„Ich muss mir etwas Gutes tun.“

Ich habe noch nie so ungesund gelebt wie jetzt und ich war auch noch nie so unglücklich mit mir selbst wie jetzt.

Es ist ein Teufelskreis und ich finde nicht heraus. Die Wahrheit ist: Gerade geht es mir nicht sehr gut. Ich habe zu wenig Zeit für Schlaf, die Kinder, meinen Mann, den Haushalt, die Arbeit, den Haustieren, der Familie, Freunde, für mich.

Ich bin einfach nie genug. Besser kann ich es nicht sagen. Und weil ich nie genug bin, bin ich manchmal wirklich einsam. Ich bekomme nicht mehr mit, was Freunde gerade bewegt. Die Frau meines liebsten Kollegen starb nach langer Krankheit und ich wusste noch nicht einmal, dass sie krank war. Weil mir Zeit fehlt. Zum Nachfragen, zuhören, kümmern. Ich schäme mich deswegen schrecklich.

Freunde gingen verloren, viele fühlen sich weit entfernt an, weil man sich aus den Augen verloren hat, weil man nicht weiß, was gerade im Leben des Anderen wichtig ist. Ich igel mich ein, weil ich nicht genug Energie habe, für Andere da zu sein.

Dauernd bin ich müde, die Nächte fressen mich auf. Ich bin längst über meine Grenzen hinaus und weiß nicht wie lange ich das noch durchhalte.

Das alles führt dazu, dass ich mir immer „etwas Gutes tun“ will. Die Nacht war anstrengend? Ich brauche ein Stück Schokolade. (Ein Stück? Naja. Wie groß das ist, habe ich ja nicht gesagt.) Die Kinder sind anstrengend? Erst mal ein Bonbon essen. Ich bin müde? Erst mal ne Cola. Die Kinder spielen angeregt im Flur? Schnell etwas in den Mund stecken, solange sie es nicht sehen.

Das ist er, der Teufelskreis. Und ich finde nicht heraus. Ich weiß sehr gut, dass selfcare wichtig ist und dass ich mich mit besserer Ernährung besser fühlen werde. Natürlich löst das nicht alle Probleme, aber es wäre ein Anfang. Vielleicht wäre ich weniger ausgelaugt, vielleicht hätte ich mehr Energie. Vielleicht. Vielleicht muss ich auch einfach ein paar Tage lang schlafen. Vielleicht, vielleicht, vielleicht.

Ich bin so müde. Ich muss mir endlich etwas Gutes tun.

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4 Kommentare zu “„Ich muss mir etwas Gutes tun.“

  1. Liebe Emma,vorweg Du bist spitze! Was du leistest ist echt anstrengend,schön,für einen oft zu viel und vieles mehr trotzdem geht es irgendwie,kein Wunder dass du da etwas untergehst. Vielleicht hilft es dir ja schon wenn du “gesündere“Naschsachen für zwischendurch zurechtlegst (z.B. So Müslibällchen-ähnlich wie Stillkugeln) und Dir ein paar Stundengeplant pro Monat Auszeit gönnst.
    Ich wünsche Dir viel Kraft für Dich,für M und A und deinen Wundermann und dass der Teufelkskreis möglichst bald durchbrochen wird!
    LG
    K.

  2. Liebe Emma,

    wir kennen uns nicht und ich möchte dir auch nicht zu Nahe treten. Aber hast du vielleicht mal daran gedacht, dir Hilfe zu holen bzw. dich einmal professionell bei einem Psychologen beraten zu lassen? Vielleicht hast du ja wirklich ein Burnout oder Ähnliches und es wäre gut, wenn dich jemand unterstützen könnte, wieder aus diesem Gefühl herauszukommen?

    Ich hoffe, du nimmst mir diesen Vorschlag nicht übel.

    Alles Liebe
    Myriam

    • Überarbeitet und übermüdet sind viele Mütter. Gerade Zwillinge sind noch einmal härter. Wo soll man da noch die Zeit für einen Psychologen hernehmen, der einem ja doch nur sagt, was man schon weiss? Von den Wartezeiten bis zum Termin ganz zu schweigen. Ich finde, Emma reflektiert sich sehr gut selber und weiss auch, was ihr fehlt und was sie ändern sollte. (Ob dafür die Zeit ist, ist eine andere Frage.)

      Liebe Emma, es liegt nicht an Dir. Du machst das toll! Es geht vielen Müttern so oder so ähnlich. Nur überspielen sie das oder geben es nicht zu. Vielleicht reicht ja für den Anfang, als erste Priorität, konsequent eher schlafen zu gehen, auch wenn man sich lieber etwas Gutes tun will und völlig fertig nur noch fernsehen/surfen schafft.
      „Etwas Gutes für sich tun“ wäre nicht unbedingt etwas Süsses, sondern vielleicht ein Stück Obst, ein Stück Gemüse zum Knabbern. Ein Bad in aller Ruhe. Oder auch mal mehr schlafen, falls es die Kinder zulassen.
      Dir hängt sicher auch noch die Krankenhauszeit nach, das ist auch immer sehr stressig und mit wenig Schlaf verbunden. Jetzt die Erkältungszeit ist auch sehr anstrengend. Es wird aber alles auch wieder besser, allerdings nur langsam.
      Du musst Dich überhaupt nicht schämen! Es gibt Zeiten im Leben, die sind sehr anstrengend, körperlich, als auch seelisch. Die ersten Kinderjahre gehören dazu. Da fallen Sachen wie Haushalt oder Freunde eben hinter die anderen Prioritäten zurück. Gute Freunde werden das verstehen. Du kannst es ihnen so sagen, wie Du es hier geschrieben hast. Sie werden Dich verstehen. Klar ist das blöd gelaufen mit Deinem liebsten Kollegen. Aber was wäre die Alternative gewesen? Das Kind im Krankenhaus allein zu lassen und mit dem Kollegen einen Kaffee trinken gehen? Das geht mit Kindern eben nicht mehr so gut wie früher.
      Mach Dir nicht selber so viel Stress wegen Sachen, die nicht groß zu ändern sind. Du bist ein bisschen zu perfektionistisch veranlagt. Mach Dir nicht soviele Gedanken über gesunde Ernährung. Das wird ja nicht für immer so weitergehen. Die fehlende Energie würde ich außerdem sowieso eher dem fehlenden Schlaf anlasten. Vielleicht kannst Du da was organisieren? Regelmäßig einmal ausschlafen am Wochenende; Mittagsschlaf für Dich oder eher ins Bett?
      Ich drück Dich und sage Dir, dass es wirklich irgendwann besser wird!

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