Zu Hause

Gestern war der große Tag, ich wurde vom Krankenhausbett ins heimische Bett entlassen. So war zumindest der Plan. „Frau Wunder, sie dürfen nach Hause. Aber sie werden sich hinlegen und ausruhen. Von einem Bett ins Andere. Und da bleiben sie so lange bis auch der letzte Rest der Krankheit verschwunden ist.“ Die Realität sah allerdings anders aus. Ich kam heim und durfte feststellen, dass der Haushalt brav auf mich gewartet hat. Ich musste gestern also direkt waschen, denn ich besitze nicht sehr viele Umstandssachen, und die nötigsten Aufräumarbeiten machen. Ihr müsst wissen, dass ich Chaos nur schlecht ertragen kann und ich mich nicht hinlegen kann wenn um mich rum altes Geschirr und anderes Chaos auf mich warten. Dann habe ich immer im Kopf was ich noch alles erledigen muss. Und ich fühle mich dann einfach unwohl. Seitdem ich schwanger bin ist das noch schlimmer geworden.

Der Wundermann war auch krank. Ich hatte nicht erwartet, dass er geputzt hat oder Ähnliches. Aber so ein Minimum wie ein frisch bezogenes Bett, wenn er die ganze Woche darin geschwitzt hat, und die winzigsten Aufräumarbeiten wie Post ins Büro und nicht auf den Nähtisch, Hundeleine im Aufbewahrungskörbchen und nicht auf dem Fußboden, keine überquellenden Mülleimer und saubere Tiernäpfe? Ich kam herein und fühlte mich nicht willkommen, eher: Endlich ist die Putzfrau wieder da. Früher wäre das nie so gewesen. Er hätte sich einfach Mühe gegeben, mir gezeigt, dass er sich freut. Je näher er seiner Vaterrolle kommt desto weniger habe ich das Gefühl, dass er gern Dinge für uns tut. Ich muss um alles mehrmals bitten, oft ist es ihm zu viel. Und ich fühle mich ziemlich hilflos, denn ich kann und darf ganz einfach viele Dinge nicht mehr tun und bin auf Hilfe angewiesen. Ich bemühe mich schon ihm nicht zu viel zuzumuten, aber sollte er es nicht vielleicht gern tun? Ich meine, wir reden hier von Kleinigkeiten wie Wäsche tragen, Holz für den Ofen holen und solchen Dingen. Nichts, was ihn stundenlang aufhalten würde. Trotzdem wird ihm alles zu viel.

Er hat gestern das Bett bezogen und auch beim Aufräumen geholfen, als er meine Tränen sah. Verständnis hatte er keines und er hat sich auch nicht darum bemüht. Für mich brach gestern einfach so viel über mich herein, ein Ausblick darauf wie mein Leben sich verändert. Ich werde viel allein schaffen müssen, meine Rolle wird sich komplett verändern. Ich gebe meine heißgeliebte Selbstständigkeit auf und mache mich abhängig, um unsere Kinder zu erziehen. Ich habe das frei gewählt, aber die Konsequenzen in ihrer Gesamtheit werden mir jetzt erst klar. Das kostete mich viele Tränen und macht mir auch Angst. Ein Gespräch darüber war nicht möglich. Ich habe mich gestern Nachmittag ins Schlafzimmer verzogen und seitdem sprechen wir nicht mehr miteinander.

Vielleicht erwarte ich einfach zu viel. Es schmerzt mich, dass schon jetzt alles so anders ist. Aber ich werde mich daran gewöhnen und in diese neue Rolle hinein wachsen. In der Waschmaschine ist gerade die sechste Ladung, das Haus ist aufgeräumt. Das Putzen verschiebe ich bis es mir besser geht und überlege mir eine Putzfee zu gönnen bis es mir selbst nicht mehr so schwer fällt das große Haus sauber zu halten und ich es noch selbst bezahlen kann. Ich heize einfach nicht mehr mit Holz sondern drehe die Heizung an und bitte meinen Vater um die nötigen Reparaturen im Haus. Die Wäsche werde ich selber tragen, dafür laufe ich eben öfter mit wenig Gewicht. Es wird gehen und der Wundermann kann sich vielleicht wieder entspannen. Wer weiß.

