Manchmal

Manchmal weine ich, weil ich so müde bin.

Manchmal bin ich so müde, dass ich weinen muss.

Manchmal möchte ich schreien, weil alles so anstrengend ist.

Manchmal ist alles so anstrengend, dass ich schreie (armer Wundermann, armer Hund).

Manchmal möchte ich einfach allein sein. Allein. In einer schalldichten Kammer.

Manchmal stehe ich 20 Minuten unter der Dusche, um allein zu sein.

Manchmal wünschte ich, der Wundermann hätte mehr Zeit, mich zu unterstützen.

Manchmal nimmt er sich die Zeit einfach.

Manchmal werde ich mir bewusst, wie leer die Akkus sind.

Manchmal weiß ich morgens nicht, wie ich den Tag überstehen soll.

Aber immer, wenn diese winzigen Wesen mich anlächeln, kuscheln oder einfach wunderbar sind, weiß ich, dass ich es nicht anders will. Dieses „Manchmal“ dürfte trotzdem noch seltener sein.

37+1

Liebste Wundermädchen,

Ihr seid nun 37 Wochen und einen Tag auf dieser Welt. Das ist genau so lang, wie die Zeit, die ihr in meinem Bauch gewohnt habt. Das klingt gar nicht so lang, oder? Es fühlt sich aber an wie die Ewigkeit. Ich kann mir gar nicht mehr vorstellen, wie es ohne euch war, ihr habt unser Leben komplett auf den Kopf gestellt. 260 Tage ist es her, dass ich euch endlich sehen durfte. Ihr wart so herbeigesehnt und macht uns komplett. Es fühlt sich alles so richtig an, wir vier.

M., du bist so unglaublich. Du kannst nun sitzen, schiebst dich überall durch das Haus, bist immer neugierig und ein kleiner Wildfang. Du liebst es zu toben, je wilder, desto besser. Dein Lachen ist ansteckend und dein Humor einfach umwerfend. Du findest fliegende Dinge lustig, deiner Schwester an Haaren oder Ohren zu ziehen und wenn du Andere lachen siehst. Du isst unglaublich gern, man kann in deiner Gegenwart nichts mehr essen, ohne dass du auch etwas essen darfst. So lutscht du schon fleißig an Dinkelstangen, um schlimmes Wutgebrüll zu vermeiden. Du weißt genau, was du willst und bist ganz dickköpfig. Wenn du weinst, und das ist, Gott sei Dank, nicht so oft, ist das herzzerreißend. Du möchtest ständig was Neues entdecken, bist aber manchmal auch ängstlich. Dann können dir nur Mama und Papa helfen. Gerade bist du ein extremes Mamakind, du brauchst mich ständig in deiner Nähe. Fremden gegenüber bist du total schüchtern, Menschen, die du öfter siehst, strahlst du immer an. Aber bitte nur gucken, nicht anfassen! Liebe M., stundenlang könnte ich über dich erzählen. Ich liebe dich ganz unglaublich.

A., mein wunderbares Mädchen. Du sitzt am Liebsten und gerade beginnst du, dich durch das Haus zu schieben. Du probierst gern dein Stimmchen aus, plapperst ganz viel und wenn du fremd bist, quietschst du ganz laut um zu hören, wie dein Stimmchen dort  klingt. Du kannst dich stundenlang mit einer Sache beschäftigen und bist ein echter Kuschelkäfer. Das warst du schon immer. Dich bringt man mit Kitzeln zum Lachen oder mit Grimassen und Geräuschen. Du weißt genau was du willst und, vor allem, was du nicht willst. Dein Schmolllippchen ist unvergleichlich. Und dein Lächeln auch.  Liebste A., auch über dich könnte ich unendlich weiter erzählen. Ich liebe dich ganz unglaublich.

Alles ist anders mit euch, alles ist neu. Wunderschön eben.

Unverzichtbare Alltagshelferlein

Zeit, ein erstes Resümee zu ziehen: Welche Dinge haben uns den Alltag erleichtert, was möchte ich nicht missen, was würde ich anderen Zwillingseltern empfehlen?

