Eine kleine Abhandlung über 1002 Gründe, die mich vom Bloggen fernhalten. 

1. Ich weiß gerade nicht, wo mir der Kopf steht. 

2. Die Mädchen schlafen miserabel, meine übliche Blogzeit in der Mittagspause wird nun dringend zum Schlafen benötigt. 

3. So gerne ich auch Sommer habe, aber er macht auch so viel mehr Arbeit. (Wer wollte noch mal ein Haus mit großem Garten? Gerade fänd ich kleine Wohnung mit Balkon auch ganz verlockend.)

4. Die Damen sind wahre Zankäpfel und mit ihnen ist es unmöglich, die To-Dos auch nur annähernd abzuarbeiten.

5. Dauernd steht hier irgendein gesellschaftliches Event an, dass gut gelaunte Anwesenheit erfordert. 

6. Das Auto, dass erst im Januar für über 3000€ repariert wurde, muckt schon wieder. Verkaufen? Reparieren? Geld drucken? 

7. Der Wundermann steckt über und über in Arbeit fest. Das hier ist also gerade eher eine One-Woman-Show. 

8. Hier müsste mal dringend Grundordnung und Sauberkeit hergestellt werden. 

9. „Kannst du mal eben…?“ (Eigentlich nicht.)

10. Schon nächste Woche fliegen wir nach Irland. Da sind nur noch ein paar „Kleinigkeiten“ vorzubereiten. 

11. Sie sind zwei. Zwei sein ist anstrengend. Nichts darf man, was Spaß macht. Dann wird eben rumgetobt und sich beschwert.

12. „Warum sprechen sie noch keine ganzen Sätze? Da solltest du aber mal ein Auge drauf behalten.“ (Auge? Ich dachte Ohr.) 

13. Nur noch ein paar Tage bis Kindergartenstart und nur noch 123 Sachen zu besorgen.

14. Wer hat eigentlich gesagt, dass es einfacher wird? Wann genau? 

15. Meine Waage behauptet, das Abstillen wäre meiner Figur nicht zuträglich gewesen. Also keine Schokolade mehr für mich. Und Sport, der muss auch noch in den Alltag integriert werden. Seufz. 

16. Ein neuer Job muss her. Der Alte wird sich nicht mit meinem Familienleben vereinbaren lassen. Das wird ein Kinderspiel. Nicht.

1002. Ich weiß gerade nicht, wo mir der Kopf steht. 

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Meine Sache mit der Vereinbarkeit, oder auch: Jammern auf hohem Niveau

Beruf und Familie miteinander vereinbaren? Ist immer ein großes Thema. Der Tenor ist ja meist, man müsse nur genug wollen und müsse einen Job haben, der so viel Spaß mache, dass man auf jeden Fall zurück in den Beruf will. Wenn es sich nicht vereinbaren lässt, ist man selbst schuld.

Geht es nach den Menschen, die so denken, will ich wohl nicht genug.

Ich bin Heilerziehungspflegerin, ich arbeite in einem Wohnheim, in dem Erwachsene leben, die bei ihrem Leben Begleitung brauchen, sowohl pflegerisch als auch bei der Bewältigung ihres sonstigen Lebens. Als ich 19 war begann ich ein freiwilliges soziales Jahr in dieser Einrichtung. Wo es beruflich nach dem Abi für mich hingehen sollte, war mir noch nicht klar und ich brauchte Zeit zur Orientierung. Nach drei Monaten bot man mir dort einen Ausbildungsplatz an, den ich gern annahm. Heute, 11 Jahre nach meinem Start, arbeite ich noch immer im selben Haus. Mir sind die Menschen dort ans Herz gewachsen, ich mag, was ich tue. Aber seien wir ehrlich: Die Bezahlung ist eher mau, die Arbeitszeiten nicht sehr familienfreundlich. Zumindest nicht in unserem Fall.
Der Wundermann ist selbstständig, ein kleines Ein-Mann-Unternehmen ist sein Eigen. Auch er liebt seinen Job, aber er ist wahnsinnig zeitintensiv. Denn ein Ein-Mann-Unternehmen heißt eben auch, dass kein Geld verdient wird, wenn er nicht arbeitet. Logisch. Der Wundermann ist unser Hauptverdiener. Ohne sein Gehalt geht hier gar nichts. Manchmal wird mir schlecht, wenn ich mir ausrechne, was wir für laufende Kosten haben. Klar ist jedenfalls: Mein Gehalt reicht für unser Leben nicht aus. Weder so, wie wir jetzt leben, noch, wenn wir einen harten Sparkurs fahren, unser Haus aufgeben und auch unser Auto.

