31.

Geburtstag. Schon wieder? Es geht alles so schnell, die Zeit verfliegt mit Kindern so unglaublich schnell.

Dieses Jahr ist es mir irgendwie nicht wichtig, dieses Geburtstagsding. Daher gibt es keine Party, sondern wir machen einen Ausflug, so wie bereits letztes Jahr.

(Früher hatte ich so gern Gäste, heute stresst es mich nur. Wird das wieder anders, wenn die Kinder größer sind?)

Ich will den Tag heute in Ruhe genießen, keinen Trubel und am allerschönsten wäre, der Regen würde uns verschonen.

(Ich wäre auch ein glückliches Geburtstagskind, wenn ich einfach den ganzen Tag im Bett bleiben könnte…)

Zu dieser Zeit nagen immer so verschiedene Gefühle in mir. Zwei Geburtstage lang war ich mitten im Hormonzirkus, wurde zwei Mal schwanger, musste mich aber von einer Schwangerschaft verabschieden. Jetzt feiere ich meinen Geburtstag zum zweiten Mal als Mutter, mit meiner kleinen Familie, die ich so unglaublich liebe.

Geburtstag ist für mich immer die Zeit des Erinnerns. Ich wünsche mir, dass ich für nächstes Jahr viele schöne Erinnerungen sammeln kann.

Ich wünsche euch allem einen wunderbaren Sonntag!

Lieblingsstücke im Hause Wunder

Die Interessen meiner kleinen Wundermädchen haben sich sehr verändert. Sie spielen ganz anders, als noch vor ein paar Wochen. Sie sind anspruchsvoller geworden, wollen Dingen auf den Grund gehen und können sich stundenlang mit einer Sache beschäftigen.

Hoch im Kurs steht hier gerade das „Stecken“. Sie üben verbissen Formen richtig zuzuordnen. Dafür biete ich verschiedene Dinge an, z.B. das Steckhaus. Sie bekommen außerdem verschiedene leere Dosen und Tuben mit Deckel, die sie einander zuordnen und zusammenstecken oder -schrauben können.

Sie finden gerade auch die Bausteine von Duplo total spannend. Sie schaffen es noch nicht, die Steine selbst zusammenzustecken, üben aber fleißig. Sie haben einen großen Spaß daran, die von mir gebauten Werke wieder auseinander zu nehmen.

Außerdem starten sie gerade mit dem erstem Puzzle.

Aber am allerallerbesten finden sie gerade Schlüssel in Schlösser zu stecken. NICHTS, wirklich gar nichts beschäftigt sie so ausdauernd.

Ihr seht, hier dreht sich gerade alles um das Thema „zuordnen“ und „stecken“. Spielen eure Kinder auch so Themen bezogen?

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Krankenhaus, die Nachwehen.

-M. will nicht mehr fest in den Arm genommen werden.
-Sie wird sehr schnell wütend und verzweifelt.
-Sie möchte nur mit Körperkontakt schlafen.
-Man darf ihre Hände nicht anfassen.
Laute Geräusche machen ihr Angst,
-Sie brabbelt sehr viel mehr als vorher.
-Sie lässt ihre Schwester nicht aus den Augen.
-Sie will nicht Auto fahren.

-A. lässt mich nicht aus den Augen.
-Sie verlangt danach, gestillt zu werden obwohl sie längst abgestillt war.
-Sie schläft nur neben mir. Sie bleibt auf keinen Fall bei ihrem Papa, wenn ich duschen will oder zur Toilette.
-Sie ruft dauernd nach mir.
-Sie spielt nun sehr ausdauernd allein.
-Ich muss beim essen neben ihr sitzen., damit sie nicht weint.

Und ich?
Ich bin müde. Sehr müde. Erst jetzt spüre ich, wie anstrengend alles war. Ich hoffe fest auf ein baldiges Ende der Nachwehen, damit ich Zeit zum Luft holen habe.

Von meiner Hemmung, Dinge öffentlich zu thematisieren.

Irgendwie weiß ich gerade nicht so richtig, wie ich das Thema anfangen soll. Es geht um das „Anders sein“ und um bestimmte Blicke, Kommentare und darum, dass es mich nervt. Sehr. Ich versuche euch das mal im Zusammenhang mit dem Verdacht auf Epilepsie bei M. zu erklären:

Als es geschah, habe ich zuerst nur mit meinem Wundermann darüber gesprochen. Meine Schwiegermutter bekam es mit und so zog es dann schnell die Runde. Die Folge waren bedeutungsschwangere Fragen à la „Und wie geht es M.?“ und mitleidige Blicke. Von manchen Kommentaren will ich gar nicht erst anfangen. Man hat es so schwer, wenn man nicht in die Norm passt. Ich will nicht, dass M. plötzlich in einen anderen Blickwinkel rutscht, dass sie genauer beobachtet wird, dass alles kommentiert wird, was sie kann oder eben auch nicht. Das nimmt ihr so ein großes Stück Freiheit und Unbeschwertheit.

Leider sind wir immer sehr defizitorientiert. Es wird immer geschaut, was man nicht kann, was nicht funktioniert, was anders ist. Immer ein kritischer Blick, ein spitzer Kommentar, Getratsche und jeder weiß immer alles.

