Der Wundermann, das unbekannte Wesen

Ja, mein Wundermann. Er ist einfach ein Mann, über den man sich öfter wundern kann. Warum ich mich so aufgeregt habe weiß ich auch nicht so genau (vielleicht doch die Hormone?).

Ich bemühe mich mal, all eure Fragen und Anregungen zu beantworten. (Und  als kleine Randnotiz, weil diese Bitte per Mail an mich heran getragen wurde: Der Wundermann möchte nicht bloggen. Und ich erzähle hier die Dinge aus meiner Perspektive, es ist mein Tagebuch. Das mag ein bisschen einseitig sein, aber ich weiß nicht, wie ich die Gedanken des Wundermannes hier einbinden soll, wo ich sie doch selbst nicht so oft kenne. )

Bisher war ich immer eine sehr selbstständige Frau. Ich bin diejenige, die trotz Hochzeit ihr eigenes Konto behalten wollte, die einen Doppelnamen trägt, weil ich es doof finde den Geburtsnamen aufzugeben (schließlich ist er ein Teil von mir) und ich beim Spielen um den Nachnamen verloren habe (ja, wir haben darum gespielt, weil wir keine Einigung finden konnten…) und trotz eines sehr großen „Wir“ auch immer ein „Ich“ war. Natürlich haben wir unsere Entscheidungen immer gemeinsam getroffen, aber ich habe eben immer auch viel allein erledigt. Da spreche ich aber gerade nicht über Haushaltsdinge. Das haben wir bisher immer geteilt. Ich habe schließlich auch gearbeitet und es war für uns Beide immer klar, dass ich seine Frau und nicht seine Putzfrau bin, das war immer selbstverständlich. Wir haben uns das, bis er sich selbstständig machte, immer alles geteilt. Dann verschob sich das Gefüge etwas, denn plötzlich arbeitete der Wundermann sehr viel mehr. Also habe ich ein bisschen mehr Haushalt übernommen. Der Wundermann kochte jedoch immer am Wochenende, wenn ich gearbeitet habe und übernahm auch sonst noch Einiges. Von daher dürfte es für ihn selbstverständlich sein sich aktiv zu beteiligen.

Nun bin ich zu Hause und gehe nicht mehr arbeiten. Noch habe ich mein eigenes Einkommen und dann werde ich auch noch eine Weile Elterngeld beziehen. Danach werde ich zum ersten Mal abhängig sein und kann mein Leben nicht selbst finanzieren. Ich glaube, das macht mir angst und es ist eine völlig neue Lebenserfahrung für mich. Außerdem werde ich im Laufe der Schwangerschaft immer schwerfälliger und Einiges fällt mir so viel schwerer als vorher. Es ist auch völlig neu für mich, dass ich nicht einfach einkaufen gehen kann, wenn es mir gerade am Besten passt, sondern dass ich darauf angewiesen bin, dass jemand da ist, der mir das Tragen abnimmt. Plötzlich erfordert Staub saugen Planung, denn wir besitzen aufgrund der Tierhaare und der Wohnfläche einen Industriesauger, der zwar ganz prima saugt und nicht heiß läuft aber eben auch schwer ist und erst einmal aus dem Keller hoch gewuchtet werden muss. Ich muss plötzlich so häufig um Selbstverständlichkeiten bitten. Das sind viele Kleinigkeiten, die sich summieren, mir auf die Nerven gehen und ich auf der anderen Seite immer denke: Der Wundermann hat den ganzen Tag gearbeitet. Nun kommt er nach Hause und muss noch lauter Dinge für die hilflose Frau erledigen, die eigentlich im Moment nichts Anderes zu tun hat.  Natürlich ist das Quatsch. Ich bin schwanger und mein Körper ist ganz damit beschäftigt zwei kleinen Wunderwesen zum Leben zu verhelfen. Das ist anstrengend und ich muss auf mich achten. Trotzdem wohnt diese andere Seite in mir. Ich hoffe ihr könnt nachvollziehen, was ich meine?

Tja, und dann kam ich Samstag nach Hause. Gesundheitlich sehr angeschlagen, emotional durch den Wind und all das brach über mich herein: Wie sehr sich mein Leben ändern wird, dass Nichts so sein wird wie zuvor. Der Haushalt, der nun mein Hauptaufgabengebiet ist und sein wird. Vielleicht ist es auch die Veränderung, die unsere Partnerschaft gerade durchmacht, wir werden uns als Paar völlig neu finden müssen. Ich hatte einfach erwartet, dass es so ist wie früher. Niemals wäre ich früher nach Hause gekommen und DAS hätte mich erwartet. Ich fühlte mich plötzlich als Putzfrau, hatte das Gefühl, dass ich nun in diese typische Rolle schlüpfen muss weil ich nicht mehr arbeite. Und ich war so enttäuscht, traurig.

