Zuwachs der tierischen Art

Wer mich bei Twitter verfolgt, weiß es schon. In ungefähr acht Wochen wird ein kleiner Hundewelpe bei uns einziehen. 

Das ist ziemlich aufregend, und wir alle freuen uns wie wild darauf. Es gibt bei uns ja schon zwei Haustiere: Unser Kater, 12 Jahre alt und extrem gutmütig, und unsere Hündin, mittlerweile 8 Jahre alt. Wir haben uns mit dieser Entscheidung viel Zeit gelassen. Der Zeitpunkt ist jetzt einfach der Beste, denn unsere Hündin ist uns recht gut gelungen und sie ist genau in dem richtigen Alter ihre Erfahrungen und Gelerntes an einen jungen Hund weiterzugeben, aber auch noch nicht zu alt, als dass ihr ein Jungspund über den Kopf wachsen würde.

Also dachten wir: Jetzt oder nie und haben uns auf die Suche nach dem passenden Züchter gemacht. Zuerst war ich da zwiegespalten, denn ein Hund aus dem Tierschutz ist eigentlich die bessere Wahl. Es gibt so viele Tiere, die ein zu Hause brauchen. Trotzdem haben wir uns dagegen entschieden, weil mir das unter unseren Lebensumständen zu heikel war. Diese Tiere bringen immer auch eine Geschichte mit, oft eine unbekannte. Daher haben wir uns für einen Welpen entschieden, der aus einer verantwortungs- und liebevollen Zucht stammt.

Viele Telefonate und Emails später hatten wir endlich Jemanden gefunden, der unseren Vorstellungen entspricht und das Beste: Sie mochte uns auch. 

Dann hieß es warten, denn dort werden Welpen nicht am Fließband produziert (ein wichtiges Auswahlkriterium!). Zuerst auf den Zeitpunkt, dass die Hundemama überhaupt eine Hundemama werden kann, dann darauf, ob sie wirklich tragend ist, und dann, ob auch wirklich ein Rüde dabei ist. 

Das war nämlich ein nicht verhandelbarer Punkt. Unsere Tierärztin hat uns so beraten, weil die Wahrscheinlichkeit, dass es unter Hündinnen zu Zoff kommt, sehr viel größer ist und sie uns daher eindringlich zu einem Rüden geraten hat. Da wir natürlich wollen, dass alle mit unserem Zuwachs glücklich sind, wollten wir uns gern daran halten. Und erfahrungsgemäß verträgt Smilla sich mit Rüden tatsächlich deutlich besser. 

Mittwoch Morgen wurden dann vier Welpen geboren, und sie sind alle männlich. 

In ungefähr acht Wochen werden wir wieder ein Baby im Haus haben! ❤️ 

Smilla (rechts) mit Nachbarshund.

Darf ich das eigentlich? 

So manch einer wird sich vermutlich denken: Die spinnt doch! Die soll mal lieber froh sein. Könnt ja alles viel schlimmer sein. 

Ja. Habt ihr Recht. Aber. 

Hier geht es um mich und um mein Gefühl für mich selbst. Um Selfcare und um so vieles mehr. Zum Einen esse ich wirklich, wirklich gern. Und zum Anderen verzeiht mein Körper mir das nicht mehr so einfach. Ich muss oft verzichten, obwohl ich etwas Bestimmtes wirklich gern essen möchte, der Vernunft wegen. Das war ich überhaupt nicht gewöhnt und das stört mich. 

Mehr Bewegung heißt auch erhöhter Kalorienbedarf. Das kommt mir also sehr entgegen. 

Und dann ist da noch dieses Ding mit dem gesund bleiben. Ich arbeite in der Pflege. Das ist harte, körperliche Arbeit, ich bewege relativ viel Gewicht. Im Moment habe ich nach jedem Dienst Rückenschmerzen und kann mich kaum noch bewegen. Wenn ich regelmäßig Sport mache und Rücken- sowie Bauchmuskulatur habe, kann ich beschwerdefrei arbeiten. Ich werde in diesem Job mit Sicherheit noch 30 Jahre arbeiten müssen. Und das wird im Laufe der Zeit mit Sicherheit nicht leichter. 

Und zu guter Letzt: Es geht um mich. ICH muss mich wohlfühlen. Mein Mann findet mich wunderschön, der Gute. Und mit Sicherheit gibt es noch mehr Menschen in meinem Umfeld, die meine Zweifel einfach nicht verstehen können. Aber um die geht es nicht. Ich muss mit mir leben und möglichst zufrieden und glücklich sein. 

