Schrecken in der Nacht

Ich bin ein Angsthase. Das wissen wir ja alle. Und daher war es extrem schwierig für mich die Babies so lange nicht zu sehen. Mein Mantra lautete daher immer: Solange ich keine Blutungen habe, geht es den Babies gut. (Ich weiß, dass es auch anders sein kann, aber an irgendetwas muss ich mich ja festhalten.) Ich habe also argwöhnisch beobachtet, Toilettenpapier kontrolliert und so weiter. Und der Wunderbauch war immer brav: Keine Krämpfe, kein Blut. Bis letzte Nacht.

Im Moment stehe ich ja, um Übelkeit zu vermeiden, nachts auf um eine Kleinigkeit zu essen. So auch vergangene Nacht um drei Uhr. Zur Toilette muss ich dann auch immer und da war es. Routinemäßig kontrolliere ich also das Papier (entschuldigt die Details) und da war es rostrot. Ich traute mir nicht, schließlich war ich gerade erst aufgestanden. Also erneut Papier benutzt mit dem selben Resultat. Herzklopfen, Panik, Tränen. Heute ist 10+3 und so kurz vor dem Ende der „kritischen Zeit“ so eine böse Überraschung. Mein erster Impuls war den Wundermann aufzuwecken und ins Krankenhaus zu fahren. Dann aber versuchte ich mich zu beruhigen: Es war nur wenig Blut, ich hatte keine Schmerzen, es war kein frisches Blut. Schnell noch Google befragt und, man lese und staune, es hat mich ausnahmsweise nicht noch panischer gemacht. Den Wundermann habe ich schlafen lassen und mit den Babies ausgemacht, dass wir direkt morgens zum Arzt gehen.

Endlich wurde es halb sieben, Wundermannaufstehzeit. Ich berichtete direkt von letzter Nacht und Tränen liefen erneut. Ihr könnt euch überhaupt nicht vorstellen, wie groß meine Angst war. Der Wundermann beschloss später zur Arbeit zu gehen (manchmal hat es Vorteile selbstständig zu sein) und mich zu begleiten. Er war so entspannt und war der Überzeugung, dass alles gut ist, meine Welt stand aber Kopf, denn schließlich war mein einziger „alles-ist-gut-Halt“ weggefallen.

Ausgerechnet heute war mein Arzt nicht da, so musste ich zu einer Vertretung gehen. Die Ärztin war sehr nett und einfühlsam, obwohl wir ohne vorherigen Anruf auf der Matte standen. Und nun das Wichtigste: Den Babies geht es gut. Sie waren beide quietschfidel, zappelten fröhlich, und wisst ihr was? Es sind nun richtige, wundervolle, vollständige Menschlein. Ein Baby spielte mit seinen Händen (mit winzigen Fingern dran) und das andere turnte fleißig herum. Die Herzen schlugen kräftig und regelmäßig, sie sind genau richtig groß und einfach bezaubernd. Ich bin schrecklich verliebt und so erleichtert. Die Ursache der Blutung? Die Ärztin konnte es nicht genau sagen, hatte aber verschiedene Theorien: Vielleicht ist es eine Blutung die durch das Absetzen von Utrogest entstanden ist, das kann mit Verzögerung sein. Oder es ist eine Blutung die durch das schnelle, zwillingsbedingte Wachstum der Gebärmutter geschehen ist. Kontaktblutungen durch Herzeln kann ausgeschlossen werden, das hat die Übelkeit zuverlässig verhindert. Das Beste ist aber: Um die Bauchzwerge muss ich mir keine Sorgen machen, denen geht es prima. Nun darf ich zwei Wochen nicht baden, schwimmen oder Herzeln, darf mich viel ausruhen und am Freitag habe ich meinen regulären Vorsorgetermin bei meinem Arzt.

Liebe kleine Wunderwesen,

ihr habt mir einen solchen Schreck eingejagt. Ich bin so froh, dass es euch gut geht. Es ist unglaublich, wie sehr ihr gewachsen seid. Ich bin so verliebt…

(Liebe Nani, danke für’s taggen. Ich kümmere mich bald darum.)