Gestern Abend habe ich mich durchgerungen und das Gespräch gesucht. Er hat meinen „Aufstand“ einfach nicht verstanden. Im Laufe des Gespräches haben wir festgestellt, dass er im Moment sehr fokussiert auf sich ist und er sich zu sehr unter Druck setzt, weil er uns gut versorgen will und er sich Sorgen macht seiner neuen Rolle als Alleinversorger nicht gerecht zu werden. Er hat diese Dinge im Haushalt nicht wahrgenommen und das Bett wollte er beziehen, als ich zu Hause war. Ihm ist klar, dass er helfen muss. Nur an das neue Frauenmodell zu Hause hat er sich noch nicht gewöhnt. Gerade ist alles im Umbruch, für uns Beide. Wir müssen uns wohl ganz neu definieren.

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5 Kommentare zu “Der Wundermann, das unbekannte Wesen

  1. Liebe Emma, ich habe gestern schon deinen Post gelesen und wusste erst gar nicht was ich dazu zu sagen hätte bzw wie.
    Umso schöner ist es jetzt zu lesen, dass ihr miteinander gesprochen habt und jeder seine Sorgen, Ängste und Gefühle äußern konnte und ernst genommen wurde. Super macht weiter so!!! Umbruch, Aufbruch all das braucht es wohl bis man eine Wunderfamilie ist 😉
    LG

  2. Ich sehe mich und meinen Mann darin sehr wieder. Ich habe mich druch die Schwangerschaft sehr verändert. Meine Nerven sind sehr dünn. Wenn ich nach einen acht Stunden tag nach Hause komme bin ich durch. Da nervt mich alles. Mein Mann hilft zwar immer im Haushalt, muss jetzt aber mehr machen als vorher. Das führt zu Unzufriedenheit bei Ihm, da er beruflich sehr eingespannt ist und weniger Zeit für sich hat. Ich sehe es manchmal als selbstverständlich, immerhin trage ich unser Kind aus.
    Wir müssen uns glaube erst an die neue Situation gewöhnen. Wir schaffen das.
    Wünsche Dir und den Wundermann alles Gute.
    Wir haben ja schon mehr als die Hälfte geschafft

  3. Ich verstehe Dich! Ging mir genau so. Ich war ab der 20ten SSW zuhause. Hatte das Gefühl, dass es einerseits jetzt meine Aufgabe wäre den gesamten Haushalt zu führen, da ich ja quasi „nix anderes“ zu tun habe, andererseits habe ich schnell gemerkt, dass ich körperlich nicht dazu in der Lage bin. Mein Mann war natürlich auch ko von der Arbeit und wollte nicht auch noch zuhause alles machen. Konnte ich auch verstehen. Hat bei uns zu ständigen Zoffereien geführt. Aber ich glaube das geht dem Großteil aller werdenden Eltern so. Mir hat öfters auch mal meine Mom oder das Schwiegermonster geholfen. Die haben das gerne gemacht. Ich hatte den Stress nicht mehr und mein Mann hat sich nicht mehr so überfordert gefühlt.
    Lg Tanja

  4. Liebe Emma,
    wie schön, dass ihr euch aussprechen konntet. Diese Situation ist für euch beide neu und alles verändert sich, ich denke, da braucht auch jeder seine Zeit, um sich darauf ein bzw. umzustellen. Und Männern fällt wirklich manches nicht so auf, was gemacht werden müsste, das kenne ich auch von meinem Mann. Ich glaub, die haben auch ein bißchen andere Vorstellung von Ordnung 😉
    LG Feb

  5. Ja so ist das. Das sagt einem nur leider keiner vorher (es gibt leider viel zu wenig Gespräche von Eltern- zu Nicht-Eltern um sich auf solche Dinge vorzubereiten). Aber ihr habt ja noch ein paar Monate Zeit, euch ein bisschen zu arrangieren. Und ich verspreche dir, wenn die Babys da sind, wird noch mal alles umgeworfen damit ihr euch nicht zu sehr dran gewöhnt. 😉

    Elternwerden ist eben auch eine große Herausforderung für die Beziehung. Aber ich bin mir sicher, ihr schafft das. Ganz bestimmt! 🙂

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