Warum ich euch das jetzt alles so haarklein erzähle? Weil ich ein bisschen Angst vor der Zukunft habe. Diese Fakten bedeuten nämlich für mich, dass ich keine große Wahl habe. Ich muss mir entweder einen Job suchen, der zu Kindergartenzeiten stattfindet (mein Herz blutet, denn darauf wird es wohl hinauslaufen), oder beruflich stark zu reduzieren, und die finanzielle Sorge meinem Mann überlassen oder… Nein, kein oder. Meine regulären Arbeitszeiten beginnen nun mal am Nachmittag und dauern bis in den Abend. Früher arbeitete ich so: Montags, Mittwochs und Donnerstags von 15-21Uhr, Freitags entweder von 5.30Uhr bis 14.00Uhr oder von 14.00Uhr bis 21.00Uhr. Außerdem jedes zweite Wochenende von 9.00Uhr bis ca. 18.00Uhr. Dienstags hatte ich frei. Diese Arbeitsbedingungen erwarten mich auch wieder, wenn meine Elternzeit endet. Und sie sind nicht mit meinem neuen Leben vereinbar, beziehungsweise weiß ich noch nicht, wie. Denn die Mädchen müssen ja betreut werden. Im Moment kommt der Wundermann heim, wenn ich arbeiten muss und übernimmt. Das ist aber nur einmal in der Woche. Öfter geht das nicht, die finanziellen Einbußen sind zu hoch. Denn, seien wir mal ehrlich, der Wundermann verdient sehr viel mehr als ich pro Stunde. Also ist es keine Option, dass er seine Arbeitszeit so drastisch reduziert, denn das können wir uns nicht leisten.

Es fuchst mich ungemein, dass das so ist. Ich würde gern freier entscheiden können und weiter tun, was mir Spaß macht. Aber ich will es wohl nicht genug. Denn sonst würde ich einen bezahlbaren Babysitter finden und los. Aber da sind ja noch meine zwei Mädchen. Ich will Zeit mit ihnen. Und das ist mir wichtiger. Mein jetziger Job und meine Familie sind nicht miteinander zu vereinbaren. Die Kompromisse, die ich machen müsste, sind keine, die ich machen möchte. Also muss eine Jobalternative her. Hach ja. Gnarf.

Elternzeit und die Arbeit

Ich habe einen Job, den ich ganz gern mache. Ich habe mit 19 ein Freiwilliges Soziales Jahr gemacht und es hat mir dort so gut gefallen, dass ich meine Ausbildung in derselben Einrichtung gemacht habe. Anschließend hatte ich unglaubliches Glück und durfte auch als Fachkraft da bleiben. Zwischendurch hatte ich immer Phasen, wo ich die Nase voll hatte, bewarb mich hier und dort und schnupperte rein, aber die Bedingungen waren nie so gut wie in „meiner“ Einrichtung. Also blieb ich.

In der Kinderwunschzeit hat mein Chef mich toll unterstützt, ich bekam frei, wenn es nötig war und er bewahrte Stillschweigen. Trotzdem hatte ich kurz vor meiner Schwangerschaft überhaupt keine Lust mehr. Es war eine anstrengende Zeit und es gab da keine Erfolge, immer nur Niederlagen.

Das war einer der vielen Gründe, weshalb ich mich für drei Jahre Elternzeit entschied. Das tat ich aus vollem Herzen, und ich genoss es sehr erst mal nicht hin zu müssen.