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Wie ich auszog um die Übelkeit zu besiegen.

Diese ständige Übelkeit und ich, wir sind wirklich keine Freunde. Tag für Tag quält sie mich und kichert vermutlich böse. Sie hat mich bereits drei Kilo Körpergewicht gekostet und Einiges an Schwung, Fröhlichkeit und Leichtigkeit. Ich nerve mich selbst aus verschiedensten Gründen, Lebensmittel einkaufen wird zum Horrortrip und jeder Ausflug, der von der heimischen Toilette wegführt, macht ein bisschen Angst (Mantra: bitte jetzt nicht k****n, bitte jetzt nicht k****n…). Und da das hier kein Dauerzustand werden soll und ich meinen beiden Wunderwesen auch ein paar Glückshormone gönne, muss eine Lösung her.

Ich habe diverse Dinge ausprobiert, eure Ratschläge beherzigt und für mich neu zusammengebastelt. Hier nun mein persönliches Geheimrezept: Hunger muss SOFORT gestillt werden, er duldet keinen Aufschub sondern bestraft mit K****n. Also ist immer etwas Essbares in der Nähe. Bonbons funktionieren auch sehr gut. Ich stehe nachts auf und esse eine Kleinigkeit, denn die nächtliche Essenspause ist sonst viel zu lang. Wenn ich öfter wach werde, esse ich jedes Mal etwas, denn wach heißt Hunger, und zwar SOFORT. Tagsüber esse ich viele, viele Zwergenportionen. Ich muss bestimmte Gerüche absolut meiden, zu enge Kleidung führt zu Unwohlsein mit Folgen, aber Nausema ist mir  wenigstens eine Hilfe. Wenn ich all das einhalte bleibt es bei einer Toilettenumarmung pro Tag. Das lässt sich aushalten, finde ich.

Nun muss ich noch 6x schlafen bis ich endlich wieder zum Arzt darf. Dann habe ich vier Wochen seit dem letzten Termin geschafft. Ich habe so viel Angst, bin schrecklich ungeduldig und gleichzeitig freue ich mich darauf. Hoffentlich ist alles gut…

Mein wunderbarer Wundermann

Was würde ich nur ohne ihn tun? Er ist einfach der perfekte Mann, für mich, für uns. Es ist einfach unglaublich, was er leistet und ich wüsste manchmal nicht was ich ohne ihn tun sollte.

Der Haushalt lag brach, ich war einfach nicht in der Lage zu irgendetwas. Der Wundermann verlor kein Wort darüber. Ich konnte teilweise nicht kochen. Der Wundermann stellte sich ohne mit der Wimper zu zucken nach seinem 14-15 Std-Tag an den Herd, kochte sein Essen und bereitete mir was nach Sonderwunsch zu. Er kam nicht auf die Idee seine nebenan wohnende Mutter darum zu bitten, sondern tat es selbst. Er übernahm vor und nach der Arbeit Hunderunden, machte das Nötigste im Haushalt,ging einkaufen und schaffte es dennoch sich rührend zum mich zu kümmern. All meine Ängste und Sorgen hörte er sich an und war immer einfach ganz positiv. Alles wird gut. Das hat er versprochen, so sicher ist er sich. Er verspricht niemals etwas, was er nicht halten kann. Während seiner knappen Freizeit schafft er es sogar noch diverse Schwangerschafts- und Zwillingsbücher zu lesen und im Internet nach Allem zu recherchieren, was wir bald kaufen müssen. Dass er Vater wird, erzählt er überall, ganz egal, wie nahe wir diesen Menschen stehen. Es ist ein Wunder, dass er es nicht auch noch der Kassiererin im Supermarkt erzählt. Ich finde das wunderschön.

Liebe Wunderwesen,

ihr habt einen wundervollen Vater, der vor hat sämtliche Babykurse mit uns zu besuchen, ganz egal wie die Väterquote dort ist. Er freut sich wie wahnsinnig auf euch und kann es kaum erwarten euch endlich beim allabendlichen Bauch massieren zu spüren. Er wird vermutlich der allerbeste Vater der Welt. Gut, dass wir ihn haben.

