Über Autonomiephasen und eine Mutter, die trotzdem dankbar ist.

M. ist wütend. Weil ich nicht sofort reagiere. Weil ich nicht sofort verstehe. Weil ich zur Toilette muss. Weil der Hund zu meinen Füßen liegt. Weil das Puzzleteil, dass sie geworfen hat, unter das Sofa gefallen ist und sie es nicht selbst holen kann. Weil ich ihre Schwester wickeln/anziehen/trösten muss. Weil ich ihr verbiete, ihre Schwester im Vorbeigehen an den Haaren zu ziehen/zu schubsen oder zu hauen. Weil ich nicht das richtige Essen gekocht habe. Weil sie lange geschlafen hat und den Papa verpasst hat. Weil sie früh aufgestanden ist und der Papa noch da ist. Weil der Papa irgendetwas für Sie tun möchte. Weil.., ach, das lässt sich endlos fortsetzen. Sie ist ein sehr wütendes Kind gerade. Sie weint, schreit, schlägt um sich, wirft sich auf den Boden und das tut sie andauernd, gefühlt hunderte Male am Tag.

Neuerdings erstreckt es sich auf die Nacht. Als die Mädchen krank waren, hatten sie einen unglaublich hohen Flüssigkeitsbedarf. A. trank gut und gerne, zusätzlich zum normalen Pensum, 500ml Wasser am Tag (sie ist ja schon seit Monaten abgestillt), M. drei Flaschen Pre à 240ml plus Stillen. Sie verlangte nach „Miiiich“ (Milch) und die bekam sie auch. Schließlich war ich dankbar, dass sie überhaupt etwas zu sich nahm.

Während A. nachts nun wieder durchschläft (das tut sie ganz von allein, schon sehr lange) und ihren Nahrungs- und Flüssigkeitsbedarf tagsüber abdeckt, verlangt M. weiter „Miiiiich!“. Ich will die Menge in der Nacht reduzieren, zu oft schlafe ich mit dem Fläschchen in der Hand ein und in einem Milchsee auf, außerdem glaube ich, dass es nur eine liebe Gewohnheit geworden ist. 720ml Premilch müssen nachts nun wirklich nicht sein. Aber M. tobt. Schreit sich in Rage. Nimmt kein Wasser und lässt sich nicht beruhigen. Und das, obwohl ich ihr die Milch bislang nicht verweigere, sondern erst frage, was sie will. Nun werde ich es nach Gordon versuchen, auch wenn es auch ums Fläschchen geht und nicht nur ums Stillen.

M.’s Wut ist anstrengend. Sie rebelliert gerade wirklich gegen alles. Das macht mich manchmal auch wütend und kostet vor allem Nerven.

Warum ich trotzdem dankbar bin? Die Nachbarn wohnen weit weg und ich muss mir keine Gedanken um Ruhestörung machen. Und A. ist ein kleiner Sonnenschein. Ich bin so dankbar, dass sie sich bei solchen Phasen abwechseln und ich das nie mit zwei Kindern auf einmal bewältigen muss.

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12 Kommentare zu “Über Autonomiephasen und eine Mutter, die trotzdem dankbar ist.

  1. ich glaub echt dieses „du kannst mir gar nichts recht machen, weil ich eigentlich gar nicht weiss, was ich will und alles ist sowieso doof und nein und wäääääääääääääääääääääääääääh!“ kommt in wellen. eigentlich dachte ich, wir wären erst mal durch damit, aber gestern abend gings laut mann wohl wieder los….
    da kann man echt dankbar sein, dass nicht beide gleichzeitig so ne welle haben 😉

