Krankenlager

Im folgenden Post geht es um Krankheit, weniger Appetitliches und Körperausscheidungen. Ich werde nichts Beschönigen oder ein Mäntelchen des Schweigens drumherum hüllen. Wer also empfindlich ist, liest vielleicht lieber erst beim nächsten Blogpost wieder mit.

Mittwoch Abend, 22.00Uhr. M. wird unruhig, wacht auf, weint und wälzt sich hin und her. Sie will ihr bereits beim Einschlafen verschmähtes Fläschchen nicht, sie will nicht gestillt werden, ist nicht zu beruhigen. Ich setze sie hin, um ihren Schlafsack auszuziehen, weil ich die Windel überprüfen will. Dabei stößt M. auf, ein bisschen Flüssigkeit kommt mit, sie kuschelt sich zufrieden sitzend in meinen Arm und schläft wieder ein.

Ich bin erst mal zufrieden, denke, das Problem ist gelöst. Aber sie schreckt wieder auf, jammert „MAMA! Popo!“. Also nehme ich sie aus dem Bett und mache mich auf den Weg zum Wickeltisch, weil ich glaubte, sie müsse gewickelt werden. Kaum im Flur angekommen, erbricht sie. Auf mich. Ich habe es überall: In den Haaren, auf den Schlafsachen, im Gesicht.
Ich rufe den Wundermann herbei, er soll mir helfen. Er kommt angewankt, murmelt, ihm sei nicht so gut und setzt sich auf den Boden. Also kümmere ich mich doch selbst um M., ziehe sie um, reinige sie so gut es geht (auch ihre Haare sind betroffen) und gebe sie dem Wundermann in den Arm, damit ich alles sauber machen kann und Wäsche waschen, denn ich habe Angst vor der Nacht und vor zu wenig Wechselwäsche (wir besitzen nur zwei Schlafsäcke pro Kind).

Ich versuche mich anschließend notdürftig zu reinigen, M. und der Wundermann jammern, duschen und Haare waschen ist nicht drin. Ich staffiere das Bett mit Handtüchern aus, wir legen uns hin, M. kot*t. Das gute Kind rollte sich jedoch dazu auf die Seite, so mussten nur die Handtücher ausgetauscht werden. M. jammert und weint, der Wundermann stöhnt und wälzt sich, A. schläft völlig unbeeindruckt weiter. Der Wundermann rennt das erste Mal ins Bad, übergibt sich, parallel dazu macht M. das Gleiche im Bett. Erneuter Handtuchwechsel. Der Wundermann muss in dieser Nacht noch oft ins Bad rennen, zum Erbrechen gesellt sich auch noch D.urchfall. M. übergibt sich noch 4x bis zum Morgen. Ich hatte Angst, dass A. gleich auch startet oder von dem ganzen Rummel wach wird und auch davor, mich auch angesteckt zu haben. Aber A. schläft friedlich durch und mir fehlt, bis auf Schlaf, nichts.

Ich informiere meine Schwiegermutter noch in der Nacht, bitte sie, A. zu nehmen, wenn ich mit M. zum Arzt fahre. Wir telefonieren morgens kurz, um uns abzusprechen und dann übergibt sich auch A.. Also Planänderung, meine Schwiegermutter und A. fahren dann mit zum Arzt.