Ja. Ich darf das. Ich darf mir wünschen, wieder mehr essen zu können, mich schöner und gesünder zu fühlen. Auch wenn ich nicht adipös bin. Und ich darf euch teilhaben lassen. 

Ich freue mich, wenn ihr mich auf diesem Weg begleitet. 

Ein halbes Spiegelselfie bei der Arbeit.

Jetzt reicht’s! 

Schon das ganze Jahr lang quäle ich mich rum. Beginne mit dem Sport, werde krank, kann mich lange nicht erneut motivieren, beginne mit dem Sport, erste Erfolge, YEAH!, ich brauche mal ne Pause, kann mich lange nicht erneut motivieren, ich nehme drei Kilo ab, vier wieder zu, repeat. 

Ich bin wirklich unglücklich mit mir und meinem Nachschwangerschaftskörper. Er verzeiht nicht mehr so viele Sünden und Faulheiten wie zuvor, und ich war immer schlicht zu bequem. 

Schluss damit! Und dieses Mal wirklich. 

Heute startete ich ein Programm, dass mich Geld kostet, in der Hoffnung, dass das meinen Schweinehund wenigstens etwas in Schach hält. Hoffentlich. Bitte. Dieses Programm besteht aus Ernährung und HIIT- Workouts. 

HIIT steht für HochIntensives IntervallTraining, hier könnt ihr etwas mehr darüber erfahren. Kostet nicht viel Zeit, braucht keine Geräte, kann ich zu Hause erledigen… klingt perfekt für mich. Kostenlose Trainingsvideos gibt es im Netz auch reichlich, aber ich brauche scheinbar einen größeren Ansporn. 

Heute startete ich mit einem HIIT für den Unterkörper und morgen erwartet mich bestimmt ein großer Muskelkater. 

Und weil ich nicht mit Eigenmotivation geize: Seid hier live dabei, wie ich schwitze, jammere, mich neu motivieren und hoffentlich auch feiern muss. 

Die harten Fakten: 

So sehe ich heute in Sportkleidung aus:

Meine aktuellen Maße: 

Bauch: 83.00 cm

Arm: 31.00 cm

Brust: 90.00 cm

Oberschenkel: 56.00 cm

Gewicht: 65.00 kg

Größe: 1,65m

So. Genug blank gezogen. Los geht’s! 

Ein heikles Thema.

Mara kommentierte zu meinem letzten Post: „Mmh, ich frage hier ein bisschen provokant: Und wenn ihre Körper nicht perfekt wären? Es wären ja dennoch – und schon jetzt – eure beiden Kinder, oder?“ und spricht damit ein Thema an, dass ich schon öfter für einen Post andachte, ich aber immer wieder verschoben habe. Denn es ist kontrovers, jeder hat seine eigene Meinung dazu und ich muss zugeben, dass genau das Thema eines ist, wo es mir sehr schwer fällt andere Meinungen zu tolerieren. Ich bemühe mich immer es trotzdem zu tun, es gelingt mir jedoch selten ohne Zähne knirschen…Nähern wir uns mal vorsichtig an:

Liebe Mara,ich danke dir sehr für diesen Schubs, denn nun bearbeite ich hier ein Thema, dass mir sehr am Herzen liegt.

Wir leben in einer Zeit, in der die medizinischen Diagnoseverfahren immer besser werden und Probleme immer früher erkannt werden. Eigentlich ist das gut, sollte man meinen. Das kann es auch sein, ist es aber nicht immer. Sprechen wir doch zum Beispiel über die Möglichkeit bei einem Ungeborenen um die 12. SSW herum eine Nackenfaltenmessung vornehmen zu lassen um einen möglichen Gendefekt frühzeitig zu erkennen. Wir haben uns bewusst gegen diese Untersuchung entschieden. Warum? Weil die Ärzte dir als Ergebnis ausschließlich eine Wahrscheinlichkeit geben. Und dann ist man als Eltern je nach Wahrscheinlichkeit gezwungen eine Entscheidung zu treffen: Soll eine weiterführende Diagnostik gemacht werden? Der Wundermann und ich waren uns in einem Punkt immer einig. Eine Abtreibung käme niemals in Frage, egal bei welchem Ergebnis. Also war diese Untersuchung für uns völlig überflüssig. Wusstet ihr, dass die meisten Eltern, die diese Untersuchung vornehmen lassen und als Ergebnis eine hohe Wahrscheinlichkeit für einen Gendefekt erhalten, ihr Kind abtreiben lassen? Ich will gar nicht wissen, wie viele dieser Kinder gesund zur Welt gekommen wären.

