Die Kehrseite der Medaille

Sie sind eingewöhnt. Es lief völlig glatt, sie gehen gern drei Stunden am Tag in den Kindergarten und freuen sich drauf. So weit so gut. 

Aber. 

Zu Hause sind sie unerträglich. Sie jammern, weinen, streiten, toben. Sie sind nicht für eine einzige Minute friedlich und zufrieden. 

SIE TREIBEN MICH IN DEN WAHNSINN.

Sie fehlen mir morgens. Und nachmittags hoffe ich, dass bald Schlafenszeit ist. Das fühlt sich sehr rabenmütterlich an, ist aber eben das, was ich empfinde. Ich kann gar nicht in Worte fassen, wie sehr mich das anstrengt. Manchmal bin ich zum Trösten nicht mehr in der Lage, weil ich so genervt bin. 

Sie haben überhaupt keine Geduld mehr. Sie schreien schon beim ersten Anflug ihres Wunsches los, ohne gesagt zu haben, was sie wollen. Sie kreischen, wälzen sich auf dem Boden, werfen Dinge. Und wenn Eine endlich zufrieden ist, weil ich erraten habe, was das Problem ist, legt die Andere los.

Uff. 

Manchmal könnte ich mitheulen. 

Ich weiß, dass das normal ist. Kindergarteneingewöhnung eben, zusätzlich zum Alter.

Anstrengend ist es trotzdem. 

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(Nachgereicht:) Ein besonderes Wochenende

liegt hinter uns. Wir waren in Nordirland, begleitet von vielen kleineren und größeren Katastrophen und sind seit Montag wieder zurück zu Hause.

Freitag Morgen starteten wir mit einer erkälteten M., die auch leichtes Fieber hatte. Aber es half ja nichts. Sie bekam Medikamente und los ging es zum Flughafen, der 1,5 Autostunden von uns entfernt ist. Dort haben wir unser Auto an einen Parkservice abgegeben, die beste Idee, die wir haben konnten. Alles war hektisch, Kinder raus, Koffer raus, Vertrag unterschreiben… So hektisch, dass ich mein Handy im Auto liegen ließ und es erst merkte, als der Wagen längst weg war. Seufz. Zuerst hatte ich Angst, es sei gestohlen worden, aber ein Anruf beim Parkservice und ein späterer Rückruf ergab, dass es im Auto lag und sie es für mich verwahren würden. Uff.

Check In verlief ohne Probeme, anschließend brachen wir gleich zum Gate auf. Dort durften die Kinder noch toben, bis endlich das Boarding startete. Familien mit kleinen Kindern durften zuerst ins Flugzeug, das war echt gut.

Der Start verlief ohne Probleme, die Kinder flogen wie die Profis. Wir hatten einen Flug voller Turbulenzen, das war ja gar nichts für den Papa, der mit Flugangst unterwegs ist. Wegen der Kinder riss er sich aber gut zusammen, beschloss jedoch, dass er nach dem Rückflug sehr lange nicht fliegen würde.

Endlich landeten wir in Dublin (Belfast liegt sehr viel näher am Wohnort seiner Schwester, bezahlbare Flüge dorthin waren aber nicht aufzutreiben), eroberten unsere Koffer und machten uns auf den Weg unseren Leihwagen abzuholen. Und trotz vorreserviertem Auto bekamen wir a) ein völlig Anderes als das Bestellte und b) dauerte es 1,5 Stunden, bis wir ENDLICH drin saßen. Das Warten mit müden, hungrigen Kleinkindern inmitten anderer müder, wartenden Reisender war echt anstrengend. Kaum im Auto schliefen die Damen und so schafften wir es flüssig bis Belfast. Dann erwachten die Zwei gleichzeitig und hatten HUNGER, und zwar sofort. Ich schäme mich ein klitzekleines Bisschen, aber unsere erste Mahlzeit auf irischem Boden war beim goldenen M. Das mit der Bestellung lief so mittelgut, im Groben bekamen wir, was wir bestellten, nur viel mehr, als wir wollten. Ich bekam zum Beispiel 3x Cola statt einmal. Und das Englisch meines Gegenübers verstand ich exakt gar nicht.

Von Belfast aus war es nicht mehr weit zu meiner Schwester. Nach 12 Stunden Reisezeit waren wir endlich angekommen. Die Kinder haben die Strapazen erstaunlich gut mitgemacht. Und am Ziel war es traumhaft schön. Direkt am Meer, herrlich!

Die Kinder sammelten bereits am ersten Abend fleißig Steine und Muscheln, um sie anschließend wieder ins Meer zu werfen. Sie freuten sich über alles und fühlten sich wohl.

Am Samstag machten wir einen Ausflug zum Giants Causeway. Ein typisches Touriziel, und wir mittendrin. M. war allerdings gar nicht gut auf unsere Pläne zu sprechen. Sie hatte dort einen Wutanfall nach dem Anderen und da wir ohne Kinderwagen unterwegs waren, musste ich das wütende Kind bei brütender Hitze schleppen. Uff. Ich schätze, da muss ich noch mal hin, in Ruhe, damit ich es genießen kann.