(Ich hätte nie gedacht, dass es dem Wundermann je zu viel wird seine Frau mit einem frisch bezogenen Bett zu erwarten. Egal wie krank er ist/war. Zeiten ändern sich.)

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9 Kommentare zu “Zu Hause

  1. Liebe Emma,
    ich höre genau mich sprechen.
    Nach München war ich es, die die Koffer ausgeräumt und hochgetragen hat. Nachdem ich 5 mal gebeten hatte endlich die Kiste mit Weihnachtsschmuck hochzutragen und er 5 mal ohne was in den Händen hoch lief hab ich es selbst gemacht. Wenn ich am Abend sage, dass mir kalt war und er mich frägt warum ich denn den Ofen nicht anmache und ich antworte weil wie immer kein Holz da sei und ich im Schnee nicht das schwere Holz holen will kommt: ,,Bewegung in der Schwangerschaft tut gut und dann läufst halt öfters“
    Ich glaube die Wundermänner checken das einfach nicht, die verstehen nicht, dass wir nicht mehr die Powerfrauen sind die Schneeschippen (was ich leider auch schon gemacht habe schäm) und Holz hacken und holen.
    Doch lass dir gesagt sein, wir werden uns rechen 🙂 Die nächste Grippe da darf er auch allein durch und wenn er dann vorm Ofen friert sage ich: ,,frische Luft hat noch niemandem geschadet :D“

  2. Klingt gar nicht schön.

    Deine Gefühle und Gedanken kann ich gut nachvollziehen. Auch ich hasse es wenn die Wohnung nicht so ist wie ich es mir wünsche und kann erst zur Ruhe kommen wenn es meinen Vorstellungen entspricht. Nicht das hier kein Staub liegen würde aber eine gewisse grobe Grundordnung muss sein. Auch für mich ist nichts schlimmer als Andere immer um etwas bitten zu müssen (auch wenn man oft nicht drum herum kommt). 😉

    Warum er sich so wenig um euch bemüht ist mir ein Rätsel. Wenn die beiden Würmchen da sind brauchst du Hilfe. Ohne Dir Angst machen zu wollen aber dann hat man kaum noch Zeit für irgendetwas. Dann ist man froh, wenn die Zeit ausreicht im sich im die Babys zu kümmern. Da brauchst du ihn weit mehr als jetzt. Vielleicht kannst du dich mal nach einer Haushaltshilfe umschauen. Teilweise bekommt man die Hilfe für die ersten 3 Monate auch vom Amt bezahlt.
    Auch wenn es schwer fällt, irgendwann solltet ihr noch einmal über das Thema reden. Zum Einen damit er sich noch mal seiner Verantwortung bewusst wird aber auch damit du weißt woran du bist.

    Fühl dich gedrückt, Liebe Grüße Nad

  3. Mir tut es unendlich Leid das zu lesen. Mein Mann hat während meiner Zwillingsschwangerschaft den gesamten Haushalt geschmissen und hilft mir auch jetzt bei allem möglichem. Ich verstehe nicht warum dein Mann nicht einsieht dass du jetzt jegliche Entlastung gebrauchen kannst…Ist er sich bewusst wie das Leben sein wird, wenn die Kleinen bis da sind? Versteh mich nicht falsch: das Leben mit Zwillingen ist super- sofern beide Elternteile mit anpacken. Dann ist es nämlich nur selten stressig und chaotisch und du kannst alles viel mehr genießen!

  4. Oh man. In mir schreit alles NEIN! Nein, du musst dich nicht an deine neue Rolle gewöhnen. Nur weil du zuhause bleiben wirst, bist du nicht die Hausfee und er kann die Füße hochlegen sobald er nach hause kommt. Du wirst zwei Babys zuhause haben und damit allein schon reichlich ausgelastet sein.
    Wie soll das werden? Wenn du im Krankenhaus bist und mit zwei Babys heim kommst? Dann erstmal putzen nach ner Geburt? Neee!! Da bist du im Wochenbett und er muss auch was tun. Das gleiche jetzt. Du bist schwanger, du sollst dich schonen. Das geht doch nicht dass er nichts macht.

    Bitte bitte sprecht darüber, steh für dich und deine Babys ein und bring ihn zu Verstand.

    Ich wünsche euch, dass ihr einen guten Weg findet.