Irgendwann reifte jedoch in mir der Wunsch, wieder ein bisschen am Arbeitsleben teilzuhaben. Ich vermisste ein paar Menschen dort, ich gehörte immer weniger dazu und es nervte mich zunehmend überhaupt kein Geld zu haben, dass nur mir gehört. Also fragte ich im Januar, ob ich, innerhalb meiner Elternzeit, ein bisschen Arbeiten kommen dürfte.

Ich durfte. Wir einigten uns ziemlich schnell auf 20 Stunden im Monat, so dass ich nur einmal in der Woche 5 Stunden arbeiten würde. Mein Chef ist mir da sehr entgegen gekommen, denn normalerweise ist die Mindeststundenzahl von Teilzeit in Elternzeit sehr viel höher (ich glaube mindestens 15 pro Woche? Ich weiß es nicht mehr…) aber mehr als einmal die Woche konnte ich mir nicht vorstellen. Ich musste einen neuen Elternzeitantrag stellen, indem ich meinen Wunsch auf Teilzeit in Elternzeit formulierte, und am Mittwoch war mein erster Arbeitstag, nach fast zwei Jahren.

Da ich im Pflegebereich arbeite, hatte ich sofort nach Bekanntwerden der Schwangerschaft ein Berufsverbot. Daher war ich seit der 6. SSW nicht mehr arbeiten. Vor meinem ersten Tag war ich total nervös, ich hatte Angst viel vergessen und verlernt zu haben. Das hat sich nicht bestätigt, das große Ganze ist noch da. Es fehlen nur kleine Details, die aber ziemlich schnell wieder da waren. Jetzt muss ich mir nur noch einen genauen Überblick über die Medikamente verschaffen und bin dann wieder „voll drin“.

Und wisst ihr was? Das fühlt sich richtig gut an. Ich fahre ganz allein mit lauter Musik zur Arbeit, kann ohne Ablenkung meinen Job machen und bin da nicht „Mutter“, denn so werde ich da nicht wahrgenommen. Ich bin da einfach ich, es gibt keine „Mamathemen“ und alles, was da so dran hängt, und das Beste: Ich kann mich voller Aufmerksamkeit einfach mal einer Sache widmen ohne das mein Hauptaugenmerk bei den Kindern ist. Gespräche und Tätigkeiten Ablenkung. Es ist einfach mal wieder anderer Input, der mich fordert und das tut einfach unglaublich gut.

Für mich war es so die richtige Entscheidung, und ja, ich habe meine Meinung geändert. Und ich bin froh, dass der Wundermann, der während meiner Arbeitszeit die Mädchen betreut, und mein Arbeitgeber meine Meinungsänderung einfach so mittragen. Zu meinen Bedingungen, so dass niemand darunter leiden muss. Es ist also eine Win-Win-Situation für alle.

Wildes Durcheinander

Ich bin nun in der 16. Woche schwanger, heute zähle ich 15+5. Ich dachte, wenn ich schwanger bin habe ich unendlich viel Zeit für Alles, aber ich muss ehrlich zugeben, dass ich noch nicht mal annähernd das schaffe, was ich sonst neben der Arbeit erledigt habe. Es geht mir zwar besser, keine Blutungen und keine Übelkeit mehr, jedoch lasten mich klitzekleine Aufgaben für einen ganzen Tag aus. Wenn ich dann noch ein Freundinnenfrühstück oder -kaffee an einem Tag geplant habe schaffe ich es kaum  noch irgendwie produktiv zu sein. Nachts schlafe ich außerdem sehr schlecht (Vorbereitung auf das was kommt?), so bin ich dauernd müde und das ist nicht gerade förderlich. Wenn ich meine Müdigkeit ignoriere folgt die Strafe auf dem Fuße: Der Bauch zieht dann und zwingt mich so zum Ausruhen. Also passe ich besser auf uns auf und gewöhne mir schon jetzt etwas von meinem „Ich hab´s gern ordentlich und sauber“ ab.

