Meine Hebamme, das Goldstück

Donnerstags morgens hat meine Hebamme immer eine offene Sprechstunde, zu der man unangemeldet kommen darf. Da gestern der Besuch im Wunschkrankenhaus anstand und mich das alles verrückt machte, fuhr ich kurz entschlossen zu ihr, in der Hoffnung, dass sie mir den Rücken stärkt und mir hilft, die richtige Entscheidung zu treffen. Und ich kann euch sagen: Die richtige Hebamme zu haben ist wirklich Gold wert. Sie hat sich, wie immer, viel Zeit genommen und mir nicht diktiert, was richtig ist sondern hat mir geholfen, meine eigene Entscheidung zu treffen. Ich bin mir nun sicherer als je zuvor: Ich möchte eine spontane, natürliche Geburt versuchen. Mir ist immer noch klar, dass ein Kaiserschnitt nötig werden kann und das ist in Ordnung. Aber wenn ich kann, werde ich definitiv den anderen Weg gehen, denn der fühlt sich für mich richtig an. Auch ein Kaiserschnitt ist ein Risiko, dass nicht zu unterschätzen ist, absolute Sicherheit kann mir niemand garantieren. Meine Hebamme hat mir auch noch ein überraschendes Angebot gemacht: Wenn ich möchte, geht sie diesen Weg mit uns gemeinsam. Sie hat schon oft Zwillinge entbunden und hat viel Erfahrung. Jedoch gibt es hier einen Haken. Sie ist Beleghebamme in einem Krankenhaus, an das keine Kinderklinik und/oder Frühgeborenenstation angeschlossen ist. Daher gilt ihr Angebot nur, wenn ich es bis mindestens zur 36.SSW schaffe und es den Wunderwesen gut geht. Der unglaubliche Vorteil ist jedoch, dass ich eine vertraute, erfahrene Person bei mir habe, die mich kennt und sowohl vor als auch nach der Geburt betreut und ich keinen Schichtwechsel erleben muss. Sollte es trozdem Komplikationen geben (das kann man ja nie bei einer Geburt wissen, egal ob Einlinge oder Zwillinge) ist die nächste Kinderklinik nicht weit, ich kann mit verlegt werden und eine ärztliche Notfallversorgung für die Wunderwesen ist auch in jedem Fall gewährleistet. Diese Möglichkeit kommt definitiv für uns in Frage. Ich glaube nämlich, dass eine vertraute Person im Kreißsaal eine gute Idee ist. Außerdem hat sie auch angeboten, dass, wenn ich das Gefühl habe die Geburt geht los, ich zu ihr in die Praxis kommen darf und sie mich untersucht um zu schauen, ob ich eine weitere Autostrecke schaffe oder eben nicht.

Gestärkt durch dieses wohltuende Gespräch waren der Wundermann und ich dann im Wunschkrankenhaus zur Kreißsaalbesichtigung. Das Krankenhaus ist sehr modern, bestens ausgestattet und hat eine Kinderklinik mit Frühchenstation, wo Frühchen ab der 28. SSW versorgt werden dürfen, direkt angeschlossen. Dort werden ungefähr 1000 Geburten im Jahr begleitet. Nach der Besichtigung haben der Wundermann und ich noch die Gelegenheit gehabt, persönlich mit einer Hebamme zu sprechen um unsere Fragen loszuwerden. Sie sagte uns, dass es dort grundsätzlich möglich ist auch Zwillinge spontan zu entbinden und dass sie immer eine Geburt „um die Gebärende herumstricken“ würden, um möglichst die Wünsche zu erfüllen. Sie hat mir geraten, rechtzeitig zum Geburtsplanungsgespräch zu kommen, wo ich all das mit der Oberärztin besprechen kann. Grundsätzlich haben der Wundermann und ich auch ein gutes Gefühl in diesem Krankenhaus und können uns vorstellen, dort zu entbinden. Nun habe ich schon am Dienstag einen Termin mit der Oberärztin und bin sehr gespannt.

Es ist schön, zwei Alternativen zu haben. Im Moment tendiere ich dazu, mit meiner Hebamme zu enbinden (liebe Wunderwesen, in der Bauchwohnung ist es doch ganz gemütlich. Ihr bleibt doch noch mindestens 10 Wochen, oder?) und die Wunschklinik für den Notfall in der Hinterhand zu haben. Jetzt muss nur noch der Rest der Schwangerschaft gut verlaufen. Aber da bin ich ganz optimistisch.

