Ein Geburtsbericht. Ungeschönt und wunderschön.

Endlich sind wir zu Hause, gestern durften wir gehen. Und, aus was für Gründen auch immer, hatten wir vergangene Nacht mehr Schlaf als die gesamte Woche zusammen, so dass ich mich mal an meinen Geburtsbericht traue. Aber eine kurze Warnung an die, deren Entbindung kurz bevor steht: Es gibt auch unschöne Details.

Sonntag Abend beschlossen der Wundermann und ich das Bett neu zu beziehen. Wir hatten uns fest auf Mittwoch zur Einleitung eingerichtet und dachten, so hätten wir ein frisches Bett nach dem Krankenhaus, in dem es aber schon Gerüche von uns gibt. Kurz getwittert und dann wurde ich darauf aufmerksam gemacht, dass nach Murphy’s Gesetz in der Nacht nun ein Blasensprung stattfinden müsse. Und so war es ja dann auch.

Ich war den gesamten Abend schon unruhig und rastlos. Ich konnte nicht einschlafen und mehr als ein Dämmerschlaf war nicht drin. Ich war häufig zur Toilette, das musste ich sonst nie. Um 1.45Uhr Montag Morgen hörte und fühlte ich ein dumpfes „Plopp“ im Bauch und wusste sofort, dass es ein Blasensprung ist. Also raus aus dem Bett (ja, es ist sauber geblieben) und ab ins Bad. Dort bestätigte sich meine Vermutung. Ich rief meine Hebamme an, die mir sagte ich solle mich in Ruhe fertig machen und mich dann auf den Weg machen, Wehen hatte ich nämlich noch keine. Ich weckte den Wundermann: „Du musst aufstehen.“ – „Warum?“ -„Ich habe einen Blasensprung.“ – „Ist das dein Ernst?“ (Männer aus dem Tiefschlaf… Was soll man dazu noch sagen?) Ich ging duschen und der  Wundermann packte unsere restlichen Sachen. Um viertel nach drei kamen wir im Krankenhaus an, auf der Fahrt dorthin hatte ich erste kleinere Wehen. Im Kreissaal wurde zuerst die Eingangsuntersuchung von der diensthabenden Hebamme gemacht (CTG, Blut, Muttermund, Blutdruck, Temperatur…) und dann informierte sie meine Hebamme über den aktuellen Stand. Die machte sich dann selbst auf den Weg und war dann um fünf bei uns. Ab da verliere ich jedes Zeitgefühl. Bis dahin hatte ich schon Wehen, die ich veratmen musste. Ich lief im Kreißsaal auf und ab, so ließ sich der Schmerz am Besten ertragen. Jede Stunde musste ich ans CTG, dafür musste ich mich hinlegen. Das war eine echte Qual. Plötzlich bekam ich Durchfall (ich sagte ja: unschöne Details!) und zu diesem Zeitpunkt hatte ich einen Schmerz, so dass ich mich nicht hinsetzen konnte. Also waren umständliche akrobatische Verrenkungen nötig, damit ich trotzdem die Toilette benutzen konnte.Ein weiteres Problem war,  dass ich nun von einer Wehe direkt in die nächste kam, ohne Pause…  Daher bekam ich eine Infusion gelegt, die mir Pausen ermöglichen sollten und die Wehen effektiver machten. Leider hat das nicht gut funktioniert. Als der MuMu 5cm offen war fragte die Hebamme mich ob ich nicht lieber eine PDA wollte. Die Geburt würde noch eine