Ein ganz normaler Wutzwergtag, Teil 1

Es ist 6.30Uhr, mein Wecker klingelt. Ich schleiche mich aus dem Bett, um Frühstück und Brotdosen vorzubereiten und mich tagfein zu machen. Während ich den Tisch decke, kommt A. hereingetapst. Sie reibt sich verschlafen die Augen, und dann erkennt sie, dass ich ihr nicht die richtige Tasse hingestellt habe. Sie weint und ist untröstlich. Davon wird M. wach. Sie ruft nach mir, aber ich bin nicht schnell genug. Sie will, anders als A. noch immer im Schlafsack schlafen und kann sich das Modell, dass sie heute trägt, nicht allein ausziehen und somit auch nicht allein aufstehen. Sie wälzt sich wütend durchs Bett, trampelt, schreit. Es dauert 10min, bis beide Kinder bereit sind zum Frühstückstisch zu gehen. Endlich sitzen wir alle. Ich befülle die Müslischalen, M.’s Augen weiten sich, sie lässt sich vom Stuhl rutschen und tobt. Ich habe die Schalen in der falschen Reihenfolge befüllt. Ich brauche eine gefühlte Ewigkeit, das herauszufinden und das Problem zu lösen. Wenigstens können wir nun zu Ende frühstücken ohne weitere Zwischenfälle. 

Wir begeben uns zum Wickeltisch. Schlafanzug und Nachtwindel aus und je nach Kind und Laune eine neue Windel an oder eben nicht. M. zieht den Rest der Kleidung für gewöhnlich selbst auf dem Fußboden an, also lege ihr die vorbereitete Kleidung griffbereit und widme mich dann ihrer Schwester. Als ich A. gerade ausgezogen habe, trifft mich ein Sockenpaar im Rücken. Ich drehe mich um und ein kleines, wütendes Kind blitzt mich an und verlangt Punktesocken. Die sind aber in der Wäsche, was M. dazu bringt auch den Rest der Kleidung um sich zu werfen und zu schreien. Sie ist nicht zugänglich, also lasse ich sie toben und widme mich A. 

A. will sich nicht selbst anziehen, also tue ich das, ständig durch das Gebrüll hinter mir begleitet. M. lässt immer noch nicht mit sich reden. Also gehe ich mit A. zwei Schritte weiter ins Bad zum Zähne putzen, Gesicht und Hände waschen und Haare kämmen. Manchmal versuche ich noch, eine ordentliche Frisur zu zaubern, heute reicht A.’s Geduld dafür aber nicht aus. M. hat sich mittlerweile beruhigt und hat damit begonnen, sich anzuziehen. Weil sie noch nicht fertig ist, will ich mir schon mal die Zähne putzen. A. sieht das und schimpft, weil sie glaubt, M. käme um das Zähne putzen drum herum. „A. auch Sahn putzt. A. auch gewascht.“ schluchzt es untröstlich. Meine Erklärung, dass M. das auch müsse, wenn sie angezogen ist, verhallen ungehört. Ich seufze tief, trete vor meinem inneren Auge gegen die Wäschetonne und gebe auf. Ich beginne mir die Zähne zu putzen. A. hat derweil beschlossen, dass eine ungewaschene M. keine Option ist und zerrt sie an den Haaren Richtung Waschbecken. Ich muss die Kinder mit Zahncreme im Mund trennen, voneinander fern halten und gleichzeitig trösten. Zahncreme tropft auf meinen Pullover. Ich möchte irgendwo reinbeißen, seufze aber nur. Die Kinder haben sich endlich beruhigt. Ich kann M. dazu bewegen,sich zu Ende anzuziehen und bitte A. ihre Jacke, Schal, Mütze und Schuhe zu holen. Das beschäftigt sie, bis ich M. gewaschen habe.

Als wir dazu kommen, hat A. sich bereits fertig angezogen und kämpft noch mit dem Reißverschluss. Ich bitte M. auch ihre Sachen zusammen zu suchen, damit ich mich auch anziehen kann. 

