Alles neu

Nun bin ich Mutter. Es ist immer noch ein bisschen unwirklich. Auf der einen Seite fühlt es sich an, als wären die Wundermädchen schon immer bei uns gewesen und auf der anderen Seite ist es noch wie ein Traum. Ein verrückter Traum.

Seit 20 Tagen teilen wir unser Leben mit A. und M.. 20 Tage, die alles verändert haben. Sie bestimmen unseren Rhythmus, wann wir essen, schlafen, spazieren gehen, duschen und auch jedes andere Detail. In den Keller gehen wegen der Wäsche? Nur, wenn sie fest schlafen. Haushalt wird eine Mammutaufgabe: Morgens Spülmaschine anstellen und abends ausräumen, weil vorher einfach keine Zeit war.  Was ich den ganzen Tag mache? Stillen, wickeln, stillen, trösten, stillen, wickeln, stillen. A. erträgt es außerdem nicht allein zu sein, sie braucht ständigen Körperkontakt. Also habe ich sie viel im Tragetuch, auf dem Bauch, im Arm. Manchmal schaffe ich auch etwas zu essen, mich zu waschen oder ein winziges bisschen Haushalt. Aber den Hauptteil des Tages verbringe ich im Bett, auf dem Sofa und/oder auf dem Sessel.

Seit Dienstag geht der Wundermann wieder arbeiten und das bedeutet, dass wir tagsüber allein sind. Immer öfter muss ich eine von Beiden weinen lassen, weil ich sie immer noch nicht gemeinsam stillen kann, M. benötigt immer noch beide Hände und meine ganze Aufmerksamkeit. Zu 95% haben beide gleichzeitig Hunger, und dann muss ich mich entscheiden: Wer zuerst? Die Andere weint immer bitterlich, auch wenn sie direkt an mich gekuschelt liegt. Schon stecke ich in so einer Spirale: Kind früher von der B.rust nehmen? Nicht so viel Zeit für’s Bäuerchen nehmen? Kein Kuscheln nach dem Stillen? Alles nicht optimal. Aber was tun? Wenn ich das Programm durchziehe weint die Andere so lange und herzzerreißend. Wie sollen sie das auch verstehen? Ja, vielleicht lernen sie irgendwann zu warten. Aber ist das wirklich warten oder Resignation? Ich habe noch keine gute Lösung gefunden. Daher muss ich gestehen, dass ich deswegen schon oft traurig war und mitweinen musste. Ich kann gar nicht beschreiben, wie weh mir das tut. (Hormone? Zu empfindlich? Ich weiß es nicht.)

Ja, manchmal bin ich überfordert. Manchmal bereue ich, dass ich mich für’s Stillen entschieden habe. Manchmal habe ich Angst meinen beiden Wundern nicht gerecht zu werden. Manchmal wünschte ich, ich müsste nicht so viel allein schaffen. Manchmal bin ich schrecklich traurig. Und immer sehe ich sie an und weiß, dass es sich lohnt. Es wird gehen. Irgendwie. Mit viel Liebe.

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7 Kommentare zu “Alles neu

  1. Ich kann sehr gut nachvollziehen, wie dich das fertig macht, wenn du eine von den beiden Mäusen weinen lassen musst – auch wenn sie an dich gekuschelt ist und so auf jeden Fall spuert, dass Mama und sie nicht alleine ist (ich persoenlich halte das fuer sehr wichtig, dass ein Baby die Naehe von Mama hat, wenn es weinen muss). Das wird sicher besser werden, wenn sie schneller trinken, aber das hilft dir ja leider jetzt nicht.
    Gibt es bei euch sowas wie Wellcome, sodass du etwas Unterstuetzung bekommen kannst? Eine Freundin von mir hat auch Zwillinge und meinte, es waere Gold wert, dass sie wenigstens ein paar Stunden in der Woche jemanden hat, der ihr tagssueber hilft (keine Ahnung, ob sie die Hilfe ueber Wellcome hat oder ueber eine andere Orgnisation).
    Drueck dich!

  2. Meine Liebe in letzter Zeit sehe ich so viele Mädels die zugeben die Rosa Brille fällt gleich am ersten Tag ab also mach dir keinen Kopf was du mit zwei Kids stemmst schaffen einige nicht mit einem ich befürchte selbst ich werde oft weinen aber wir wissen wofür wir es tun

