Erste Male

Gestern war ich das erste Mal seit der Geburt der Wundermädchen im Kino. Es war das Weihnachtsgeschenk für meine Mutter, sie suchte sich den Film „Vaterfreuden“ aus. Es war schön, ich habe gelacht, der Film war gut gemacht, ich hatte Popcorn, aber… Ja, aber.

Wisst ihr, worum es in dem Film geht? Ganz grob: Felix spendet seinen Samen, weil er Geld benötigt, hat danach aber einen kleinen „Nagerunfall“, der ihn steril macht. Er will seinen Samen zurück, damit er irgendwann Vater werden kann. Jedenfalls gerät er an ein Paar, wo er glaubt, der biologische Vater des ungeborenen Kindes zu sein. Die Beziehung des Paares ist jedoch eher eine Katastrophe (wie könnte es auch anders sein…).

So viel zum Inhalt. Und nun zu meinem „Aber“. Ich bin nun Mutter. Ich habe zwei wundervolle Mädchen und einen Mann, der diesen weiten Weg zum Eltern werden ohne wenn und aber mit mir gegangen ist. Ich mache mir keine Sorgen um meine Ehe. Und trotzdem hat dieser Film mich zutiefst erschüttert. All diese alten Emotionen, diese tiefe Verzweiflung, dieser dringende Wunsch… all das wohnt noch in mir. Diese Zeit hat Spuren hinterlassen, das wusste ich. Aber dass sie immer noch so präsent sind und dass diese Gefühle mich immer noch so treffen, hat mich doch überrumpelt.

Als ich gestern nach Hause kam, saßen meine drei Schätze im Bett und strahlten, weil ich wieder da war. Ich habe ein unglaubliches Glück, das weiß ich auch. Jetzt muss ich nur noch überlegen, wie ich diese alten Gefühle wieder los werde.

Geht es euch ähnlich? Wie geht ihr damit um?

Körperlichkeiten

Sechs Hormonbehandlungen, zwei kurze Schwangerschaften, eine Zwillingsschwangerschaft: Sie haben Spuren hinterlassen. Deutliche. Und die meisten Spuren werden wohl bleiben. Gerade arbeite ich hart daran, mich damit anzufreunden.

Wo fange ich nur an… Jede Hormonbehandlung ließ mein Gewicht tanzen, ich nahm zu. Stetig. Nach jedem negativ nahm ich auch wieder ab. Aber ein klitzekleines bisschen Extragewicht blieb immer. Die zwei kleinen Schwangerschaften haben an meinem Körper vermutlich keine Spuren hinterlassen, „nur“ in der Seele. Die Zwillingsschwangerschaft allerdings schon. In Fakten heißt das: Kaputtes Haar, brüchige Nägel (das geht doch nach dem Stillen wieder weg?), und am deutlichsten hat mein Bauch gelitten. Tief eingerissenes Gewebe, mittlerweile zwar blass vernarbt, aber unwiederbringlich da, zuviel Haut (ich hab die Hoffnung aufgegeben, dass sich da noch was tut), loses, weiches Gewebe, so dass mein Bauch, trotz dass ich einigermaßen schlank bin, immer lustig zur Seite ‚rüberfällt, wenn ich mich auf Selbige lege. Und die größte Baustelle erwartet mich noch: Was wird nach dem Abstillen von meiner B.rust übrig sein?

Mein Körper hat Einiges geleistet, darauf bin ich stolz. Aber mit den Spuren muss ich mich noch anfreunden. Ich schaue oft an mir ‚runter und erkenne mich nicht wirklich. Das neue Ich und ich müssen wohl noch ein bisschen zusammen wachsen.

Ein ungleiches Paar

Sie sind am gleichen Tag geboren, sie sind Zwillinge. Sie sind aber eigentlich „nur“ Geschwister mit dem gleichen Geburtstag. Nicht mehr und nicht weniger. Das muss ich mir immer vor Augen halten, denn es wird immer deutlicher, wie verschieden sie eigentlich sind. A. hat zwei Zähne, M. hat keinen. M. krabbelt, A. beginnt gerade erst damit, sich rückwärts zu schieben. A. brabbelt, dafür interessiert sich M. nicht die Bohne. Das ist auch alles gut und richtig so, ich kann gelassen mit dieser unterschiedlichen Entwicklung umgehen. Wenn, ja, wenn… Hier kristallisiert sich immer mehr heraus, dass M. ihrer Schwester körperlich total überlegen ist. A. hat einfach keine Chance gegen sie. M. will ihr Spielzeug? Dann holt sie es sich. M. will da lang? Dann klettert sie halt drüber. Sie will an A.’s Haaren ziehen? Dann krabbelt sie hin und macht es. A. kann sich einfach nicht wehren. Ich bemühe mich, A. möglichst viel zu schützen. Aber ist das richtig so? Oder muss sie lernen damit umzugehen? Wo ziehe ich die Grenze? Wann schreite ich ein? Helfe ich A. auch mal einen Kampf um ein Spielzeug zu gewinnen?  Schadet es A.’s Selbstbewusstsein die ständig Unterlegene zu sein? Manchmal weiß ich nicht, wie ich es richtig mache. Wie habt ihr das gelöst? Habt ihr Ideen?