Weile dauern und durch die ständige Wehenbelastung war ich schon ziemlich erschöpft. Ich hätte in diesem Moment wirklich alles genommen, was mir eine Pause verschafft und so war der Narkosearzt sehr schnell da. Damit er genügend Zeit zum Legen bekam musste mir ein Wehenhemmer gespritzt werden. Dann lag die PDA, ich sollte zurück ins Bett. Die darauf folgende Untersuchung ergab: MuMu war vollständig, die PDA war also zu spät (tatsächlich wirkte sie erst als alles vorbei war). Meine Hebamme war ganz überrascht und fragte: „M. kommt jetzt, wie möchtest du gebären?“ Ich wollte das Sitzkissen (funktioniert wie der Gebärhocker, nur dass es auf dem Bett ist. Gebärhocker durfte ich nicht, wegen der 2ten Geburt. Ich musste im Bett bleiben damit die schnell eingreifen können, falls es A. plötzlich schlecht geht.) Also halfen mir die Hebamme und der Wundermann auf das Kissen, der Wundermann hielt mich von hinten und M. kam auf die Welt, es waren nur wenige Presswehen. M. wurde mir auf den Bauch gelegt, der Wundermann nabelte sie ab. Ehrlich gesagt konnte ich diesen Moment nicht genießen, ich konnte immer nur denken: „Oh nein, das muss ich jetzt noch mal!“  A. ging es Gott sei Dank gut, sie hat sich nicht in Querlage gelegt, sondern brav ins Becken und wartete darauf auch geboren zu werden. Eine Hebammenschülerin kam dazu um M. zu halten, damit der Wundermann mich halten konnte. Der Sitzhocker wurde unter mir weg genommen, der Arzt, der  nun dazu kam, eröffnete die Fruchtblase und vier Presswehen später war A. da.  Ich bekam meine winzig kleinen Wunderwesen in den Arm. Ich hatte einen Dammriss 2ten Grades, der genäht werden musste. Davon habe ich nicht viel mitbekommen, ich war zu sehr mit Staunen beschäftigt. Anschließend wurden wir als Familie erst mal allein gelassen (natürlich war die Hebamme direkt nebenan in Rufnähe). So konnten wir unsere Wundermädchen, unser ganzes Glück, ganz allein bestaunen, berühren, riechen und spüren. Erst nach zwei Stunden kam die Hebamme wieder herein und der Wundermann durfte die Mädchen das erste Mal baden, wiegen und messen. Währenddessen durfte ich die jeweils Andere das erste Mal stillen. Es wurde sich so unglaublich viel Zeit für uns genommen, alles wurde in Ruhe gemacht. Den Kreißsaal haben wir erst um vier verlassen, obwohl am selben Tag noch zwei weitere Geburten waren. Das ist der klare Vorteil der Beleghebamme, sie war ausschließlich für uns da, musste nicht woanders hin und hatte soviel Zeit für uns, wie wir brauchten. Ganz ehrlich? Das würde ich immer wieder so machen. Ich hatte eine spontane Geburt von Zwillingen mit meiner Wunschhebamme, die mir dieses Erlebnis so gestaltet hat, wie ich es mir gewünscht habe. Sie war schlicht unglaublich, hat wortlos verstanden was ich gerade brauchte und das half mir mich zu entspannen und alles einfach geschehen zu lassen.