M. findet in der Schublade einen Sternchenschal, A. trägt gerade die dazugehörige Mütze. M. will die Mütze, sie weint, schreit und wälzt sich. Sternchenschal und Sternchenmützegehören zusammen, so geht das doch nicht! A. will nicht tauschen, also lässt sich die Situation nicht auflösen. M. zieht weder ihre Schuhe, noch Schal, Mütze oder Jacke an und lässt es mich auch nicht tun. Sie tobt und tobt. A. beobachtet mit großen Augen, was M. noch wütender macht. Ich schicke A. los sich eine Tasche mit Spielzeug zu packen und setze mich zu M. auf den Boden. Sie hört nicht auf, reagiert auf keine Ansprache. Ich sehe auf die Uhr, es sind bereits 15min vergangen. 

A. kommt mit ihrer gepackten Tasche. Ich beschließe, die Morgenroutine fortzusetzen. A. und ich räumen alles für den Kindergarten ins Auto, sie klettert in ihren Sitz, ich schnalle sie an. M. ist mittlerweile still, will aber noch immer die Sternchenmütze und lässt sich nicht anziehen. Ich erkläre, dass ich sie dann so mit zum Kindergarten nehme. 

5min später sitzt eine sehr erstaunte M. in ihrem Sitz. Ohne Schuhe, Schal, Jacke, Mütze, die ich natürlich im Kofferrraum verstaut habe. Und ihre Puppe, die sie sonst mitnimmt, blieb auch zu Hause. Wir fahren los. Es tönt von der Rückbank „Tip Tap!“, ein Liederwunsch der mich fast weinen lässt, weil ich es nicht mehr hören kann. 

Kennt ihr es? Wenn nicht, lasst es nie eure Kinder hören. Sie werden euch damit foltern. 

Zum Kindergarten dauert es fünf Mal „Tip Tap“. Jedes Mal, wenn die letzten Klänge ertönen, schallt es doppelt „Noch mal!“ von hinten. Sie summen, singen und klatschen mit. Ich kneife die Ohren zu, solange sie zufrieden sind. Auf dem Parkplatz angekommen mache ich das Auto aus. Beide Kinder rasten aus, weil das Lied noch nicht zu Ende war. 

Ich bin am Ende meiner Geduld, steige wortlos aus, hole die Kinder aus ihren Sitzen, die immer noch toben, hole die Sachen aus dem Kofferraum und dirigiere die Damen Richtung Kindergarten. 

Als wir endlich drin sind, empfängt uns eine Erzieherin und fragt, was los ist. A. stampft auf den Boden und sagt: „Witterlaune!“ (Gewitterlaune, es gibt da so ein herrliches Pixibuch, dass von Pünktchen mit Gewitterlaune erzählt. Ist hier ein Renner!). 

Damit hat sie den Morgen ganz gut zusammen gefasst. 

Uff. 

(Teil 2, der erzählt, wie wir die 1,5 Stunden Mittagszeit miteinander  verbringen, bis sie schlafen, folgt bald. Außerdem wird die Kerstin von chaoshoch2 bald von ihrem Alltag mit ihren Wutzwergen berichten. Sie hat allerdings noch schwierigere Bedingungen, den sie hat noch ein kleines Baby. Seid gespannt! Mag noch jemand?)

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20 Kommentare zu “Ein ganz normaler Wutzwergtag, Teil 1

  1. Herrlich .. ich lache und weine zugleich! GENAUSO ist es eine Zwillingsmami zu sein. Zum Glück nicht immer 😉 Bei uns ist wieder etwas Ruhe eingekehrt … bis zum nächsten Sturm 😛

  2. Toll beschrieben 🙂 Wir stehen noch am Anfang, aber unser kleiner Mann hat mit 10 Monaten begonnen zu toben und tut das in den letzten 6 Monaten täglich mehrmals. Je nach Laune nur 4 Mal oder gegen 20 Mal. Bisher war ich froh, dass wenigstens seine Zwillingsschwester kooperativ war. Aber natürlich hat sie das toben nun auch gelernt – Von wem wohl? 😉 Das Gefühl morgens um 07:00 keine Nerven zu haben kenne ich – Aber wohl noch nicht in Deiner Intensität – Hut ab!

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