Ein ganz normaler Wutzwergtag, Teil 2

(Teil 1 findet ihr hier.)

Es ist Mittag, ich hole die Kinder wieder ab. Da es nicht regnet, spielen die Kinder draußen. M. beachtet mich nicht, sie will noch schaukeln, A. läuft in meine Arme und freut sich. Wir gehen zu M., ich sage ihr, dass ich mit A. zum Umziehen gehe und frage, ob sie mit will. Ich bekomme keine Antwort, also gehe ich mit A. rein. Wir suchen Trinkflaschen und Kuscheltiere und packen alles ein. Dann beginne ich A. die Stiefel und die Matschhose auszuziehen, die Sachen bleiben im Kindergarten. Da bringt eine Erzieherin eine völlig aufgelöste M. mit den Worten „Da ist Mama doch.“ Gut, dass sie eben mein „Gespräch“ mit M. gehört hat, sonst würde ich mich nun sehr rabenmütterlich fühlen. 

M. braucht Trost, und natürlich ruft A. nun: „Ich muss P.ipi!“. Also folge ich dem Kind zur Toi.lette, M. tragend, die noch immer schluchzt. Ich muss das schluchzende Kind nun absetzen, denn A. ist noch nicht groß genug um auf die kleinen Kindergartentoiletten zu kommen, sie braucht also Hilfe. M. liegt nun weinend auf dem Boden (Igitt!) und schreit „Arm nehmen, Arm nehmen!“. Sie ist müde und braucht Nähe, aber A. braucht Hilfe beim Abwischen, anziehen und Händewaschen. 
Ich schwitze und versuche so viel wie möglich mit M. auf dem Arm zu schaffen. Nun muss ich M. noch umziehen, die sich aber vor lauter Müdigkeit nicht entscheiden kann, ob ich helfen darf oder nicht. Also ist Beides falsch. Nun hilft eigentlich nur kuscheln, aber zuerst müssen wir irgendwie nach Hause. 

Beide sind müde, ich trage also beide Kleinkinder, Kuscheltiere und Rucksäcke zum Auto. Beide weinen, als ich sie absetze um das Auto aufzumachen. Irgendwie bugsiere ich die müden Kinder ins Auto und wir machen uns auf den Weg. 

Ich möchte nicht, dass die Kinder im Auto einschlafen, denn dann eskaliert zu Hause die Situation. Also singe ich mit ihnen, damit sie wach bleiben. Gerade sind das gerne St. Martin und das Schlangenlied, dass wir aus dem Musikgarten kennen. Das muss ich schon seit Januar vorsingen. Und einhändig während des Fahrens entsprechende Bewegungen andeuten. 

Zu Hause angekommen will ich M. aus ihrem Sitz holen, so wie immer. Sie schreit „Nich Hause!“. Höh? M. ist doch sonst auch total unflexibel und braucht den immer gleichen Ablauf? Wir fahren nach dem Kindergarten doch immer nach Hause? Heute ist das aber nicht richtig. Das Kind will in die Stadt zum Eis essen fahren. Das haben wir in ihrem Leben vielleicht drei Mal gemacht, aber noch nie zum Mittagessen. Wie sie wohl auf die Idee kommt? Naja, ist jetzt auch egal. Gerade will sie das so und ich muss sie trotzdem irgendwie dazu bewegen, ins Haus zu gehen. 

Ich hole nun also zuerst A., wohlwissend, dass das die nächste Katastrophe auslöst. Denn heute darf A. die Tür aufschließen und für M. bleibt das Klingeln. Das findet M. ziemlich blöd. Nun ist A.’s Geduld aber auch zu Ende. Sie ist müde und will, dass ich ihr helfe. Dieses „liebevoll durch die Wutanfälle helfen, da sein und abwarten“ passt (oft) nicht in unsere Realität. Beide sind müde und irgendwie muss ich die Bedürfnisse beider unter einen Hut bekommen. Ich schnappe mir also M und trage das sich windende Bündel ins Haus. Drinnen angekommen hat das Toben nachgelassen. Ich kann Beiden helfen sich auszuziehen, und dirigiere sie zum Essen an den Tisch. 

Das Essen verläuft heute überraschend ruhig, kein Gemotze. Es gibt aber auch Nudeln, ein Gericht von gefühlt Dreien, dass gerade überhaupt in Frage kommt. 

Nächster Programmpunkt Wickeln: Beide sind müde, beide möchten zuerst, beide wollen nicht mehr los gelassen werden, bis sie im Bett sind. Tja. Nur so viel: Es wird laut, sehr laut, bis wir endlich im Bett sitzen und jedem Kind das ausgesuchte Buch vorlesen. 

Ich hab sie den ganzen Morgen vermisst. Es wäre so schön, wenn ich die Zeit mit ihnen schöner verbringen könnte. Man malt sich das ja immer so idyllisch aus. 

Ist es hier gerade aber nicht. Es gibt immer wieder wunderschöne idyllische Momente, manchmal auch Stunden. Aber gerade kostet diese Autonomiephase unglaublich viel Kraft. 
 

In Teil 3 erzähle ich euch von einem idyllischen Nachmittag. 

Kerstin von chaoshoch2 erzählt hier von ihrem Alltag mit Zwillingen und Baby. 

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6 Kommentare zu “Ein ganz normaler Wutzwergtag, Teil 2

    • Liebe Manja, ja, ist es und wir machen das einmal in der Woche. Aber A. schläft dort nicht und M. nur wenig, also sind beide müde, wenn ich sie abhole. Der Nachmittag ist dann eher zäh. Also ist das bislang keine Lösung für uns, leider.

      Liebe Grüße, Emma

  1. Sehr schön geschrieben. Und sehr Realitätsnah, wenn man selbst tobende Kleinkinder kennt! Und auch hier gilt wieder: es wird auch wieder anders 🙂 ich fand unsere beiden ab 2 auch furchtbar anstrengend und mich hat es enorm angestrengt immer den gleichen Ablauf zu wahren. Heute sind sie 3 Jahre alt und die Machtkämpfe wurden weniger. Auch die Trotzanfälle. Früher fast täglich und unendlich lange, heute auch mal ne ganze Woche gar nicht und wenn, dann leichter wieder in Griff zu bekommen. Ich würde fats behaupten, seit unser Junge sich dem Mädchen „unterworfen“ hat, wurde es besser. Er gibt lieber nach, anstatt zu streiten. Eine deutliche Besserung kam, als unser Mädchen endlich auch lange Sätze und Geschichten bilden konnte. Jetzt sagt sie sehr oft was sie stört und brüllt nicht mehr nur rum…. Vertraue – die schönen Tage werden sich häufen 😉

  2. Kannst du sie nächstes mal evtl gleich ins Bett bringen? Bei uns geht Mittagessen auch nie gut bzw ist sie danach noch kaputter. Ich hole sie ab und im Auto sagt sie schon mama bitte heim Heia und so muss ich sie vom Auto schon mit hoch begleiten und schlafen legen

  3. Ich finde du machst das gut! Auch wenn ich aus Zwillingssicht nicht mitsprechen kann, aber bei zwei Kindern unterschiedlichen Alters und soviel anders ist es an manchen Tagen auch nicht bei uns. Gut, die Bedürfnisse sind anderswo. Manchmal sind sie aber auch gleich und dann ist es schwer mit zwei Kindern gleichzeitig zu kuscheln, während die kleine brüllt „nain! MEINE MAMA!“ Aber irgendwie läuft es. :-*

  4. Pingback: Zwei Zweijährige sind (nicht immer) Chaos pur « Chaos² – Familienwahnsinn im Doppelpack

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