  5. Schön, dass Du wieder zu Hause bist! Das Verhalten Deines Mannes ist allerdings weniger schön. Dabei sollte er sich so langsam wirklich drauf einstellen, im Haushalt viel/mehr zu tun. Ich kann nur aus eigener Erfahrung berichten: selbst mit nur einem Kind komme ich zu absolut nichts, da unser Kleiner tagsueber nicht „alleine“ (also in der Wiege) schlafen kann. Erst jetzt, wo er sich auch mal ne Weile selbst beschäftigen kann unterm Spielbogen, komme ich ab und zu zu was. Lange dauern diese Momente aber nie, und meist nutze ich sie dann auch eher dazu, mal aufs Klo zu gehen, als den Besen zu schwingen.
    Weiter gute Besserung Dir!

  6. Liebe Emma, der erste Gedanke, der mir kam war folgender: Überforderung. Dein Mann ist überfordert. Er hat vielleicht nicht wirklich damit gerechnet, was es heißt – Eltern zu werden. Endlich seid Ihr schwanger, dann mit Zwillingen, dann musst Du ins Krankenhaus, zwischendurch immer wieder irgendwelche Ängste, dauernde Ängste. Vielleicht hat er sich das „romantischer“ vorgestellt und nicht so anstrengend. Dann war er selbst auch noch krank (ist Dein Mann einer, der dann sehr leidet…?), die Sorge um Dich und seine Kinder…das reicht alles schon, um kurz den Mut und die Kraft zu verlieren und dabei nicht an den Haushalt zu denken ! Hast Du vorher auch immer alles „alleine“ gemacht? Männer gewöhnen sich daran und wundern sich, wenn es Frau dann auf einmal nicht in Ordnung findet, dass er nichts macht. Sicherlich könnte er mehr Feingefühl zeigen – ich bin mir sicher, dass er das auch zügig wieder tut! Lass ihn kurz atmen. … und ohne reden kommt ihr nicht weiter. Gehe am besten früh genug drauf ein, eine Freundin von mir (auch Zwillinge) hatte ganz schön viel zu tun, da ihr Mann nicht wirklich viel getan hat, denn er war ja den ganzen Tag arbeiten. Irgendwann hat sie mal ordentlich auf den Tisch gehauen – das hätte sie schon viel eher machen müssen – seitdem läufts besser.
    Ich hoffe, es ist heut schon wieder gut bei Euch!

  7. Ach, liebe Emma. Ich kann dich beruhigen, denn ich kenne das ein bisschen so von meiner ersten Schwangerschaft. Die Männer nehmen die Veränderung nun mal viel später war als wir Frauen, die merken wie sich innerlich und äußerlich am Körper schon einiges tut. Ich war damals auch enttäuscht, als der MK den großen Ultraschall in der 20. Woche absagte und stattdessen ein die wöchentliche Besprechung im Büro vorzog. Ich muss rückblickend sagen, dass sich für den zukünftigen Papa wohl alles noch so weit weg und ein wenig fremd angefühlt hat. Er konnte nicht verstehen, warum ich in der 15. Woche schon den ersten Strampler kaufte und sichtbar an den Kleiderschrank im Schlafzimmer hing. Für ihn war alles surreal, was auch die Situation zeigt, dass er mich 2 Tage vor der Geburt noch alleine zu Ikea fahren ließ damit ich noch die letzten Sachen für den Wickelplatz kaufe (Wickelauflage, Waschschüssel und Co.), weil er bei einer Tagung war. Und das war nicht wenig zu schleppen. Aber ich habs gemacht, wie so vieles in der Schwangerschaft von dem ich weiß, dass ich mich beim nächsten Mal lieber zurück halten werde (da ich schon sehr früh Wehen hatte). Ich glaube es fiel uns beiden schwer von alten Mustern und Rollen Abschied zu nehmen und uns neu zu arrangieren. Ich von meiner Wäschewaschordnung und auch ein wenig dem anderen Haushaltskram und der Mann von seinen alten Verhaltensweisen das meiste Organisatorische mir zu überlassen und einfach mal so von sich aus mitanzupacken (die meisten Männer brauchen in Haushaltsdingen halt klare Ansagen). So richtig eingespielt haben sich unsere neuen Rollen erst mit der Geburt und dem Elternwerden als wir aus dem KH heim kamen. Da machte der Mann plötzlich die Wäsche (und es fiel mir plötzlich leicht das aus der Hand zu geben) und übernahm auch andere Pflichten. Es ging ja quasi gar nicht anders weil ich rund um die Uhr mit dem Baby beschäftigt war und mit der Zeit hat sich auch der Mann an seine neuen Aufgaben gewöhnt. In den ersten Wochen konnte ich mir nicht vorstellen ihn mal länger mit dem Baby alleine zu lassen weil ich dachte, er macht alles falsch. Inzwischen habe ich gelernt zu vertrauen und genieße meine Auszeiten bei gleichzeitiger Papa-Tochter-Zeit (und er ist inzwischen großartig angekommen in seiner Rolle als Vater). Und ich glaube beim zweiten Kind wird es schon in der Schwangerschaft ganz anders werden, weil wir (insbesondere er) schon wissen was auf uns zukommt.
    Was ich mit allen sagen will: Gib deinem Mann einfach Zeit und redet immer wieder miteinander, falls dich etwas stört. Reden ist nun mal die beste Medizin.. Es gibt auch so ein kleines Büchlein, das habe ich damals bestellt und dem Mann „als Wink mit dem Zaunpfahl“ geschenkt (damit er sich mal bewusst mit den Veränderungen auseinander setzt):
    http://www.bzga.de/botmed_13510000.html