  2. Also das mit der Milch in der Nacht, habe / Hatte ich mit meinem Sohn in der Nacht auch, in dem Alter hat er auch derart viel verlangt. Habe alles mögliche versucht, die Milch auszudünnen, die Menge zu reduzieren oder auf 1er Milch zu wechseln, und wie soll es anders sein, nichts hat funktioniert. Wenn ich sie ausgedünnt oder 1 er Milch gegeben habe, hat er sie verweigert, wenn ich weniger gegeben habe, hat er noch öfter nach der Milch verlangt, nichts hat geholfen. Und siehe da es wurde von ganz allein weniger. Heute, er ist jetzt 2 1/2 ist es noch eine Milch in der Nacht, in guten Nächten auch mal keine, so etwa 2 von 10. Aber ehrlich gesagt, hatte ich einfach irgendwann keinen Nerv mehr für die nächtlichen Wutanfälle, daher bin ich einfach den Weg des geringsten Wiederstands gegangen. Daher bekommt er seine Milch, wenn er krank ist können es auch gerne mal 3 oder 4 sein, aber das ist mir egal, was ich aber gemacht habe ist, dass ich ihm angewöhnt habe, dass er die Flasche hält, sprich ich gebe sie ihm in die Hand und er trinkt sie und stellt sie dann auch weg, also in die Ecke seines Bettes, damit können wir alle besser leben. Wünsche Dir ganz viel Kraft und Nerven:-)

  3. Uff, nächtliche Wutanfälle. Ihr Armen. Mir reichen schon die tagsüber. Heute z.B. weil ich es gewagt habe, mein Nacht-T-Shirt auszuziehen, nahtlos übergehend in weil ich es dann auch noch gewagt habe, mir wieder was anzuziehen anstatt obenrum nackelig rum zu laufen. An-, Aus-, und Umziehen ist generell eh ein Reizthema bei unserem Zwerg – aber dass sich das heute auch auf mich erstreckte, war neu.
    Ich wünsche Dir gute Nerven und dass die beiden Wundermädels nie nie nie gleichzeitig so eine Phase haben!

  4. Sie erinnert mich an das Julimädchen. Die ist nämlich auch wirklich schnell wütend, hatte immer wieder solche sehr anstrengenden Phasen und wir müssen seeeehr viel Geduld haben. Aktuell wünsche ich mir auch wieder keine Nachbarn zu haben…

    • Das glaube ich. Ich weiß noch, wie unwohl ich mich in der Ferienwohnung gefühlt habe, wenn die Kinder mal laut waren. So ein Wutzwerg kann einen ganz schön ins Schwitzen bringen, auch ohne Nachbarn. -.-

  5. Liebe Emma,
    Meine Emma ist genauso und sogar noch schlimmer. Denn jetzt mit 4,5 Jahren versteht sie nicht nur mehr sondern kann sich auch gut ausdrücken. Das bedeutet, dass es nicht nur ihre Wutanfälle sind, die mich belasten, sondern gezielte Provokationen, bestimmte Äußerungen, die noch dazu kommen. Gerade sind wir wieder in so einer Phase und es ist hart. Und Max als ihr Zwillingsbruder ist einfach nur ein Engel. Schon immer. So unterschiedlich können Zwillinge sein, es ist kaum zu glauben. Eigentlich hat jedes Problem mit Emma zu tun, über Max denke ich kaum nach, es ist alles so easy mit ihm.
    Nun ja, das ist wohl oft (immer?) so, 1 Zwilling ist brav und ruhig, der andere emotional und rebellisch.
    Zum Glück ist das so, sonst würde ich durchdrehen 🙂
    Ich wünsch dir viel Kraft!

  6. Ich habe jetzt ein paar deiner Artikel gelesen. Deine Kinder haben zwei sehr unterschiedliche Charaktere (ach was). Ich bin sehr froh und beruhigt das zu lesen. Bei meinen Kindern ist es genauso. Nur, dass der eine (der wütende) mittlerweile dreieinhalb Jahre alt ist (und sich langsam wieder beruhigt hat) und die andere (die etwas zurückhaltendere) erst 1 Jahr. Das macht es ein bisschen einfacher. Ich wünsche dir starke Nerven und für jeden Tag auch ein ruhiges Päuschen für dich!
    Liebe Grüße,
    Kathrin

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