Schon sind wir beim nächsten Thema. Haben Kinder, die nicht perfekt sind, weniger Recht auf Leben? Dürfen wir für sie entscheiden, was lebenswert ist? Mal angenommen, man erhält nach einer Fruchtwasseruntersuchung das Ergebnis, dass das Kind mit Trisomie 21 geboren wird. Das heißt noch gar nichts, außer dass das Kind eine Trisomie 21 hat. Wie schwer der Grad der Behinderung sein wird, wie selbstständig dieses Kind leben können wird und welche Fähigkeiten es besitzen wird (oder eben auch nicht) kann niemand vorher sehen. Wie schafft man es also, so eine Entscheidung zu treffen?

Der Wundermann und ich haben uns dennoch entschieden, die Feindiagnostik im 2. Schwangerschaftstrimester vornehmen zu lassen, jedoch nicht, um eine mögliche Behinderung auszuschließen, sondern um nach den Organen zu schauen, insbesondere das Herz. In meiner Familie gibt es viele Herzfehler und ich wollte sicher sein, dass meine Wunderwesen keine ernsthaften Probleme haben. Ich wollte mich im Fall der Fälle vorbereiten können wenn dort erkennbare Probleme vorhanden wären, ich würde dann z.B. dort entbinden, wo es die richtigen Ärzte für genau dieses Problem gibt, damit den Kindern sofort die beste medizinische Betreuung zuteil wird, die sie kriegen können. Ein Schwangerschaftsabbruch käme für mich nie in Frage, ganz egal, was die Ärzte uns über die Wunderwesen gesagt hätten. (Wusstet ihr, dass ein Schwangerschaftsabbruch mit medizinischer Indikation zu jedem Zeitpunkt der Schwangerschaft erlaubt ist? Wenn das Baby schon lebensfähig ist, wird es noch im Mutterleib getötet und dann auf die Welt gebracht.)

Ich bin keine Abtreibungsgegnerin, ich denke, jede Frau muss entscheiden dürfen, ob sie ihr Kind austragen möchte, oder auch nicht. Ich finde es aber schrecklich, dass wir die nicht perfekten Menschen immer mehr aus unserer Welt verbannen. Damit nehmen wir unserem Leben viel Farbe, nicht perfekte Dinge verlieren immer mehr ihre Berechtigung und werden gnadenlos aussortiert. Wieso gelten für die Menschen, die nicht in die Norm passen, andere Gesetze als für alle anderen Menschen?  Wer hat das Recht, das zu entscheiden, wer in welche Kategorie gehört und welches Gesetz Anwendung findet? Wieso dürfen Eltern Kinder töten lassen, weil sie nicht ins Schema passen und für die perfekten Kinder gibt es eine 12-Wochen-Grenze?

Es gibt bestimmt triftige Gründe für dieses Gesetz und mit Sicherheit auch viele Lebenssituationen, in denen es richtig sein kann. Ich kann mich aber nur schlecht mit dieser Art der Selektion anfreunden. Und in manchen Momenten macht es mir auch ein bisschen Angst, dass es überhaupt möglich ist.

Daher finde ich es wichtig, dass man sich bereits im Vorfeld Gedanken darüber macht, wie man handeln will, wenn das Ergebnis solcher Untersuchungen nicht wie gewünscht ausfällt. Manche Untersuchungen kann man dann direkt ausschließen, weil sie schlicht überflüssig sind. Und man darf nie vergessen: Die Hauptursache von Behinderungen sind nicht genetische Defekte sondern Dinge wie z.B. ein Sauerstoffmangel vor, während oder nach der Geburt oder Unfälle.

Es ist ein sehr, sehr komplexes Thema, zu dem ich noch so viel mehr zu sagen hätte. Das würde aber vermutlich ein ganzes Buch füllen.

