Von meiner Hemmung, Dinge öffentlich zu thematisieren.

Irgendwie weiß ich gerade nicht so richtig, wie ich das Thema anfangen soll. Es geht um das „Anders sein“ und um bestimmte Blicke, Kommentare und darum, dass es mich nervt. Sehr. Ich versuche euch das mal im Zusammenhang mit dem Verdacht auf Epilepsie bei M. zu erklären:

Als es geschah, habe ich zuerst nur mit meinem Wundermann darüber gesprochen. Meine Schwiegermutter bekam es mit und so zog es dann schnell die Runde. Die Folge waren bedeutungsschwangere Fragen à la „Und wie geht es M.?“ und mitleidige Blicke. Von manchen Kommentaren will ich gar nicht erst anfangen. Man hat es so schwer, wenn man nicht in die Norm passt. Ich will nicht, dass M. plötzlich in einen anderen Blickwinkel rutscht, dass sie genauer beobachtet wird, dass alles kommentiert wird, was sie kann oder eben auch nicht. Das nimmt ihr so ein großes Stück Freiheit und Unbeschwertheit.

Leider sind wir immer sehr defizitorientiert. Es wird immer geschaut, was man nicht kann, was nicht funktioniert, was anders ist. Immer ein kritischer Blick, ein spitzer Kommentar, Getratsche und jeder weiß immer alles.

Deswegen tue ich mich sehr schwer damit, solche Dinge einfach offen zu sagen. Ich möchte meine Kinder schützen vor all diesen Dingen. Mich auch. Ich habe schließlich auch ewig gebraucht mich mit der ungewollten Kinderlosigkeit zu outen. Es ist vielleicht genau der falsche Weg. Aber für den Anderen fehlt mir oft der Mut.

Meine Kinder sind etwas Besonderes und ich finde sie perfekt. Egal, ob M. noch nicht sprechen möchte, A. noch nicht klettert, der Schlaf nicht gut ist, A. Segelohren hat und M. schiefe Zähne. Sie sind genau richtig, so wie sie sind. Und genau das gilt auch für alle Menschen. Jeder ist etwas Besonderes, und zwar im positiven Sinne.

Anders sein. Ein Defizit haben. Nicht unauffällig in der Norm verschwinden können. Es wäre schön, wenn man auf Dauer diesen negativen Blickwinkel verändern könnte.

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2 Kommentare zu “Von meiner Hemmung, Dinge öffentlich zu thematisieren.

  1. Ich verstehe das so gut. Ich hatte auch ein mulmiges Gefühl, als ich den Kita-Beobachtungsbogen durchlas, den der Kinderarzt gebeten hatte, auszufüllen. Ängstlich schaute ich auf die Kreuzchen, die zeigten, dass Sohn nicht ganz in der Norm ist. Aber dann gibt es da ein Kästchen, das die Erzieherinnen füllen sollten mit Stärken und Positivem. Das fand ich gut. :O)

    P.S.
    Gerade auch mit der Schule merke ich, dass man nur Dinge messen kann, für die man Messinstrumente hat – bildlich gesprochen: Die ganze Fantasie, Quergedanken, philosophische Gedanken … das alles fällt durch das Schulbewertungsraster. Ich hoffe, ich kann meinen Kindern das vermitteln, dass sie so viel mehr sind als das, was wir messen.

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