Manche mögen mich jetzt für verrückt erklären, weil ich es tatsächlich in Erwägung ziehe, in einem Krankenhaus ohne Kinderklinik zu entbinden. Das ist mir aber ziemlich egal. Auch dieses Krankenhaus hat einen Notfallplan. Ich vertraue meiner Hebamme, dass sie ehrlich ist und mir zu den richtigen Schritten rät. Technik ist das eine, Menschen mit Erfahrung sind aber auch ziemlich wichtig. Ich werde abwarten und wie immer meinen Bauch entscheiden lassen. Ich habe Glück mit einem guten Arzt, dem ich vertraue, einer wunderbaren, erfahrenen Hebamme, der ich ebenso vertraue und einen Instinkt, der mich hoffentlich nicht verlassen wird. Vielleicht kommt alles ganz anders als ich mir das vorstelle. Aber es ist gut, dass ich mir zumindest klar darüber bin, wie ich mir das Alles vorstelle. Ich freue mich auf Dienstag und hoffe, dass mein Gefühl der Wunschklinik gegenüber positiv bleibt, denn ein Plan B ist notwendig. Wenn nicht, werden wir die weiter entfernten Krankenhäuser ansehen. Und bis zum Schluss darf die Hoffnung in mir wohnen, dass ich eine Geburt mit meiner Hebamme erleben darf. Das wäre wirklich schön.

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5 Kommentare zu “Meine Hebamme, das Goldstück

  1. Ich halte dich nicht für verrückt, ich wollte das auch nie und nun überlege ich es doch naja ich bekomme keine Zwillinge aber trotzdem. Bei uns im Ort gab es nie ein Kinderkrankenhaus, die Kids wurden immer in die Schweiz oder 1 Stunde entfernt untergebracht wenn was war, dass ist genauso doof aber die wenigstens sind dann extra die Stunde gefahren um zu entbinden.

  2. Joa, klingt alles toll! Und wie Du schon sagst…..einen Notfallplan haben auch die Kliniken ohne Neo! und sollten sie reif geboren werden, haben sie schlicht nichts zu haben wofür eine Neo notwendig wäre;-))) Ich wünsch Dir das von Herzen, das sie bei Dir bleiben bis min. 36+0, besser 38+ und dann kommen sie bitte ganz normal und kerngesund auf diese Welt, in deine Arme….

  3. Na, so soll das sein! Diese Bestärkung ist enorm wichtig, wenn man so einen (ungewöhnlichen) Geburtsweg wagt. Ich spreche da aus eigener Erfahrung! 😀 Und Plan B ist immer gut!

    Nun wünsche ich dir noch, dass die Lage der Beiden im Bauch für deinen gewählten Weg ebenso perfekt ist und es nicht daran scheitert. Ich habe mich übrigens auch im falschen Film gefühlt, weil ich die einzige im Geburtsvorbereitungskurs war, die NICHT in einer Klinik mit angrenzender Kinderstation entbinden wollte, während die anderen Mütter alle dieses Sicherheitsbedürfnis hatten.
    Meist geht es auf solchen Geburtsstationen zu wie auf dem Bahnhof und das ist genau das Gegenteil wie ich mir eine Geburtsathmosphäre vorstellte. Letztendlich ist es ja so, dass ein Kaiserschnitt quasi überall gemacht werden kann (zur Not auch direkt auf dem Kreisaalbett 😉 und eine angrenzende Kinderklinik nur unbedingt nötig ist wenn die Kleinen zu früh kommen sollten. Notfallversorgungsbettchen (mit Sauerstoff und Co.) für die Erstversorgung ist in jedem Kreissaal vorhanden.

    Ok, ich will nicht zu viel reden. Du wirst deine Erfahrungen machen. Ich wünsche dir alles Gute weiterhin und drücke die Daumen, dass alles (oder besser das meiste) so kommt wie du es dir vorgestellt hast! 🙂

    • Wollt ich auch grad sagen – der klassischste Babynotfall ist ja ein Atemproblem oder dieses „Anpassungsproblem“ oder wies heißt, und da kann jedes KH sofort Maßnahmen einleiten. Gravierende Entwicklungsprobleme merkt man meist nicht spontan zur Geburt sondern entweder lang vorher oder in den ersten Tagen (Verdauung zB)… ich hab mich nicht schlau gelesen, WAS alles schief gehen kann, aber ich glaube man muss auch bei Zwillingen nicht sehr damit rechnen, dass schlimmeres als dieses nicht-schlimm-Schlimme passieren könnte. Find ich also keineswegs „riskant“, und wie du sagst: schlimmstenfalls müsst ihr eben verlegt werden, aber über die Notversorgung für Zwischenzeit (über was für nen Zeitraum reden wir denn, 30min???) muss man sich nicht sorgen…

      Ich finds toll, dass ihr so eine lukrative Möglichkeit habt, das lässt dich sicher die Restschwangerschaft entspannter angehen, als wenn du wüsstest du kannst nicht so entbinden wie du willst… alles Gute! ❤

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