Gerade habe ich so eine Phase, wo ich es schrecklich unwirklich finde, dass Leben in mir wächst. Ja, meinem Bauch kann ich beim Wachsen zusehen und die anderen Wehwehchen habe ich euch bereits beschrieben. Aber ich kann die Wunderwesen noch nicht spüren und ich weiß ja auch noch nicht, ob ich Mädchen, Jungs oder Beides erwarte (das wissen wir dann endlich nächste Woche…). So verrückt es klingt, diese schreckliche Übelkeit und die Blutungen haben es irgendwie realer für mich gemacht. Also befinde ich mich gerade in so einer Art Schwebezustand. Der Wundermann beschäfigt sich schon seit Wochen mit der Namensfrage, ich kann das noch gar nicht so richig. Ob das nächste Woche besser wird, wenn die Wunderwesen sich geoutet haben?

Und da gibt es noch so ein Erlebnis, dass ich teilen möchte. Ich befinde mich in der glücklichen Lage einen sicheren Job zu haben, der außerdem sehr familienfreundlich ist. Der Wundermann ist selbstständig und arbeitet schrecklich viel. Seitdem wir wissen, dass wir Zwillinge erwarten, haben wir trotzdem entschieden, dass ich drei Jahre Elternzeit nehme, denn ich möchte weder meine Zwerge Fremden anvertrauen noch unsere Eltern um Betreuung bitten, damit wir Beide arbeiten können. Ich denke halt, dass unsere Eltern ihre Kinder schon groß gezogen haben und zudem sind sie alle noch berufstätig. Ich könnte zwar am Nachmittag arbeiten, jedoch möchte ich das einfach nicht von ihnen verlangen sondern wünsche mir, dass sie gern auf sie aufpassen, wenn mal Termine oder andere Dinge anstehen. Wir haben ein bisschen hin- und hergerechnet und wir befinden uns in der glücklichen Lage, das finanziell hinzubekommen. Es wird zwar eng und so etwas wie Urlaub wird so lange ausfallen müssen, aber es wird gehen. Wir haben uns diese Entscheidung nicht leicht gemacht, denn schließlich kann es der Wundermannfirma plötzlich nicht mehr so gut gehen und somit gehen wir da ein relativ hohes Risiko ein. Ich glaube aber ganz fest, dass es gehen wird und dass wir glücklich sein dürfen, dass ich meinen Wunderwesen das ermöglichen kann. Ich empfinde das als Luxus und hoffe, dass es die richtige Enscheidung ist. Leider treffen wir in unserem Umfeld dazu nicht auf viel Verständnis, gerade die Menschen, die direkt nach dem ersten Jahr wieder arbeiten gegangen sind kritisieren uns scharf, oder noch schlimmer, unterstellen  uns, dass wir es ja nicht nötig haben, (ja, unser Geld wächst auf Bäumen…), dass ich arbeiten gehe. Das schmerzt mich sehr. Ich habe so lange auf dieses Wunder gewartet und will es schlicht genießen und hoffe, dass es auch gut für die Wunderwesen ist, wenn ich da bin. Natürlich hat eine Fremdbetreuung auch Vorteile und ich habe auch nichts dagegen, wenn Mütter und Väter überhaupt keine Elternzeit nehmen, nur ich will es eben anders und mein Wundermann will es möglich machen. Mein Gehalt wird uns sicherlich fehlen und wir werden gut haushalten müssen. Ich weiß, dass keiner von uns in der Vergangenheit zum Spaß arbeiten gegangen ist und das verdiente Geld eigentlich überflüssig war. Wir hatten früher auch schlechte Zeiten, wo wir kaum über die Runden kamen und daher wissen wir einfach, dass wir es schaffen diese Zeit finanziell zu überbrücken. Und wenn es ganz schlecht läuft, gibt es immer noch den Bausparvertrag, der uns eine Weile retten kann. Schrecklich, wie solche Aussagen mich verletzen und ich es überhaupt nicht verstehen kann, warum gerade die, die Eltern sind, so argumentieren. Ist es Neid? Oder woher kommt das? Manche menschliche Züge werde ich wohl nie verstehen.

(Ich hoffe, ihr könnt mein Gedankenwirrwarr nachvollziehen. Das musste einfach mal raus.)