Ich habe unglaubliches Glück. Im Moment entwickeln sich die Wunderwesen genau so wie sie sollen und ich habe auch noch nie in der Situation der Eltern gesteckt, die so eine Entscheidung treffen müssen/mussten. Mit Sicherheit weiß ich aber, dass ich meine kleinen Mädchen bereits seit dem Zeitpunkt liebe als die nette Labordame angerufen hat, um uns zu sagen, wie viele Eizellen erfolgreich befruchtet wurden. Ich erinnere mich genau an dieses mächtige Beschützer-Wut-Gefühl, als die Dame uns daran erinnerte, dass sie es vielleicht nicht schaffen und ich sofort losfahren wollte, um meine Babies abzuholen weil ich glaubte, besser auf sie Acht geben zu können. Das habe ich natürlich nicht getan, aber der Mutterinstinkt beherrschte mich ab diesem Zeitpunkt und ich kann mir nicht vorstellen, dass er je endet.Erst Recht nicht, wenn sie nicht perfekt sind.

In mir wohnen zwei kleine Menschen, die aus mir und dem Wundermann entstanden sind. Es sind meine Töchter und ich liebe sie, ich kann gar nicht anders. Ganz egal, was mit ihnen auf uns zu kommt, sie gehören zu uns und wir werden alles zusammen schaffen. Egal, was die Zukunft für uns bereit hält.

 

 

So ist das mit unserer Vereinbarkeit.

Um es in einem Wort zu sagen: (Über)fordernd.

Im Mai wurden die Mädchen ja drei, gleichzeitig endete meine Elternzeit. Seitdem die Kinder 13 Monate alt waren, arbeitete ich ja bereits Teilzeit in Elternzeit, das hieß für mich, ich ging einen Spätdienst pro Woche arbeiten. Das war eine schöne Lösung, denn zum Einen war ich so immer ein bisschen mit im Geschehen und hatte zum Anderen trotzdem den Luxus an allen Feiertagen und Wochenenden frei zu haben. In meinem Job ist das weit weg von „selbstverständlich“. 

Anfang des Jahres trat ich in Verhandlung mit meinem Arbeitgeber. Ich war in der glücklichen Position einen unbefristeten Arbeitsvertrag über 75% zu haben. Das ist mir aber im Moment deutlich zu viel, vor allem weil der Hauptteil meiner Arbeitszeit außerhalb der Kindergartenöffnungszeit liegen. Das Dilemma: Wenn ich meinen Arbeitsvertrag auf 50% reduzieren würde, wäre das für immer in Stein gemeißelt. Es gibt immer mehr Einsparungen, immer mehr Arbeit für weniger Personal und die Chefetage ist froh um jede Fachkraft weniger, die „viel“ Geld kostet. 

Ich konnte mir also nicht vorstellen die 75% aufzugeben. Also blieb nur ein Weg: In den sauren Apfel beißen und möglichst selbstbewusst verhandeln. Ich hab meinem Personalchef also zwei mögliche Wege aufgezeigt: Entweder ich würde im Mai meinen alten Arbeitsvertrag unverändert wieder aufnehmen (ich hab so gezittert, dass er diese Option bevorzugt) oder ich bekäme einen befristeten Arbeitsvertrag über zwei Jahre und 50%, der meinen alten Arbeitsvertrag unberührt lässt. 

Was soll ich sagen: Sie haben sich für Option zwei entschieden! 🎉 

In der Theorie heißt das konkret, dass ich pro Woche zwei Arbeitstage habe und jedes zweite Wochenende sowohl Samstags als auch Sonntags arbeiten muss, plus Teamsitzungen und Fortbildungen und natürlich Feiertage. 

So weit, so gut. 

Die Realität aktuell: ich habe gerade mit viel Glück einen freien Tag die Woche. Krankenstand, Urlaubszeit, und eine Baumaßnahme, die auch dem Pflegepersonal jede Menge Zusatzarbeit bescheren erfordern hohen Einsatz. 

Ich. kann. nicht. mehr. 

Die Arbeit, die Kinder, der Haushalt, der Garten, der Hund… Ich laufe eigentlich meinen ganzen To-Dos nur noch hinterher und fühle mich wie in einem Hamsterrad. 

Ich bin so müde. 

Und manchmal flüstert eine ganz leise Stimme in mir, die sich fragt, wie das mit der Vereinbarkeit eigentlich funktionieren soll, ohne das etwas auf der Strecke bleibt. 

In meiner Realität funktioniert es nur auf Kosten von mir.