Der Wundermann ist mittlerweile nur noch ein Häufchen Elend, keiner der drei kann auch nur ein Fitzelchen Flüssigkeit bei sich behalten, alle wollen, dass ich mich um sie kümmere. Die Mädchen haben, Gott sei Dank, keinen D.urchfall. Ich putze, desinfiziere, ziehe um, wasche Wäsche und schaffe eine schnelle Dusche vorm Arztbesuch. Unser Kinderarzt begutachtet die Damen genau und gibt Anweisungen für den Rest des Tages. M. darf wegen des epileptischen Anfalls im August keine Medikamente nehmen, weil sie alle kontraindiziert zu ihrem Notfallmedikament sind und die Wahrscheinlichkeit eines erneuten Anfalls erhöht ist, wenn sie krank ist. Also muss es so gehen. A. verschreibt er Vomex. Ich gebe zu Hause löffelchenweise zimmerwarmen Fencheltee, alle 20 Minuten. Alles bleibt drin, sie dürfen selber einen Schluck trinken. Zum Mittag bekommen sie trockene Nudeln, jede 5 Stück, auch die vertragen sie. Vorerst ein gutes Zeichen, sonst hätten wir uns auf den Weg in die Klinik gemacht, so wie es der Kinderarzt auftrug. Der Wundermann ist am Schlimmsten dran, bei ihm ist längst keine Besserung in Sicht. Mittagsschlafzeit, ich hoffe, kurz durchschnaufen zu können, schlafen traue ich mich nicht, weil ich mitbekommen muss, ob M. einen Anfall bekommt.

Ruhe? Weit gefehlt. Die Mädchen schlafen unruhig, der Wundermann rennt ständig los, und schon sind die Mädchen wieder wach. Sie essen ein bisschen Banane, auch die darf im Bauch bleiben. Puh! Ich bin weiter mit putzen, desinfizieren, Wäsche waschen und Mädchen bekuscheln beschäftigt. Zum Abendessen gab es noch mal trockene Nudeln, die bei M. wieder retour kamen. Aber sie hat gut getrunken, wir müssen nicht in die Klinik. Wir gehen ins Bett, der Wundermann fiebernd, aber wieder ansprechbar, A. zufrieden mit Nudeln im Bauch, M. unzufrieden nach Stillen verlangend. Das verträgt sie nicht, alles kommt wieder retour, daher beschließe ich, sie in der Nacht nicht zu stillen. M. schläft, tobt, schläft. A. und der Wundermann schlafen. Ich döse, immer ein banges Ohr in alle Richtungen.

Heute sind alle drei auf dem Weg der Besserung, die Kinder vertragen die Schonkost gut, der Wundermann erholt sich auch. Ich blieb bislang verschont, bin nur ziemlich erschöpft und spüre unterschwellig, dass etwas nicht in Ordnung ist. Mal rumort der Bauch, dann ist mir schwindelig. Zeit für selfcare.

Damit hätten wir unsere erste Familien-Magen-Darm-Grippe auch geschafft. Hoffentlich lässt die nächste lange auf sich warten.

„Mal eben“

Wisst ihr noch, als „mal eben“ auch „mal eben“ war? Als man mal eben in die Stadt ging, mal eben jemanden besuchte, mal eben einkaufte, mal eben Arzttermine wahr nahm? Das ist so lange her. Nun ist so eine Aktion immer ein Halbtagsevent, dass Einiges an Organisation fordert.

So plage ich mich schon seit geraumer Zeit mit Schmerzen und tauben Gefühl am rechten Arm von der Schulter bis zu den Fingerspitzen. Ich hätte mal eben zum Arzt gehen sollen. Da ich aber die Wahl hatte zwischen Kinder mitnehmen oder Zähne zusammenbeißen, schonen, cremen, baden, wärmen und fest hoffen, dass es wieder verschwindet, wählte ich Letzteres, denn, seien wir mal ehrlich, mit den zwei brüllenden Arztphobikern in eine Praxis gehen und sich ordentlich behandeln lassen ist vermutlich utopisch. Und so hoffte und hoffte ich- natürlich vergebens. Heute meldete ich mich dann bei der Arbeit krank, denn ich konnte mir beim besten Willen nicht vorstellen, wie ich erwachsene Menschen pflegen sollte. Der Wundermann schickte mich zum Arzt, der eine Überbelastung und schlimmste Muskelverspannungen diagnostizierte. Spritze, ein bisschen Drücken hier und da (AUA!) und ein paar weise Ratschläge (einseitige Belastung vermeiden! Nicht ständig die Kinder tragen! Sport! Zeit zur Entspannung nehmen! Hahaha.) und Morgen wiederkommen. Hmpf. Morgen muss ich dann wohl mit Kindern gehen. Hach ja. Als „mal eben“ noch „mal eben“ war.