Meine Sache mit der Vereinbarkeit, oder auch: Jammern auf hohem Niveau

Beruf und Familie miteinander vereinbaren? Ist immer ein großes Thema. Der Tenor ist ja meist, man müsse nur genug wollen und müsse einen Job haben, der so viel Spaß mache, dass man auf jeden Fall zurück in den Beruf will. Wenn es sich nicht vereinbaren lässt, ist man selbst schuld.

Geht es nach den Menschen, die so denken, will ich wohl nicht genug.

Ich bin Heilerziehungspflegerin, ich arbeite in einem Wohnheim, in dem Erwachsene leben, die bei ihrem Leben Begleitung brauchen, sowohl pflegerisch als auch bei der Bewältigung ihres sonstigen Lebens. Als ich 19 war begann ich ein freiwilliges soziales Jahr in dieser Einrichtung. Wo es beruflich nach dem Abi für mich hingehen sollte, war mir noch nicht klar und ich brauchte Zeit zur Orientierung. Nach drei Monaten bot man mir dort einen Ausbildungsplatz an, den ich gern annahm. Heute, 11 Jahre nach meinem Start, arbeite ich noch immer im selben Haus. Mir sind die Menschen dort ans Herz gewachsen, ich mag, was ich tue. Aber seien wir ehrlich: Die Bezahlung ist eher mau, die Arbeitszeiten nicht sehr familienfreundlich. Zumindest nicht in unserem Fall.
Der Wundermann ist selbstständig, ein kleines Ein-Mann-Unternehmen ist sein Eigen. Auch er liebt seinen Job, aber er ist wahnsinnig zeitintensiv. Denn ein Ein-Mann-Unternehmen heißt eben auch, dass kein Geld verdient wird, wenn er nicht arbeitet. Logisch. Der Wundermann ist unser Hauptverdiener. Ohne sein Gehalt geht hier gar nichts. Manchmal wird mir schlecht, wenn ich mir ausrechne, was wir für laufende Kosten haben. Klar ist jedenfalls: Mein Gehalt reicht für unser Leben nicht aus. Weder so, wie wir jetzt leben, noch, wenn wir einen harten Sparkurs fahren, unser Haus aufgeben und auch unser Auto.

Warum ich euch das jetzt alles so haarklein erzähle? Weil ich ein bisschen Angst vor der Zukunft habe. Diese Fakten bedeuten nämlich für mich, dass ich keine große Wahl habe. Ich muss mir entweder einen Job suchen, der zu Kindergartenzeiten stattfindet (mein Herz blutet, denn darauf wird es wohl hinauslaufen), oder beruflich stark zu reduzieren, und die finanzielle Sorge meinem Mann überlassen oder… Nein, kein oder. Meine regulären Arbeitszeiten beginnen nun mal am Nachmittag und dauern bis in den Abend. Früher arbeitete ich so: Montags, Mittwochs und Donnerstags von 15-21Uhr, Freitags entweder von 5.30Uhr bis 14.00Uhr oder von 14.00Uhr bis 21.00Uhr. Außerdem jedes zweite Wochenende von 9.00Uhr bis ca. 18.00Uhr. Dienstags hatte ich frei. Diese Arbeitsbedingungen erwarten mich auch wieder, wenn meine Elternzeit endet. Und sie sind nicht mit meinem neuen Leben vereinbar, beziehungsweise weiß ich noch nicht, wie. Denn die Mädchen müssen ja betreut werden. Im Moment kommt der Wundermann heim, wenn ich arbeiten muss und übernimmt. Das ist aber nur einmal in der Woche. Öfter geht das nicht, die finanziellen Einbußen sind zu hoch. Denn, seien wir mal ehrlich, der Wundermann verdient sehr viel mehr als ich pro Stunde. Also ist es keine Option, dass er seine Arbeitszeit so drastisch reduziert, denn das können wir uns nicht leisten.

Es fuchst mich ungemein, dass das so ist. Ich würde gern freier entscheiden können und weiter tun, was mir Spaß macht. Aber ich will es wohl nicht genug. Denn sonst würde ich einen bezahlbaren Babysitter finden und los. Aber da sind ja noch meine zwei Mädchen. Ich will Zeit mit ihnen. Und das ist mir wichtiger. Mein jetziger Job und meine Familie sind nicht miteinander zu vereinbaren. Die Kompromisse, die ich machen müsste, sind keine, die ich machen möchte. Also muss eine Jobalternative her. Hach ja. Gnarf.

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3 Kommentare zu “Meine Sache mit der Vereinbarkeit, oder auch: Jammern auf hohem Niveau

  1. ich versteh dich, die arbeitszeiten sind wirklich mist mit familie… zumindest, wenn man mit der noch zeit verbringen möchte.
    von einem als arbeitnehmer wird immer flexibilität erwartet, aber andersrum? oder in der kinderbetreuung? nee, da nich -.-

  2. Hallo,
    wenn du am Nachmittag oder Abend arbeitest könnte der Wundermann nicht dann die Kinder nehmen sagen wir mal ab 18 Uhr und die Zeit davor können Sie evtl. Extern betreut werden oder von einer Nanny oder so?
    Und am Wochenende kann da der Wundermann sie nehmen dann könntest du da evtl. arbeiten vielleicht auch jedes dann brauchst du nur noch unter der Woche 2-3 Tage.
    Vielleicht könnten die dir auch entgegen kommen mit den Stunden oder dem Gehalt oder so 😀
    Ich weiss ja nicht wie und ob du das überhaupt wollen würdest mit der fremden Betreuung?
    Oder erstmal nur 50% das würde die Kassen etwas aufstocken.

    Gibt es vielleicht eine Oma, oder ne Freundin mit der du dich abwechseln könntest sie nimmt deine du Ihre?

    Oder du findest was das dir auch viel Spass macht, manchmal kommt sowas ohne zu planen.

    Ich drück ganz fest die Daumen finanzielle Sorgen sind doooof ich hasse das

  3. Ach menno, das ist wirklich traurig und wird ohne irgendwelche halbgaren Kompromisse nicht lösbar sein. Dieses man-muss-es-nur-wirklich-wollen lässt sich so leicht sagen, aber so einfach ist es oft leider nicht.

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