Sonntag ließen wir es ruhig angehen. Ein bisschen spazieren, Spielplatz am Meer… Das entsprach mehr den Wünschen der Kinder und war ein angenehmer Tag.

Montags hieß es schon Abschied nehmen, und bis auf die Tatsache, dass unsere Rückflug Verspätung hatte und die Kinder völlig übermüdet am Gate tobten, verlief der Rückflug ruhig. Eine nette Mitreisende schaffte es vorm Boarding, die Damen und die der Verzweiflung nahen Eltern zum Lächeln zu bringen. Sie malte Ihnen mit Kugelschreiber Bilder auf die Hände, die sie Beschäftigten, bis wir ENDLICH im Flugzeug saßen. Die Kinder schliefen noch vorm Flug und wachten erst in Düsseldorf wieder auf. Herrlich!

Das Wochenende war ein wilder Ritt, anstrengend und wunderwunderschön. (Nord-)Irland, wir kommen mal wieder. Bestimmt!

Kindergarten: Die Eingewöhnung

Am Donnerstag begann ein neuer Lebensabschnitt für uns. Meine Mädchen sind nun Kindergartenkinder. 

  
Ich brachte sie Donnerstag um neun in den Kindergarten. Zuerst waren sie sehr anhänglich, also blieb ich. Dann war Frühstückszeit. Diese Gelegenheit nutzte ich, um die vielen Sachen, die ich für die Kinder mitbringen musste (Turnsachen, Windeln, Feuchttücher, Gummistiefel, Matschhosen etc.) an die dafür vorgesehenen Plätze zu verteilen. Anschließend blieb ich eine Weile im Flur, bis die Brotdosen zurück in die Rucksäcke gebracht wurden. Da fragte ich die Kinder, ob ich weg fahren darf und sie sagten schlicht: „Tschüss!“. Mit den Erzieherinnen sprach ich ab, dass ich um elf wieder da sein würde, also eine Stunde später, außer, sie würden mich anrufen. (Sie riefen nicht an.) 

Zum ersten Mal seit sehr langer Zeit war ich allein. Ich meine so richtig allein. Natürlich war ich schon öfter ohne die Kinder. Aber nur, um mit anderen Menschen zusammen zu sein. Freunde besuchen, arbeiten, zum Arzt gehen. So richtig allein war ich seit der Geburt der Kinder nicht mehr. Sehr ungewohnt war das, ich landete nach einem kurzen Ausflug zwanzig Minuten vor der Zeit wieder vor dem Kindergarten und wartete im Auto. 

Die Kinder haben das toll gemacht. Sie fragten zwischendurch nach mir, waren aber mit „Mama kommt gleich wieder.“ zufrieden. Als ich zurück kam, spielten sie friedlich, A. winkte mir von Weitem zu (sie war sehr beschäftigt mit Rutschen), M. begrüßte mich kurz und ging dann wieder im Sand spielen. Es dauerte 30Minuten, sie ins Auto zu überreden. 

Nachmittags sprachen wir viel über den Kindergarten. Ich erzählte wieder und wieder, dass sie am nächsten Tag wieder dort hingehen würden und ich auch wieder weg fahren würde. 

Freitags hatte ich Zweifel, ob das ein guter Tag werden würde. Ich musste beide mühsam wecken, sie waren sehr müde und wollten nicht aufstehen. Mühsam bekam ich sie pünktlich in den Kindergarten. A. wollte zuerst nicht von meinem Schoß. Aber als die Erzieherin ein spannendes Puzzle aus dem Hut zauberte, waren Beide so beschäftigt, dass sie mir nur unwillig zuwinkten, als ich mich verabschiedete. An diesem Tag blieben sie zwei Stunden allein. A. fiel hin, ließ sich aber auch problemlos dort trösten. 

Heute war Tag drei. Ich brachte sie hin, sprach kurz mit einer Erzieherin und einer anderen Mutter, verabschiedete mich und sollte erst um viertel nach elf wieder da sein. Sie waren sehr müde, aber glücklich, als ich sie abholte. Und sie nach Hause zu überreden ist echt harte Arbeit. 

  
Die Freiheit winkt, Zeit zum Durchschnaufen naht. Beides habe ich verdammt nötig. 

Ein neuer Lebensabschnitt beginnt. 

Symbolbild

  
A. geht es gut, wir sind seit Samstag wieder zu Hause. Wir erledigen gerade die letzten Kindergartenvorbereitungen, sind auf der Suche nach einem neuen Auto und ich stehe ein bisschen ohnmächtig vor dem Chaos, dass die Irlandreise mit anschließendem Krankenhausaufenthalt so mit sich bringt. Zu allem Überfluss ist auch noch der Trockner kaputt. Ich bräuchte so viel Zeit, um hier wieder Ordnung ins Chaos zu bringen, dass ich keine Lust habe irgendwo anzufangen. Das kennt ihr sicher, oder? 
(Noch zwei Mal schlafen bis Kindergarten.) 

(Und warum die Autokorrektur aus „schlafen“ „Schusswaffen“ machen will, weiß ich auch nicht.)