Jammern erlaubt?

Da bin ich nun, am Ziel meiner Träume: Ich bin in der 10. Woche schwanger und erwarte Zwillinge. Eigentlich müsste ich der glücklichste Mensch der Welt sein, denn schließlich habe ich seit Jahren nur diesen einen Wunsch und habe eine Menge investiert um ihn wahr werden zu lassen.

So einfach ist das aber scheinbar nicht. Mein Alltag ist eher ein ganz Anderer als erwartet. Diese ständigen Wehwehchen strengen mich wahnsinnig an und schränken mich auch sehr ein. Ich kann nichts planen, denn selbst wenn ich das Gefühl habe, dass heute ein guter Tag wird kann das in einer Stunde ganz anders sein. Nach meinem Fast-K**z-Erlebnis im Supermarkt gehe ich nicht mehr einkaufen. Ich weiß nie, ob ich es schaffe Verabredungen einzuhalten, eigentlich findet mein Leben momentan eher zu Hause statt. Und seitdem sich das Er.brechen nicht mehr ankündigt, sondern spontan von jetzt auf gleich passiert, ist mein Radius noch ein bisschen kleiner geworden. Ich achte penibel darauf, dass ich ausreichend Fluchtwege Richtung Bad habe. Und da sind ja noch die anderen Symptome, von denen ich gar nicht erst anfangen will. Dann bleibt nur noch eine Frage: Darf ich als gebeutelte Kinderwunschfrau am Ziel meiner Träume eigentlich jammern oder ist lächelndes Mund halten angesagt?

Liebe Wunderwesen,
ich bin unglaublich dankbar, dass ihr da seid. Alle versichern mir, dass es ein gutes Zeichen ist wenn es mir schlecht geht, denn das würde bedeuten euch geht es gut. Ich nehme das alles sehr gern auf mich, für euch. Und hoffentlich kann ich es bald ein bißchen genießen. Ich hoffe, dass ich mir das wünschen darf.

120 Jahre

Nun weiß ich, wie ich mich als sehr alte Frau fühlen werde. Das wird so wie heute sein. Ich habe einen Ausflug in den Drogeriemarkt gewagt, der ungefähr 20 min gedauert hat, plus 20 min für Hin-und Rückfahrt. Benötigte Erholungszeit dafür waren zwei Stunden Tiefschlaf. Nicht erledigte Aufgaben: Umstandshosen zum Kürzen bringen, Armbanduhr zum Batteriewechsel abgeben. Es war schlicht nicht möglich. Als ich endlich im Auto saß schnaufte ich wie nach einem intensiven Training und brauchte einen Moment, bis ich fahren konnte. Meine süßen kleinen Wunderwesen benötigen einfach einen gaaaanz großen Teil meiner Energie. Langsam bin ich für das Berufsverbot total dankbar, ich schätze ich wäre gar nicht in der Lage irgendwas Produktives beizusteuern…

Nun zur Übelkeitsfront: Heute musste ich mich nur 2x näher mit der Toilette einlassen, jedoch war es mindestens gefühlte 100x kurz davor. Ich musste mir geruchsfreies Duschgel besorgen, weil mir von allem Anderen schlecht wird. Zähne putzen ist eine weitere Herausforderung, leider habe ich noch keine Zahncreme gefunden die mich nicht so quält. Alles in Allem gibt es haufenweise kleine Anzeichen, dass die Wunderwesen noch da sind. Dafür bin ich wahnsinnig dankbar und hoffe so sehr, dass es ihnen wirklich gut geht, trotz der sehr verminderten Nährstoffzufuhr in den letzten Tagen… Hoffentlich hatte ich genug Reserven für die zwei…

Nun muss ich noch genau 16 Tage bis zum nächsten Ultraschall aushalten.

WordPress und ich lernen uns gerade kennen, es ist am Anfang ein bisschen schwierig sich hier zurecht zu finden. Aber es bietet mir so viele Möglichkeiten, dass ich bis jetzt total zufrieden bin. Und ich freue mich sehr, dass ihr auch hier seid.