Deswegen tue ich mich sehr schwer damit, solche Dinge einfach offen zu sagen. Ich möchte meine Kinder schützen vor all diesen Dingen. Mich auch. Ich habe schließlich auch ewig gebraucht mich mit der ungewollten Kinderlosigkeit zu outen. Es ist vielleicht genau der falsche Weg. Aber für den Anderen fehlt mir oft der Mut.

Meine Kinder sind etwas Besonderes und ich finde sie perfekt. Egal, ob M. noch nicht sprechen möchte, A. noch nicht klettert, der Schlaf nicht gut ist, A. Segelohren hat und M. schiefe Zähne. Sie sind genau richtig, so wie sie sind. Und genau das gilt auch für alle Menschen. Jeder ist etwas Besonderes, und zwar im positiven Sinne.

Anders sein. Ein Defizit haben. Nicht unauffällig in der Norm verschwinden können. Es wäre schön, wenn man auf Dauer diesen negativen Blickwinkel verändern könnte.

Krankenhaus, Tag 3

Unser Tag startete um 1.45Uhr, als M. wach wurde und gestillt werden wollte. Das hatte sie gut überlegt, denn ab 2 Uhr musste sie nüchtern bleiben. Ich hoffte fest, dass sie nun bis um sieben schlafen würde, so wie in der voran gegangenen Nacht. Leider hoffte ich vergebens, sie wurde um 4 Uhr noch einmal wach und verlangte danach, gestillt zu werden. Das musste ich ihr dann verweigern, was sie so wütend machte, dass sie kaum zu beruhigen war. Nach ein paar Minuten kam die Nachtschwester, um nach uns zu sehen, denn so einen Lärm kannten sie von uns nicht. Es dauerte eine Weile, aber dann ließ M. sich beruhigen und schlief noch mal bis halb sieben. Das MRT war für 8 Uhr geplant und solange musste sie nüchtern bleiben. Deswegen machte ich zuerst mich im Zeitlupentempo tageslichttauglich und dann die kleine M. Die war schon sehr ungeduldig, denn schließlich war sie hungrig. Und spätestens nach der Morgenpflege musste es ja Frühstück geben, oder? Sie war unglaublich wütend, als ich ihr kein Frühstück machte. Sie fragte sogar die Schwestern danach, obwohl sie mit denen bislang wenig bis gar nicht kommuniziert hat. „Da! Namnam! Mmmmh! DADA!“ Es half alles nichts, und drei Wutanfälle später klingelte endlich das Telefon auf der Station, dass wir uns auf den Weg machen können. Da war es viertel nach acht.

Beim MRT angekommen, wurde kontrolliert, ob M. noch irgendwo Metall an der Kleidung hatte (sie trug heute das erste Mal richtige Unterwäsche, denn unsere Bodies hatten alle Druckknöpfe), der Zugang musste noch mal mit Kochsalzlösung gespült werden um seine Durchgängigkeit zu prüfen und dann kam schon der nette Narkosearzt. Er erklärte mir noch einmal, dass das Einschlafen sehr schnell ginge und ich nicht erschrecken solle, gab ihr das Mittel über den Zugang und schon war M. in meinem Arm eingeschlafen. Sie wurde mitgenommen und für mich begann das Warten. Nach ungefähr 45 Minuten durfte ich sie schon wieder in Empfang nehmen, zwei Schwestern brachten M. in ihrem Bett schlafend zusammen mit mir zu unserem Zimmer. Sie wurde noch per Monitor überwacht, bis sie aufwachte. Als sie die Augen aufschlug, fiel ihr auch sofort ein, dass sie Hunger hatte. Zuerst durfte sie nur etwas trinken, weil sie das aber gut vertrug, bekam sie auch sofort Frühstück.

Als wir gerade bei der Schwester einen Nachschlag holten, kamen A. und der Wundermann an. Alle freuten sich, dass wir endlich zusammen waren, und die Wundermädchen wirbelten ausgelassen auf der Station herum. M. wurde schnell wieder müde und hat nach dem Mittagessen noch einmal ausgiebig geschlafen. Der Mittagsschlaf würde auch noch mal per Monitor überwacht. A. war zu aufgedreht zum Schlafen, also ging ich mit ihr in den Park zum Spielen, damit M. in Ruhe schlafen konnte.

Endlich, endlich war es Nachmittag geworden und die Ärzte kamen, um uns das Ergebnis mitzuteilen. Das MRT war ohne Befund, alles sei in Ordnung. YEAH!

Es gab aber nur eine halbe Entwarnung. Es ist durchaus möglich, dass M. noch einmal einen epileptischen Anfall bekommt. Ab dann würde man von einer Epilepsie sprechen und wir müssten noch einmal wieder kommen. Zum jetzigen Zeitpunkt dürfen wir aber durchaus hoffen, dass es bei diesem einen Anfall bleibt. Der Plan sieht vor, dass wir in drei bis vier Wochen ein Kontroll-EEG machen, und danach alle drei Monate eines. Sind die alle unauffällig und M. bleibt ohne weiteren Anfall ist auch das nicht mehr nötig.

Wir sind unglaublich froh und erleichtert und hoffen, dass es dabei bleibt.

Wir danken euch von Herzen für all die guten Wünsche und Gedanken, jeder Einzelne hat gut getan.

Und nun genießen wir das Familienbett, endlich wieder zu viert, daheim! ❤