  3. Du machst das super! Beim ersten Mal gleich 2! Das ist schon nicht einfach. Und dann noch das lobenswerte Vorhaben, beide zu stillen (glaub ausschliesslich, oder?).
    Und ja, die Hormone sind soooo krass in ihrer Wirkung, und das liest man irgendwie in keinem Buch! Heftig, oder? Ich hab mich damals selbst nicht wiedererkannt!
    Jeden Abend dankte ich dafür, dass der Tag rum war und jeden Morgen dafür, dass die Nacht rum war 🙂
    Es half mir, mir zu sagen, dass diese Zeit vergeht, und heute bin ich froh, hab ich fast täglich ein Foto von der Maus gemacht – ich konnte die Zeit nämlich nicht recht *geniessen*.
    Und mach dir keine Sorgen: du lässt sie ja nicht verhungern. An diese Dinge können sie sich eh nicht so lange erinnern.
    Würde es helfen, wenn du abwechslungsweise doch die Flasche gibst? Also die Mahlzeiten abwechselst?
    Sonst würde ich sagen ,mach weiter so.
    Lass dir wenn möglich Essen vorbereiten, vllt Salate oder Sandwiches, die kannst du auch mal huschhusch (und kalt ;)) essen. Denn du brauchst die Energie!
    Und lass den Haushalt Haushalt sein, zu Anfang ist es schwierig! Gut, waschen Maschinen Geschirr und Kleidung 😉

    Du machst das super!

  4. Du machst das echt toll!! Das mit dem Schreien lassen ist leider furchtbar bei Zwillingen, daran gewöhnt man sich irgendwie nie. Da blutet auch mein Mutterherz.

    Kann mich nur anschließen: hol dir Hilfe. Oder – wenn wie bei uns kein Netzwerk zur Verfügung steht – lass deinen Mann den Großteil des Haushalts schmeißen. Klar wäre es hart für ihn so mit Job und so, aber für dich ist es ja auch alles andere als ein Spaziergang. Der Haushalt ist dann zwar sicher nicht perfekt, aber das ist nun mal so mit zwei Babys.

    Zum Stillen kann ich ja nicht viel sagen. Aber vielleicht kann dir eine Stillberaterin dir helfen zu üben, wie man sie gleichzeitig anlegt? Oder du kuckst im Internet wie das geht (Youtube) und übst, wenn dein Mann da ist?

    Ansonsten kann ich nur sagen: halte durch, es wird besser! Die Kleinen schlafen irgendwann länger, haben längere Stillpausen usw. und man optimiert seinen Alltag so nach und nach und findet individuelle Lösungen für Probleme.

    Ich bewundere dich sehr, wie du das wuppst mit dem Stillen und so. *laolawellemach* :))

  5. Liebe Emma,

    zuersteinmal Gratulation zur Geburt deiner Wundermädels! Ich verfolge deinen Blog fast von Anfang an und habe mich wahnsinnig gefreut, dass du zwei gesunde Mädels wie gewünscht spontan auf die Welt gebracht hast.
    Habe auch Zwillinge und leider ist es auch bei mir so, dass oft einer schreien muss, während ich mich um den anderen kümmere. Ich hoffe einfach, dass sie trotzdem merken, dass sie geliebt sind. Und bald werden deine Mädels kräftig genug sein, dass das Stillen einfacher wird und du sie gleichzeitig stillen kannst. Wobei das bei mir leider auch nur ein paar Monate funktioniert hat, dann haben sie sich gegenseitig so abgelenkt, dass ich sie nun wieder getrennt stillen muss.
    Es ist wohl einfach das Schicksaal von Zwillingen, sich eine Mutter zu teilen und damit auch nur die Hälfe der Aufmerksamkeit zu erhalten, die normale Einlingen gegeben wird. Dafür haben sie andere Vorteile: Spielpartner im gleichen Alter, nie alleine sein, weil der Zwilling ja auch immer da ist, etc.
    Alles Gute Dir und deinen Wundermädchen!

  6. Liebe Emma,
    ich hatte das erste halbe Jahr sehr schlimme Depressionen, eben genau aus den Gründen, die du beschreibst. Deswegen muss man sich nicht schämen, ganz im Gegenteil – wir Zwillingsmütter müssen einfach zuviel leisten.
    Ich war 11 std am Tag allein mit den Kindern, bis auf wenige seltene Besuche. Ich habe Einlingsmütter immer beneidet, die während das Kind schläft in Ruhe duschen und aufräumen konnten. Während 1 Kind schlief war bei mir das andere Kind wach und umgekehrt. Nie eine Pause. Und immer diesselben Handgriffe, immer dasselbe zu tun. Aber das wird alles besser, glaub mir!
    Du mußt es nicht bereuen zu stillen, denn du kannst jederzeit mit dem Zufüttern aus der Flasche anfangen. Oder du pumpst Milch ab und 1 der Kinder wird abwechselnd aus der Flasche gefüttert? Das geht dann bestimmt leichter. Kauf dir eine Wippe (ich hatte 2), lege Kind 1 rein und halte die Flasche. Kind 2 ist an der Brust. Beim nächsten mal wechseln.
    Die ersten Monate sind oft wirklich hart, ich weiß. Halte durch, je älter sie werden, umso leichter wird es.

    Alles Gute für dich!
    LG
    Katrin

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