Jetzt habe ich es erlebt, eine Geburt. Es war ein absolut einmaliges Erlebnis, man befindet sich im völligen Ausnahmezustand und für mich war es wie in einer völlig anderen Welt. Dafür kann man kaum Worte finden, es gibt nichts vergleichbares.

Nun bin ich eine Mutter mit den zwei wunderbarsten Mädchen dieser Welt. Das ist das schönste Geschenk meines Lebens. Ich liebe sie einfach so unglaublich.

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20 Kommentare zu “Ein Geburtsbericht. Ungeschönt und wunderschön.

  1. Wow, ich hoffe du bist ordentlich stolz auf euch. Ich freu mich riesig für dich, dass alles so funktioniert hat, wie du es dir vorgestellt hast!

    Das ist so toll ❤ (und macht zuversichtlich ;))

  2. Das ist so schön geschrieben, da kommen mir glatt die Tränen. Ich finde es so unglaublich toll, dass du Zwillinge ohne Kaiserschnitt auf die Welt gebracht hast *WOW*!

    Meine herzlichen Glückwunsch an dieser Stelle zur Geburt! Genießt die Zeit mit euren Kleinen.

  3. Oh wie schön!!! Ich hab am ganzen Körper Gänsehaut, Tränen in den Augen und mein kleiner Bauchbewohner turnt in mir rum, als wolle er auch direkt raus. Ich freu mich soooo sehr, das du eine positive Geburt hattest, die Babys alleine entschieden haben, geboren zu werden und es den Wundermädchen und dir gut geht. Herzlichen Glückwunsch nochmal!!!

  4. Eine Geburt ist eine Geburt ist eine Geburt. Das ist mein Versuch es zu beschreiben.
    Mich freut es unheimlich das Du gleich zwei auf einmal auf natürliche Weise gebären konntest – danke für Deinen Bericht und nun wieder los zum Babys kuscheln.

  5. Ach wie schön, finde das hört sich gar nicht schlimm an da hab ich schon gruseligere Sachen gehört, dass es so geklappt hat wie du es wolltest freut mich sehr und wünsche dir bzw euch weitere wundervolle Tage

  6. Das klingt so traumhaft.. wie eine ganz normale Geburt, nur mit 2x Baby am Ende. Ich freue mich so sehr, dass das für euch funktioniert hat, ohne Zwischenfälle…. hachz! *tränchen* Ganz ehrlich: genau so habt ihr das auch verdient.
    Ich wünsch euch alles alles Gute.. !

  7. Oh das klingt wirklich toll…. und so viele Details waren da gar nicht drin, die erschrecken könnten. 😉
    Für eine spontane Geburt ging das ja recht fix, wahnsinn! Du gehörst wohl zu den glücklichen, wo der Körper vorher schon gut den Weg bereitet hat (Vorwehen), war bei mir damals ähnlich.
    Toll, toll! Ich freue mich immer noch sehr für euch, dass ihr diesen Weg gehen konntet! Du klingst so, wie man als werdende Mutter sein muss, damit man einen solchen Geburtsweg angehen kann: dem eigenen Körper und den Kindern vertrauen und vor allem positiv denken (Risiken gibt es schließlich bei jeder Geburt)! Wie schön, dass es dann tatsächlich so geklappt hat wie du dir das gewünscht hast. Alles Anstrengungen im Vornherein für diesen Weg haben sich also gelohnt! 😀
    Noch eine Frage, kam A. auch per Schädelllage oder BEL? Ich vermute ersteres, denn sonst wäre es sicher noch ein bisschen komplizierter und gefüllter im Kreissaal geworden, oder?
    Stillst du (weiterhin)? Ich hoffe es klappt alles gut und ihr werdet nach dieser Traumgeburt von weiteren Komplikationen verschont!. Alles Gute euch vieren!

  8. Ui, das ging dann ja auch recht flott bei Dir. Wie schön, dass alles so gut gelaufen ist und Ihr um die Einleitung rumgekommen seid! Klasse gemacht 🙂 Gewöhnt Euch schön ein zuhause in das Leben mit den zwei Wundermädchen!
    Hach, da werde ich gleich wieder ganz wehmütig, dass mein Zwerg schon so „gross“ ist.

  9. Hab großen Respekt vor Dir. So hört sich das alles nicht so schlimm an.
    Hoffe,dass ich bald genauso schreiben kann.
    LG
    June

  10. Die Warnung konnte nicht verhindern, dass ich mir den Bericht trotzdem durchgelesen habe. Und es war gar nicht schlimm. Im Gegenteil, es war wunderschön geschrieben! Ich habe einen Wahnsinnsrespekt vor deiner Leistung und finde außerdem das die Geburt toll klingt. Man merkt eben, dass alles so war wie du es selber wolltest. Spontan ohne Einleitung und dann noch ohne Komplikationen. 🙂 Ich wünsche euch weiterhin eine wunderbare Eingewöhnungszeit!

  11. klingt wirklich nach einem tollen Ergebnis – und auch überhaupt nicht eklig (hab da andere Erinnerungen :))
    Finde es super, dass du eine „normale“ Geburt machen durftest/wolltest. Bravo!

  12. hach so schön, ich les es grad erst und hab noch gar nicht gratuliert!
    herzlichen glückwunsch zu euren beiden kleinen wundermädchen! sosososososososo schön, hach ❤ 🙂

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