    Alles Gute für euch und die Zwillinge!

  8. Liebe Emma,
    Ich glaube wir beide würden uns gut verstehen – und unsere Männer auch. Alles, was du beschrieben hast, kommt mir bekannt vor. Ich bin in seinen Augen eine Ordnungsfanatikerin. Das Problem dabei sind die unterschiedlichen Hemmschwellen. Meinen Mann stört Unordnung nicht, ich hasse es. Er sieht gewisse Dinge einfach nicht. Mir ist es wichtig, dass alles seinen Platz hat, ihm ist es egal. Das wird aber nicht besser, wenn deine Mäuse da sind, gaaaaanz im Gegenteil! Deshalb zwei gute Ratschläge von mir:
    1) du brauchst eine Putzfrau! Unbedingt! Kümmere dich sofort darum! Ich liebe meine mehr als mein Leben, obwohl sie nur alle 2 Wochen kommt.
    2) mache eine Aufgabenteilung mit deinem Mann. Auf meiner Liste stehen bei mir so ca. 30 Dinge, bei ihm nur 5, aber es ist immerhin etwas. Was magst du am Wenigsten – Müll rausbringen, Bankgeschäfte? Setz das auf seine Liste!
    Ich kann dich so, so gut verstehen! Ihr schafft das!
    LG Katrin

  9. Liebe Emma,
    ich bin so froh, dass wir eine Putzfrau haben. Ganz ehrlich. So teuer ist das nicht und man hat sehr viel weniger Stress. Selbst meine Freundin war irgendwann mit dem zweiten kind und dem großen Haus so weit, dass sie sich Hilfe ins Haus geholt hat. Das war das Beste was sie sich und ihrer Familie gönnen konnte.
    Mein Mann ist schon sehr darauf bedacht, dass ich mir nicht zu viel zumute. Wenn ich Unterstützung brauche, dann darf ich gern darum bitten. Ich darf nur nicht erwarten, dass es sofort erledigt wird. 😉 Aber da darf ich mich einfach nicht drüber ärgern…
    Aufgabenverteilung finde ich gut. Mein Mann geht samstags einkaufen und kocht am Wochenende. Das war auch schon vor der Schwangerschaft so. Ich kümmer mich dann um die Wäsche. Mit dem Hund gehe ich noch raus. Heute morgen hat er aber schon gefragt, ob er es denn bald übernehmen soll, dass ich mich da nicht überanstrenge. Da hab ich ihn z.B. beruhigen können und gesagt, dass er das erst übernehmen muss, wenn es mir wirklich schlecht geht und auf jeden Fall, wenn das Kind da ist (mit Wochenfluss hab ich sicher keine Lust früh morgens das Haus zu verlassen!).

    Ich hoffe bei dir gibt sich die Situation wieder und dir geht es bald wieder gut.
    LG
    Nicole

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