Heute geht es mal nur um mich.

Das habe ich tatsächlich verlernt, dieses Gefühl für mich selbst. Irgendwo hab ich es verloren, und ich bin mir nicht sicher, wann und wo. Während der Kinderwunschzeit? Während der Kinderwunschbehandlung? Oder während der Schwangerschaft oder vielleicht erst in der Zeit als Mutter? Diese Jahre haben mir so viel abverlangt und das wird mir nun schmerzlich bewusst.

Ich sah nicht mehr oft in den Spiegel, eigentlich nur, wenn es unbedingt erforderlich war. Nicht, weil ich mich bewusst nicht sehen will, sondern einfach, weil es mir nicht mehr wichtig war. Meine Prioritäten lagen anders, sie drehten sich ausschließlich darum, dass es meiner Familie gut geht. 

 Zum ersten Mal wurde mir das am ersten Kindergartentag klar, als ich die Kinder dort das erste Mal allein ließ und ich mit meiner Zeit absolut nichts anzufangen wusste. Ich verbrachte diese Stunde im Auto vorm Kindergarten und es kam mir unendlich lang vor. Ich hatte Angst davor wie es nach der Eingewöhnung werden würde, dann wäre da ja noch mehr Zeit übrig. Was sollte ich damit nur machen? Wie sollte ich das Loch stopfen? 

Zuerst stürzte ich mich auf den Haushalt, räumte, sortierte, trieb die Sanierung voran, tat all die Dinge, die schon lange auf der To-Do-Liste standen. Dann war da wieder dieses Loch, dass mich hilflos und ängstlich machte. Ich vertrödelte meine Zeit dann mit Internet, Serien streamen und essen. Ich wollte nicht spüren, dass etwas nicht stimmt. 

Zunehmend wurde ich unzufriedener, der Mann und ich gerieten immer öfter aneinander, ich aß und aß, kümmerte mich um alle Belanglosigkeiten und strampelte von diesem Loch weg. Aber es holte mich wieder und wieder ein. Ich verlor die Geduld mit den Kindern, ich wollte nur meine Ruhe, allein sein, vor mich hindämmern. 

Ich weiß nicht genau, was geschah, damit ich erkannte, dass es so nicht weiter geht. Vielleicht ein Streit mit dem Mann? Der Schock auf der Waage? Die Kinder, die mich nicht mehr zum Spielen holten, sobald irgendjemand anderes greifbar war? Irgendetwas geschah und ich erkannte, dass es so nicht weiter gehen kann. Und vor allem gestand ich mir zu, zu erkennen, wieviel die letzten Jahre von mir gefordert haben und dass ich müde bin. Ich bin so erschöpft von meinem Leben. 

Mein Mann riet mir, mir Hilfe zu suchen. Stecke ich in einem Burn Out? In einer Depression? Oder ist da einfach zu viel, dass ich nicht aufgearbeitet habe? Aber Hilfe suchen ist gar nicht so leicht, die Wartezeiten auf einen Therapieplatz sind gigantisch. Also versuche ich diese Wartezeit gut zu überbrücken. 

Seit Jahren kümmere ich mich mal wieder um mich selbst. Darum, was ich esse. Darum, wie ich aussehe und darum, wie es mir geht. Ich frage mich, was mir gut tut. Ich treibe wieder Sport. Und ich gönne mir Auszeiten. 

Da liegt noch ein langer Weg vor mir. Aber die ersten Schritte gehe ich nun. Und erzähle euch davon, denn auch das tut gut. Immer mal wieder wird es hier also nur um mich gehen. Nur um mich. Denn irgendwo muss ich mich ja wiederfinden. Nur wo? 

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4 Kommentare zu “Heute geht es mal nur um mich.

  1. Sehr mutig … danke … kann ich gerade SEHR nachvollziehen … auch wenn bei mir die Waage eher in die andere Richtung zeigt … so bin ich auch … einfach nur kaputt … aber wir werden es alle wieder schaffen … wieder nach oben … ausgeschlafen, geschminkt und in netten Klamotten den Zwillingen beim Spielen zusehen … mit einem Kaffee (oder Tee, wer lieber mag) … einfach nur geniessen …

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