Unser absolutes Lieblingsstück ist die Federwiege. Ich habe die Kinder nie Tandem gestillt, daher musste manchmal ein hungriges Kind warten. Und in der Federwiege hat es sich immer gern vertrösten lassen. Das Kind kommt nicht zur Ruhe, ist hundemüde, findet aber nicht in den Schlaf? Federwiege! Hat hier immer funktioniert. Sie hat mich schon so oft gerettet, dass ich tatsächlich in Erwägung ziehe, das Modell für Kleinkinder auch hier einziehen zu lassen.

Wippen. Jetzt nicht mehr soooo wichtig, aber zu Anfang, bis die Damen mobiler wurden, unverzichtbar, wenn ich allein mit ihnen war. So war die andere während des Wickelns sicher „verwahrt“, war in der Nähe, konnte uns zusehen. Am Anfang haben sie auch von dort die Spieltrapeze bewundert und ihre ersten Greifversuche gestartet.

Spieltrapeze. Nach wie vor heiß geliebt. Der Renner waren außerdem der Oball, ein Aluschüsselchen zum Krach machen, Backpapier und eine Knickhalsgiraffe. Wir haben natürlich noch mehr Spielsachen, aber das sind die Liebsten.

Mobiles, wir haben drei Verschiedene und sie werden immer wieder intensiv bespielt. Am Liebsten mögen sie das Holzmobile.

Tragetuch. Eine Tragehilfe ist unverzichtbar, wenn man oft allein mit den Kindern ist. So kann man den Alltag gut bewältigen, wenn man ein nähebedürftiges Kind hat und hat noch die Hände für das andere Kind frei. Wir haben zwei Tücher und benutzen sie auch gern, wenn wir zu Viert unterwegs sind.

Kisten, Körbe, Boxen, um dem Chaos Herr zu werden.

Und ansonsten? Reichlich Geduld, Koffein und ein paar Dinge, die zwischendurch die Elternseele streicheln. Und möglichst viele Gleichgesinnte mit ähnlichen Ansichten, helfende Hände und andere Zwillingeltern zum Austausch.

Fällt euch noch was ein? Habe ich was vergessen? Was hat euch den Alltag erleichtert?

Ja. Immer noch.

Die Wundermädchen sind acht Monate alt. So große kleine Babys sind sie jetzt schon. Und das findet auch das Umfeld, dass sie ja jetzt schon groß sind. „Du stillst immer noch?“ „Sie schlafen immer noch in deinem Bett?“ „Du wickelst immer noch mit Stoff?“

Ja, verdammt. Ich tue all das und es fühlt sich richtig und selbstverständlich an. Zumindest solange wir nicht in das „echte Leben“ draußen gehen. Gestern dann der Knaller bei einem Kindergeburtstag: „Ich fände es schön, wenn du langsam mal abstillen würdest. Das sieht ja nicht mehr schön aus.“ Glaubt mir, ich habe nicht genug Mittelfinger für die passende Antwort. Diese Aussage war so übergriffig und verletzend, dass ich überhaupt keine Lust hatte auf ein Gespräch darüber. Sie ist selbst zweifache Mutter und hat auch gestillt. Nur eben nicht so lange. Okay, ich verstehe, dass es für viele seltsam ist, denn der Usus ist ja mit sechs Monaten abzustillen. Zumindest ist das hier so. Dass man sich wundert und darüber spricht ist nachvollziehbar. Ich merke aber zunehmend, dass ich mich unwohl fühle, meine Kinder unterwegs zu stillen. Die Blicke, die Fragen, die Sätze: All das verunsichert mich zutiefst.

Letzte Nacht habe ich kaum geschlafen, so nagt dieser Satz an mir. Eine völlig neue Seite ist das an mir, ich bin überrascht, wie angreifbar mich das Mutter sein macht. Ich dachte, ich sei selbstbewusster, denn ich tue diese Dinge ja aus Überzeugung. Und trotzdem erschüttert mich all das in meinen Grundfesten.