack schlafen und kann sich das Modell, dass sie heute trägt, nicht allein ausziehen und somit auch nicht allein aufstehen. Sie wälzt sich wütend durchs Bett, trampelt, schreit. Es dauert 10min, bis beide Kinder bereit sind zum Frühstückstisch zu gehen. Endlich sitzen wir alle. Ich befülle die Müslischalen, M.’s Augen weiten sich, sie lässt sich vom Stuhl rutschen und tobt. Ich habe die Schalen in der falschen Reihenfolge befüllt. Ich brauche eine gefühlte Ewigkeit, das herauszufinden und das Problem zu lösen. Wenigstens können wir nun zu Ende frühstücken ohne weitere Zwischenfälle. 

Wir begeben uns zum Wickeltisch. Schlafanzug und Nachtwindel aus und je nach Kind und Laune eine neue Windel an oder eben nicht. M. zieht den Rest der Kleidung für gewöhnlich selbst auf dem Fußboden an, also lege ihr die vorbereitete Kleidung griffbereit und widme mich dann ihrer Schwester. Als ich A. gerade ausgezogen habe, trifft mich ein Sockenpaar im Rücken. Ich drehe mich um und ein kleines, wütendes Kind blitzt mich an und verlangt Punktesocken. Die sind aber in der Wäsche, was M. dazu bringt auch den Rest der Kleidung um sich zu werfen und zu schreien. Sie ist nicht zugänglich, also lasse ich sie toben und widme mich A. 

A. will sich nicht selbst anziehen, also tue ich das, ständig durch das Gebrüll hinter mir begleitet. M. lässt immer noch nicht mit sich reden. Also gehe ich mit A. zwei Schritte weiter ins Bad zum Zähne putzen, Gesicht und Hände waschen und Haare kämmen. Manchmal versuche ich noch, eine ordentliche Frisur zu zaubern, heute reicht A.’s Geduld dafür aber nicht aus. M. hat sich mittlerweile beruhigt und hat damit begonnen, sich anzuziehen. Weil sie noch nicht fertig ist, will ich mir schon mal die Zähne putzen. A. sieht das und schimpft, weil sie glaubt, M. käme um das Zähne putzen drum herum. „A. auch Sahn putzt. A. auch gewascht.“ schluchzt es untröstlich. Meine Erklärung, dass M. das auch müsse, wenn sie angezogen ist, verhallen ungehört. Ich seufze tief, trete vor meinem inneren Auge gegen die Wäschetonne und gebe auf. Ich beginne mir die Zähne zu putzen. A. hat derweil beschlossen, dass eine ungewaschene M. keine Option ist und zerrt sie an den Haaren Richtung Waschbecken. Ich muss die Kinder mit Zahncreme im Mund trennen, voneinander fern halten und gleichzeitig trösten. Zahncreme tropft auf meinen Pullover. Ich möchte irgendwo reinbeißen, seufze aber nur. Die Kinder haben sich endlich beruhigt. Ich kann M. dazu bewegen,sich zu Ende anzuziehen und bitte A. ihre Jacke, Schal, Mütze und Schuhe zu holen. Das beschäftigt sie, bis ich M. gewaschen habe.

Als wir dazu kommen, hat A. sich bereits fertig angezogen und kämpft noch mit dem Reißverschluss. Ich bitte M. auch ihre Sachen zusammen zu suchen, damit ich mich auch anziehen kann. 

M. findet in der Schublade einen Sternchenschal, A. trägt gerade die dazugehörige Mütze. M. will die Mütze, sie weint, schreit und wälzt sich. Sternchenschal und Sternchenmützegehören zusammen, so geht das doch nicht! A. will nicht tauschen, also lässt sich die Situation nicht auflösen. M. zieht weder ihre Schuhe, noch Schal, Mütze oder Jacke an und lässt es mich auch nicht tun. Sie tobt und tobt. A. beobachtet mit großen Augen, was M. noch wütender macht. Ich schicke A. los sich eine Tasche mit Spielzeug zu packen und setze mich zu M. auf den Boden. Sie hört nicht auf, reagiert auf keine Ansprache. Ich sehe auf die Uhr, es sind bereits 15min vergangen. 

A. kommt mit ihrer gepackten Tasche. Ich beschließe, die Morgenroutine fortzusetzen. A. und ich räumen alles für den Kindergarten ins Auto, sie klettert in ihren Sitz, ich schnalle sie an. M. ist mittlerweile still, will aber noch immer die Sternchenmütze und lässt sich nicht anziehen. Ich erkläre, dass ich sie dann so mit zum Kindergarten nehme. 

5min später sitzt eine sehr erstaunte M. in ihrem Sitz. Ohne Schuhe, Schal, Jacke, Mütze, die ich natürlich im Kofferrraum verstaut habe. Und ihre Puppe, die sie sonst mitnimmt, blieb auch zu Hause. Wir fahren los. Es tönt von der Rückbank „Tip Tap!“, ein Liederwunsch der mich fast weinen lässt, weil ich es nicht mehr hören kann. 

Kennt ihr es? Wenn nicht, lasst es nie eure Kinder hören. Sie werden euch damit foltern. 

Zum Kindergarten dauert es fünf Mal „Tip Tap“. Jedes Mal, wenn die letzten Klänge ertönen, schallt es doppelt „Noch mal!“ von hinten. Sie summen, singen und klatschen mit. Ich kneife die Ohren zu, solange sie zufrieden sind. Auf dem Parkplatz angekommen mache ich das Auto aus. Beide Kinder rasten aus, weil das Lied noch nicht zu Ende war. 

Ich bin am Ende meiner Geduld, steige wortlos aus, hole die Kinder aus ihren Sitzen, die immer noch toben, hole die Sachen aus dem Kofferraum und dirigiere die Damen Richtung Kindergarten. 

Als wir endlich drin sind, empfängt uns eine Erzieherin und fragt, was los ist. A. stampft auf den Boden und sagt: „Witterlaune!“ (Gewitterlaune, es gibt da so ein herrliches Pixibuch, dass von Pünktchen mit Gewitterlaune erzählt. Ist hier ein Renner!). 

Damit hat sie den Morgen ganz gut zusammen gefasst. 

Uff. 

(Teil 2, der erzählt, wie wir die 1,5 Stunden Mittagszeit miteinander  verbringen, bis sie schlafen, folgt bald. Außerdem wird die Kerstin von chaoshoch2 bald von ihrem Alltag mit ihren Wutzwergen berichten. Sie hat allerdings noch schwierigere Bedingungen, den sie hat noch ein kleines Baby. Seid gespannt! Mag noch jemand?)

Kleines Anekdötchen

Grenzen testen für Fortgeschrittene, oder auch: Wie M. einen Weg gefunden hat, ihre Grenzen millimetergenau auszuloten:

Ich: „Nein, M., du darfst nicht den Trinkbecher ausschütten. (Oder beliebigen anderen Unsinn einfügen.)“ 

M., überlegt, kichert: „Bisschen?“ und schüttet ein paar Tropfen. Nun lachen sich beide halb tot. 

Ich, mir mühsam das Lachen verkneifend: „Nein, auch nicht ein bisschen!“

(Wie soll man da ernst bleiben? Erziehung ist schwer.)