Vom Spreu und Weizen

Ich habe seit Jahren einen festen Freundeskreis mit Menschen, die mir sehr wichtig sind. Manchmal kamen/kommen neue hinzu, bei manchen wird der Kontakt weniger, aber ich hatte immer stabile Freundschaften, auf die ich zählen konnte. So dachte ich zumindest.

Früher (vor der Elternschaft) habe ich viel Zeit damit verbracht, diese Freundschaften zu pflegen. Ich fuhr regelmäßig auch weite Strecken, um weiter weg Wohnende regelmäßig zu sehen, war immer zur Hilfe da, hatte immer ein offenes Ohr für Alle(s) und würde sagen, dass man auf mich zählen konnte. Das kann man noch, auch wenn ich heute (als Mutter) deutlich weniger Zeit für Freundschaftspflege habe und ich gut organisieren muss, wenn jemand Hilfe braucht. Aber ich mache alles möglich, wenn es wichtig ist.

Genau das ist der Punkt: Wenn es wichtig ist. Der Wundermann arbeitet sehr viel und ich kann nicht mal eben zwei kleine Kinder unterbringen, um nett einen Kaffee trinken zu gehen. Ich dachte, das sei schon okay, das wird schließlich auch wieder anders. Ich dachte, diese jahrelang gehegten und gepflegten Freundschaften halten das aus, ohne Zweifel. Dann sehen wir uns eben seltener oder mit Kindern im Schlepptau. Aber wenn ich jemanden brauche, dann hab ich ein großes Netzwerk. Weit gefehlt.

Vor einiger Zeit hörte/sah/las ich (ich weiß es nicht mehr genau) diesen Vergleich: In der Liebe gibt es immer einen Gärtner und eine Blume. Einen der hegt und pflegt und einen, der das genießt. Am Ende profitiert davon aber jeder. Ich glaube, so ist das auch oft mit Freundschaften. Zumindest in meinem Fall. Ich war hier der Gärtner, und habe nur sehr wenig Zeit für die Blumen. Wegen der anhaltenden Dürre geht eine Pflanze nach der anderen ein. Und dann schaue ich mich um und fühle mich ziemlich allein auf weiter Flur.

So trennt sie sich, die Spreu vom Weizen. Die Guten ins Töpfchen, die schlechten ins Kröpfchen.

Ich brauche dringend neue, tragfähige Freundschaften. Doch woher nehmen, wenn nicht stehlen?

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8 Kommentare zu “Vom Spreu und Weizen

  1. Ja, das kenne ich auch. Also, nicht weil ich schon Kinder habe (leider..), aber weil ich als einzige in meinem Freundeskreis verheiratet bin und das scheinbar sehr komisch für andere ist…

  2. Bei mir ist das andersrum. (Fast) Alle anderen haben schon Kinder und überhaupt keine Zeit mehr für Freunde. Ich habe nichts gegen Kinder und würde auch gerne etwas mit denen zusammen unternehmen oder immer dort hinfahren oder eben statt abends für ein paar Cocktails wegzugehen sich schon nachmittags auf einen Kaffee treffen oder eben nur telefonieren.
    Bei vielen scheint es aber eben so, dass sie nur noch für die Kinder da sind und wir bekommen viele Absagen. Ist sicher schwierig alles unter einen Hut zu bekommen, aber ich fühle mich dadurch noch mehr mit meiner Kinderlosigkeit zurückgesetzt. Mir fehlen auch einige Freunde wirklich sehr. Aber manchmal hat man eben auch keine Lust mehr immer nur zu geben…

    Meine Mutter hat mal gesagt, dass sich ihr Freundeskreis so alle 10 Jahre erneuert hat, bis auf ein paar wirklich stabile Freunde. Erst die mit denen sie zusammen aufgewachsen ist, dann die mit denen sie zusammen gefeiert hat, dann die mit gleichaltrigen Kindern, danach die mit den gleichen Hobbies und zuletzt jetzt eine erlesene Mischung aus allen Gruppen.

    Veränderungen sind immer schwer!

    LG
    Kaya

  3. Ach ja,
    so eine Erkenntniss ist nicht einfach, hatte ich auch schon, wenn auch aus einem anderen Grund. Schade eigentlich, für mich ist es kein Problem für Freunde und Familie da zu sein auch wenn Kinder die Situation ändern, ist doch klar das man dann eben mal etwas mehr geben muss als nehmen, sowas sollte in einer Freundschaft möglich sein.
    Ich wünsche dir das du ganz tolle Menschen kennenlernst, für die es sich lohnt zu gießen und die auch zurückgießen 🙂
    Liebe Grüße
    Claudia

  4. Leider auch bei mir das gleiche Gefühl, jetzt wo wir nun 3 Kinder haben, da ist es selbst in der Verwandtschaft der ein oder andere Kontakt so ganz anders / seltener .. geworden .. Schade

  5. So geht es mir leider auch. In erster Linie liegt das allerdings am mangelnden Verständnis der kinderlosen Singlefreundinnen. Ich denke, man kann einiges wirklich erst richtig verstehen und nachvollziehen, wenn man selbst Kinder hat. Mit den Zwillingen ist es wirklich nicht leicht, neben dem Familienleben, wobei man oft nicht mal Zeit für die eigene Beziehung hat, noch die Freundschaften zu pflegen. Wenn Du einen Einfall hast, wie man an tragfähige neue Freundschaften kommt, immer her damit 🙂

  6. So geht es mir leider auch, ich behaupte, das liegt in erster Linie am mangelnden Verständnis der kinderlosen Singlefreundinnen im Freundeskreis. Wenn Du den Dreh raus hast, an neue tragfähige Freundschaften zu kommen, immer her damit 🙂

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